Das Internet von damals

Die aktuellen Fussball-Resultate des Wochenendes im Glaskasten beim Bahnhof.

Hoch lebe de Regionalfussball! Der FC Küsnacht bei der Arbeit. (Bild: fw)

Hoch lebe de Regionalfussball! Der FC Küsnacht bei der Arbeit. (Bild: fw)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Hier ist das Wetter seit wohl 10 Jahren unverändert, die Fee, steht geschrieben, ist in Pension gegangen. Gesucht wird eine neue, Zeitaufwand pro Woche 5 bis 10 Minuten. Doch gefunden wurde offenbar weder eine neue Fee noch ein neuer Frosch, es ist wie beim letzten Mal, als alles noch in Betrieb war: «Veränderlich», 30 Grad, 764 der Barometer.

Die Wetterstation in Küsnacht am Zürichsee ist weiterhin beim Bahnhof zu finden, auf der linken Seite eines Glaskastens. Es sind darin Sachen aufgehängt, die aktueller sind, die Daten der ausserordentlichen Schiesspflicht 2019 oder die militärischen Aufgebote etwa, bei Verdacht soll man die Tel.-Nummer 117 wählen, gemeinsam gegen Einbrecher.

Einst, es ist lange her, es war die Zeit, als die «NZZ» noch dreimal am Tag erschien und wir «Help» von den Beatles oder dann «I Can’t Get No Satisfaction» von den Stones hörten und das Schweizer Schwarzweissfernsehen mit den Sendungen erst um 19 Uhr begann, lief ich oft zu diesem Kasten. Am Sonntagabend – aber manchmal fand ich nicht, was ich lesen wollte, so musste ich Montagmorgen in der Früh nochmals hin, vor der ersten Schulstunde.

Wie hat der FCK gespielt? Der Glaskasten beim Bahnhof Küsnacht mit der Wetterstation, die nicht mehr in Betrieb ist. (Bild: fw)

Im kleinen Kasten nebenan waren sie ausgehängt, die Resultate vom Wochenende des FC Küsnacht, meines Vereins. Wie die 1. Mannschaft gespielt hat, wusste ich meistens, denn ich sah sie ja spielen auf dem alten Heslibach, ich stand hinter dem Tor, aber ich wollte alles wissen, die Resultate der 2., 3. und 4. Mannschaft, der Junioren oder Senioren. Und da standen manchmal fast ehrfürchtige Namen als Gegner – Grasshoppers, die grossen Grasshoppers, das waren noch Zeiten. Manchmal hatte der FC Küsnacht gar gewonnen, und es war ein stolzes Gefühl, als hätte man selber mitgespielt ...

Es war die einzige Möglichkeit, sich zu informieren, von Hand waren die Resultate auf ein Blatt geschrieben, der Kasten beim Bahnhof in Küsnacht, mit dem grossen Kastanienbaum und dem Brunnen davor, war das Internet von damals.

Und kürzlich las ich eine Mitteilung des Deutschen Fussball-Bundes. Er bietet auf Fussball.de eine neue Plattform an, auf der Vor- und Nachberichte zu allen Spielen zu lesen sind, hinab bis zur tiefsten Kreisliga irgendwo auf dem Lande. Ein Klick, und ich weiss, wie der FC Sophienthal aus Bayreuth gespielt hat, vor Jahren die schlechteste Mannschaft Deutschlands, 28 Spiele, null Punkte, 29:339 Tore.

Der Kasten in Küsnacht müsste heute einen schwarzen Trauerrahmen tragen: Der FCK ist eben in die 4. Liga abgestiegen.

Erstellt: 25.06.2019, 08:29 Uhr

Artikel zum Thema

Lieber Arjen Robben

Kolumne 9 Jahre bei Bayern, davon 3 Jahre verletzt. Und jetzt, bitte, noch einmal: diesen Robben-Moment. Mehr...

Oscarpreisträger im Hardturm

Kolumne Ein Blick zurück auf die einst gloriose Zeit des alten Stadions. Mehr...

Die Begegnung auf dem Perron

Kolumne Mark Knopfler in der Turnhalle von Wettingen. Und Alain Sutter im Zug nach Zürich. Damals. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Kommentare

Die Welt in Bildern

Feuerschweif: Eine Spezialeinheit demonstriert am Indian Navy Day in Mumbai ihr Können. (4. Dezember 2019)
(Bild: Francis Mascarenhas) Mehr...