Dänemark sucht dringend Nationalspieler

Der Verband und die Spieler verhandeln seit Januar um Werberechte – nun eskalierte der Streit.

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Am Mittwoch sollte Dänemark ein Testspiel in der Slowakei bestreiten. Am Sonntag stünde dann der erste Spieltag der Nations League an. Gegner in Aarhus wäre Wales. Das Problem: Der dänische Fussballverband DBU steht derzeit ohne Nationalspieler da. Auch Nationalcoach Åge Hareide und sein Co-Trainer Jon Dahl Tomasson werden nicht zur Verfügung stehen. Doch warum?

Seit Januar verhandeln Spieler und Verband über einen neuen Vertrag. Er regelt den Umgang mit individuellen Sponsoren dänischer Nationalspieler, die den Verbandssponsoren konkurrieren. Es ist kompliziert. Ein Beispiel: Die Nationalmannschaft wird vom dänischen Sportartikelhersteller Hummel eingekleidet. Mittelfeldstratege Christian Eriksen hat einen persönlichen Werbevertrag mit Nike. In welchem Umfang muss Eriksen jetzt für Hummel werben? Solche Angelegenheiten wurden mit dem bisherigen, am 1. August abgelaufenen Vertrag geregelt.

Die Spieler wollten den Vertrag verlängern, der Verband wollte jedoch grössere Änderungen vornehmen. Beide Parteien fanden bis vergangenen Sonntag keine Lösung. Die Spieler boten dem DBU eine einmonatige Verlängerung des alten Vertrages an. So hätte das Papier die beiden Länderspiele dieser Woche abgedeckt. Der Verband lehnte ab.

Es droht der EM-Ausschluss

Nationalspieler und das Trainerteam sind aus dem Quartier abgereist. Die Clubs wurden vom DBU informiert, dass die Spieler sofort zurückkehren. Nun steht Dänemark vor dem Test in der Slowakei und der Nations-League-Partie gegen Wales ohne Team da. Sollten die Spiele nicht stattfinden, droht dem dänischen Verband eine Bestrafung durch die Uefa – bis hin zum EM-Ausschluss.

Alle Vereine der ersten und zweiten dänischen Liga wurden vom Verband angeschrieben. Es werden dringend Spieler gesucht. Bis Montag um 19 Uhr sollen sich Spieler, die bereit sind einzuspringen, melden. Der Spielerrat um Christian Eriksen und Thomas Delaney hofft auf die Solidarität der Berufskollegen, der Verband auf Spieler, die nicht auf ein unverhofftes Nationalmannschaftsdebüt verzichten wollen.

In der Schweiz nicht möglich

Ein ähnlicher Konflikt mit dem Frauen-Nationalteam hatte im vergangenen Jahr zur Absage eines WM-Qualifikationsspiels geführt. Die Uefa drohte daraufhin, dass es bei einer Wiederholung zu einer Sperre komme. Der dänische Verband wurde zusätzlich mit einer Geldstrafe von 20'000 Euro belegt.

Wäre ein solcher Eklat auch in der Schweiz möglich? «Nein», sagt SFV-Präsident Peter Gilliéron, «bei uns ist das klar geregelt. Ich bin froh, dass ich der Verbandspräsident der Schweiz und nicht von Dänemark bin.»

(tzi)

Erstellt: 03.09.2018, 19:01 Uhr

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