Das grosse Goodbye des Eden Hazard

Der Meisterdribbler führt Chelsea zum 4:1 im Final gegen Arsenal – und steht vor dem Wechsel zu Real Madrid.

Das Traumtor zum 4:1-Endstand im Europa-League-Final durch Eden Hazard. (Quelle: SRF)

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Der Abschied beginnt in der 89. Minute. Maurizio Sarri kann sich die Geste leisten, Eden Hazard mit einer Auswechslung den Sonderapplaus zu gewähren. Der Match ist entschieden, 4:1 steht es für Chelsea gegen Arsenal im Final der Europa League, und Hazard ist es, der ihn geprägt hat.

Hazard ist dieser Fussballer, bei dem die physische so gar nicht der spielerischen Grösse entspricht. Er ist nur 1,73 m, was zwar noch drei Zentimeter mehr sind als bei Messi, aber auf dem Platz ist er ein Riese. «Ein Spieler für Augenblicke», wie es Arsenals Trainer Unai Emery sagt, «die entscheidenden Augenblicke.»

Emerys Mannschaft erlebt das an diesem Abend in Baku, es ist ein trostloser Abend an einem Ort, wo nur ein paar wenige tausend Fans aus London hingereist sind, weil es für sie zu teuer und zu kompliziert gewesen ist. Nur 51 000 Zuschauer kommen in ein Stadion, wo 20 000 mehr Platz haben. Die Uefa muss sich schon jetzt vor der nächsten EM-Endrunde fürchten, da finden hier gleich vier Spiele statt, inklusive eines Viertelfinals.

Das Niveau des Spiels passt eine Halbzeit lang zum Rahmen. Es passiert gar nichts, abgesehen von einem Weitschuss von Granit Xhaka und einer Parade von Petr Cech beim letzten Auftritt in seiner grossen Karriere. «Spielt mit mehr Mut», sagt Chelseas Coach Maurizio Sarri seinen Spielern in der Pause, «selbst wenn ihr so riskiert, den Match zu verlieren.»

Der Europa-League-Final in Bildern

150 Millionen für Hazard

Nur 20 Minuten später haben sie ihn gewonnen, sie führen 3:0. Giroud hat mit einem Hechtkopfball getroffen, Pedro nach einem feinen Querpass Hazards und Hazard selbst mit einem Penalty. Arsenal hat sich in dieser Phase komplett verloren. Und Ainsley Maitland-Niles ist mitschuldig an allen Gegentoren. Er ist mit 21 der Jüngste in den beiden Startaufstellungen, er ist auch der einzige Engländer überhaupt.

Den Schlusspunkt setzt Hazard, es ist seine Antwort auf das Tor, das der eingewechselte Iwobi für Arsenal erzielt hat. Hazard verwertet eine Flanke Girouds mit einer Direktabnahme. Es ist sein 110. Tor im 352. Spiel für Chelsea, und es ist sein letztes mit der Nummer 10 gewesen, weil er nach sieben Jahren an der Stamford Bridge weiterzieht. Er sagt zwar: «Ich liebe Chelsea, ich werde Chelsea immer unterstützen», aber um die Ecke wartet Real Madrid. Und darum gibt er auch zu: «Ich denke, es ist ein Goodbye.»

150 Millionen Franken als Ablöse stehen für den 28-jährigen Belgier im Raum, nur Neymar, Mbappé und Coutinho sind bisher teurer gewesen. Real will ihn mit einem Jahr Verspätung als Nachfolger von Cristiano Ronaldo präsentieren. Dabei ist er kein Ronaldo, keine Tormaschine, ihn zeichnet etwas anderes aus: seine Unberechenbarkeit. Als Sarri vor einem Jahr zu Chelsea kam, brauchte er ein paar Monate, um Hazard zu verstehen, den Mensch, den Spieler. Jetzt sagt er: «Er ist ein wunderbarer Mann. Ich weiss, er wird gehen. Ich muss seinen Entscheid respektieren.»

Dank Hazard wird der Final von Baku gerade auch für Sarri zum Triumph. Er hat stürmische Monate in London hinter sich, die Zuschauer haben sich immer wieder schwer getan mit seinem methodischen Fussball, «fuck Sarriball!», riefen sie einmal zu Tausenden im Februar, es war der Tiefpunkt.

Applaus für Sarri

Seither ist zunehmend darüber spekuliert worden, wie es mit Sarri weitergeht. Selbst die direkte Qualifikation für die Champions League hat nichts daran geändert. In Baku sagt er: «Ich muss mit Chelsea reden, damit ich weiss, was ich für Chelsea tun kann und was Chelsea für mich. Nach meiner Meinung verdiene ich es, bei Chelsea zu sein. Aber meine Meinung ist nicht genug.»

Danach drückt ihm ein italienischer Journalist eine Packung seiner geliebten Zigaretten in die Hand, ein zweiter bittet um eine Autogramm, ein dritter möchte ein Selfie. Sarri, ein 60-jähriger Neapolitaner, der immer im Trainingsanzug auftritt und vielleicht auch im Trainingsanzug schläft, wird mit Applaus aus dem Presseraum verabschiedet. Bei Arsenal dagegen geht es darum, die Wunden zu lecken. Der Zerfall in der zweiten Halbzeit ist die Bestätigung, dass es diesem Team an Klasse fehlt, um ganz vorne mitzuhalten. Die Abwehr ist überfordert, wieder einmal, Xhaka ist zunehmend verloren im Mittelfeld, Konterstürmer Aubameyang kann nicht kontern, weil ihm Chelsea den Raum dazu gar nicht erst bietet.

Und dann ist da noch Mesut Özil, er beweist, dass nicht jeder, der die 10 auf dem Rücken trägt, ein Spieler für die grossen Momente ist. Özil bleibt ein Rätsel, auch Emery hat es diese Saison nicht entschlüsseln können, egal, was er gerade versuchte. Gegen Chelsea spielt Özil 31 Pässe, nicht einer entfaltet Wirkung. Er muss vorzeitig vom Platz, Özil sieht dabei aus, als wäre er der einsamste Mensch in Baku.

Erstellt: 30.05.2019, 11:23 Uhr

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