Ist dieses FCZ-Kader gut genug?

Ludovic Magnin hat einen schweren Stand. Dies musste der FCZ-Trainer beim 0:4 in Basel einmal mehr schmerzhaft erfahren.

Der FC Zürich verliert in Basel 0:4. «Der Abstand zu Basel, fussballerisch und physisch, ist zu gross gewesen» sagt Trainer Magnin.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Abschied der Spieler vor dem eigenen Anhang fiel kurz aus. Die mitgereisten FCZ-Fans wollten die Profis gar nicht erst vor ihrem Sektor sehen, schickten sie verärgert dahin zurück, woher sie gekommen sind. 0:4 haben die Zürcher den Klassiker gegen den FC Basel verloren. Nach einem desolaten Auftritt.

Dem FCZ-Trainer war die Enttäuschung anzusehen. Während Marcel Koller über den Sieg und die Tabellenführung sprach, ging der Blick von Ludovic Magnin ins Leere. Hat er die in allen Belangen ungenügende Leistung gedanklich Revue passieren lassen? Dann müssen ihm Dinge wie die fehlende Aggressivität, die mangelnde Laufbereitschaft und die krassen Stellungsfehler seiner Defensive sauer aufgestossen sein.

Die erste Halbzeit des FCZ war schon schwach gewesen. Nach 50 Minuten fiel die Mannschaft in sich zusammen. Der Auslöser war das 2:0 ausgerechnet durch Kevin Bua. Ausgerechnet, weil der Basler zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr auf dem Platz hätte stehen dürfen. Für ein übles Foul an Simon Sohm sah der Basler Offensivspieler nur Gelb, obwohl es Rot hätte sein müssen. Die Szene wollte Magnin nicht kommentieren. «Ich sage nichts dazu, um euch zu zeigen, dass ich mich entwickelt habe. Aber alle haben es gesehen.»

Sportchef Bickel muss sich Fragen gefallen lassen

Beim 0:4-Endresultat brauche man aber nicht links und rechts schauen oder gar Ausreden zu suchen, sagt Magnin. «Wir machen bei den Gegentoren keine gute Figur und auch nicht in den Zweikämpfen. Der Abstand zu Basel, fussballerisch und physisch, war zu gross», sagt Magnin. Eigentlich war der FCB überall um Klassen besser. Der FCZ genügt schlicht nicht gegen die Konkurrenz. Sportchef Thomas Bickel, der die Pleite mit versteinerter Miene auf der Medientribüne des St.-Jakob-Park mitverfolgt hat, wird sich einige Fragen zum Kader gefallen lassen müssen. Unter seinen Neuverpflichtungen ist kaum eine Verstärkung.

  • Mimoun Mahi zeigt sich bisher als einziger Lichtblick unter den Neuzugängen. Der holländische Offensivspieler mit marokkanischen Wurzeln ist bislang der torgefährlichste FCZ-Spieler, vor allem aber der mit den meisten Ideen im Offensivspiel.
  • Von Blaz Kramer erhoffte sich der FCZ physische Präsenz im Angriff, Kopfballstärke und Tore. Bekommen hat er den Beweis, dass ein Spieler aus der Regionalliga (vierthöchste Spielklasse in Deutschland) selbst in der Super League keine Verstärkung sein kann.
  • Willie Britto war als Backup für Kevin Rüegg vorgesehen, aber der 22-jährige hat in seinen bisher 7 Einsätzen in der Liga noch nicht den Beweis geliefert, dass er das je sein kann.
  • Verteidiger Nathan, gekommen von Absteiger GC, ist weit davon entfernt, der gewünschte Abwehrchef zu werden. Wobei: Schlimmer als mit Mirlind Kryeziu in Basel kann es auch mit dem Brasilianer nicht laufen.
  • Was der FCZ in Denis Popovic gesehen hat, bleibt das Geheimnis der Verantwortlichen. Der slowenischer Internationale hätte der Regisseur im Mittelfeld sein sollen. Viel Erfahrung, viel Ballgefühl, immer auf der Suche nach spielerischen Lösungen, so hat man sich das beim FCZ vorgestellt. Zu sehen war davon bislang nichts.

Der FCZ musste nachrüsten

Nach der 0:4-Schlappe gegen YB hat Bickel nachgerüstet. Er hat Pa Modou zurückgeholt, obwohl man den Linksverteidiger im Sommer aussortiert hat. Für zu wenig gut für die Profimannschaft hatte man auch Vasilije Janjicic eingestuft, so schloss er sich trotzig dem HSV an. Jetzt ist der defensive Mittelfeldspieler wieder da. Einen Einstand nach Mass feierte Aiyegun Tosin mit seinem Tor gegen Thun. 111 Spielminuten sind aber zu wenig, um den 21-jährigen Nigerianer schon zu bewerten.

Frage: Kann Magnin mit diesem FCZ überhaupt etwas reissen in der Liga? Oder bleibt es bis zum Schluss ein Kampf gegen Windmühlen? «Wir werden das 0:4 intern analysieren und die Dinge ansprechen», sagt Magnin. «Man muss nach so einer Leistung und der Enttäuschung, die wir noch in uns haben, auch Verständnis haben, dass wir nicht sofort mit grossen Worten gegen Aussen platzen.» Viel Zeit bleibt nicht für Magnins Analyse. Am Sonntag ist der FCZ wieder gefordert. Servette heisst dann der Gegner.

Erstellt: 26.09.2019, 07:40 Uhr

Artikel zum Thema

Nur noch desolat

Der FC Zürich zerfällt in Basel in seine Einzelteile und kann froh sein, dass er mit einem 0:4 davonkommt – in dieser Verfassung ist er ein Abstiegskandidat. Mehr...

Mit neuer Erkenntnis gegen eine dunkle Bilanz

Die Statistik des FCZ gegen Basel ist miserabel. Wie die Zürcher beim FCB dennoch gewinnen können? Vielleicht mit der Thun-Variante. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Die Welt in Bildern

Russische Torte: Indische Konditoren legen letzte Hand an eine essbare Kopie der Moskauer Basilius-Kathedrale, die sie für die 45. Kuchenausstellung geschaffen. (12. Dezember 2019)
(Bild: Jagadeesh NV) Mehr...