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Das Derby der Lektionen und Geschenke

Der bisher erstaunliche FCZ ist grosszügig – und GC rennt unermüdlich zum 4:0.

Ein Tor von vier: Nedim Bajrami jubelt nach seinem Treffer zum 0-2 für GC.
Ein Tor von vier: Nedim Bajrami jubelt nach seinem Treffer zum 0-2 für GC.
Walter Bieri, Keystone
Murat Yakins nächster Coup: GC gewinnt das Zürcher Derby gegen den FCZ 4:0.
Murat Yakins nächster Coup: GC gewinnt das Zürcher Derby gegen den FCZ 4:0.
Christian Merz, Keystone
GC-Trainer Murat Yakin (l.) und FCZ-Trainer Uli Forte begrüssen sich freundschaftlich vor der Partie im Letzigrund.
GC-Trainer Murat Yakin (l.) und FCZ-Trainer Uli Forte begrüssen sich freundschaftlich vor der Partie im Letzigrund.
Christian Merz, Keystone
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Es ist ein Resultat wie ein kleineres Erdbeben. FCZ - GC 0:4. Ja, null zu vier. Seit 17 Monaten hat der FCZ nie mehr so hoch verloren, damals gegen Lugano, in der Krise, die zum Abstieg führte.

Das 0:4 jetzt trifft ihn in komfortablerer Situation, weil er als Zweiter zu diesem Derby angetreten ist. Schmerzen muss es ihn trotzdem, ernüchtern sowieso. Der Abend vor knapp 18 000 Zuschauern im Letzigrund zeigt spielerische Defizite auf, die er bislang so gut kaschieren konnte. Gegen ein reifes GC prallt er schliesslich auf schmerzhafte Art ab.

Wer nutzt den ersten Fehler?

Zwei Szenen sind es, die für den Ausgang des Spiels so bedeutsam sind. Es sind die Momente, von denen GC-Trainer Murat Yakin am Vortag gesprochen hat. Da hat er gesagt: Wer den ersten Fehler ausnutze, sei im grossen Vorteil. GC macht den ersten Fehler, als es Frey im Strafraum gewähren und frei zum Schuss kommen lässt. Aber der FCZ kann ihn nicht ausnutzen. Frey scheitert am brillanten Reflex von Lindner.

Der FCZ leistet sich den ersten Fehler vier Minuten später, nach einer Viertelstunde. GC lässt sich die Offerte nicht entgehen: Andersen übertölpelt erst Brunner, dann vor allem Torhüter Andris Vanins, der sich in der nahen Ecke erwischen lässt – bei einem Ball aus spitzestem Winkel.

Die Grasshoppers rennen und spielen und rennen

Bei den Grasshoppers wirkt fortan jeder noch ein paar Zentimeter grösser. Sie bestimmen das Spiel und tun es das dank einer immensen Laufbereitschaft. Auch wenn sie bis zur Pause keine Torchancen mehr haben: Ihnen gelingt bis dahin ein überzeugender Auftritt, der für ihre Entwicklung unter Yakin steht, für die neue Stabilität und Disziplin.

Sie rennen und rennen. Djuricin und Jeffrén sind müde gelaufen, dass sie nach 70 Minuten ersetzt werden müssen, Pnishi muss schliesslich mit Krämpfen vom Platz. Das passiert alles zu einem Zeitpunkt, als der Match entschieden ist. Es ist wie beim ersten Tor: Der FCZ patzt zweimal, GC profitiert zweimal kaltblütig.

Zuerst spielt Nef aus zwei Metern Jeffrén den Ball in die Füsse, dann ist er beim Nachsetzen zu wenig entschlossen, Jeffrén passt in die Mitte, Bajrami trifft im zweite Anlauf. GC setzt nach, Bangura reisst Djuricin um, der Österreicher verwertet den Elfmeter nach 59 Minuten. FCZ-Trainer Uli Forte fasst es zusammen: «Das 0:1, das 0:2, das 0:3 – alle Tore geschenkt.»

Der FCZ muss sich fragen: Wieso war er nicht bereit?

Forte ist konsterniert, als er Bilanz ziehen muss. Sechs Tore hatte seine Mannschaft zuvor in elf Spielen zugelassen, jetzt schliesslich gleich vier, weil auch der junge Zesiger noch den Schlusspunkt für GC setzen darf. Er hat nicht gross Zeit, den Einbruch zu analysieren, weil es am Dienstag im Cup bei Lausanne-Ouchy weitergeht. Aber auf eine Frage muss er in der Kürze eine schlüssige Antwort finden: Wieso seine Spieler ausgerechnet für das 248. Zürcher Derby nicht bereit sind?

In der ersten Halbzeit sind sie fehlerhaft und viel weniger aggressiv als der Gegner, in der zweiten sind sie überlegener, weil GC den hohen Rhythmus nicht aufrecht halten kann – und mit einem 3:0 im Rücken auch nicht mehr zwingend muss. Vielleicht, mutmasst Forte, vielleicht hätten sie geglaubt, es laufe ohnehin von allein. Wenn es so gewesen ist, kann dieses Ergebnis heilsam sein.

Bei GC dagegen bemüht sich

Yakin, dass aus Freude über den Sieg keine Euphorie wird, die gefährlich sein kann. «Geniessen und dann weiterarbeiten», gibt er als Motto aus. Seine erste Bilanz als Nachfolger von Carlos Bernegger ist jedenfalls beachtlich: sechs Spiele in der Meisterschaft, drei Siege, keine Niederlage, dazu ein Erfolg im Cup. Eines will er dann aber doch eines Tages erreichen: «Dass wir uns im oberen Drittel der Tabelle festsetzen.» Alles andere würde auch nicht zu seinem Anspruch passen.

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