Zum Hauptinhalt springen

Das Märchen um einen ehemaligen Sion-Goalie

Essam El Hadary wurde bereits von Didier Drogba geadelt. Elf Jahre später kann der 44-Jährige einen ganzen Kontinent hinter sich lassen.

Der Held in der Mitte: Essam El Hadary führt Ägypten in den Final des African Cup of Nations.
Der Held in der Mitte: Essam El Hadary führt Ägypten in den Final des African Cup of Nations.
Keystone
Der 44-Jährige hielt im Halbfinal gegen Burkina Faso zwei Penaltys.
Der 44-Jährige hielt im Halbfinal gegen Burkina Faso zwei Penaltys.
Keystone
Ein Sieg im Final gegen Kamerun wäre bereits sein fünfter Titel. Ausser Ägypten hat kein Land den African Cup of Nations mehr als viermal gewinnen können.
Ein Sieg im Final gegen Kamerun wäre bereits sein fünfter Titel. Ausser Ägypten hat kein Land den African Cup of Nations mehr als viermal gewinnen können.
Keystone
1 / 4

Penaltyschiessen im Halbfinal des African Cup of Nations. Burkina Fasos Goalie Hervé Koffi läuft an. Der Druck für den 20-Jährigen muss immens sein, schliesslich muss er den Ball an einem Goalie vorbeibringen, der den Kontinentalwettbewerb erstmals gewonnen hatte, als Hervé gerade mal ein Jahr alt war. Und tatsächlich, Essam El Hadary hält den gut geschossenen Penalty mirakulös.

Damit aber noch nicht genug. Er pariert auch den Schuss von Bertrand Traoré und sichert Ägypten damit die Teilnahme am Final. Er ist somit nur noch einen Schritt entfernt, eines der romantischeren Fussballmärchen der letzten Jahre zu krönen.

Penaltyheld: Essam El Hadary führte Ägypten in den Final des African Cup of Nations. Video: Youtube.

Denn eigentlich war der ehemalige Sion-Goalie nur als Nummer drei vorgesehen. Weil sich der nominelle Ersatzgoalie verletzte, rückte El Hadary in der internen Hierarchie eine Position nach – eigentlich eine Randnotiz. Doch im Startspiel gegen Mali verletzte sich Stammkeeper Ahmed El-Shenawy in der 25. Minute, weshalb der Oldie nochmals ins Tor musste. Er blieb vier Spiele, total 433 Spielminuten, ohne Gegentor, bis Burkina Fasos Aristide Bancé ihn im Halbfinal ein erstes Mal bezwingen konnte. Nebenbei stellte der 44-Jährige einen Altersrekord beim Afrika-Cup auf. Der lag bisher bei 39 Jahren.

Grund für Sions Transfersperre

El Hadary ist schon lange dabei. Sehr lange sogar. Er gehörte zum Kader, als die Pharaonen 1998 den African Cup gewannen, und er war Stammgoalie, als Ägypten zwischen 2006 und 2010 den Wettbewerb dreimal in Folge gewann. Im Final 2006 parierte er im Penaltyschiessen gegen die Elfenbeinküste drei Strafstösse, was den ivorischen Star Didier Drogba zur Aussage verleitete: «Das ist der beste Torwart, gegen den ich je gespielt habe.»

Obwohl El Hadary in seiner Heimat ein Star war, schaffte er international den Durchbruch nie. Für Sion absolvierte er nur 37 Spiele, ehe es ihn zu Ismaily SC zurück nach Ägypten zog. Am ehesten blieb der «afrikanische Buffon» hierzulande wegen des Theaters um seinen Transfer in Erinnerung: Weil Christian Constantin ihn zum Vertragsbruch angestiftet haben soll, verhängte die Fifa eine einjährige Transfersperre gegen den FC Sion. Immerhin gewann El Hadary mit den Wallisern 2009 den Schweizer Cup.

Ein Novum mit 45?

Ansonsten liest sich der Palmarés des 147-fachen Nationalspielers beeindruckend: achtmal ägyptischer Meister, viermal ägyptischer Cupsieger, dreimal afrikanischer Champions-League-Sieger. Mit einem Sieg am Sonntag gegen Kamerun kann er den Afrika-Cup zum fünften Mal gewinnen. Hinter dem Rekordchampion Ägypten (total sieben Siege) stehen Kamerun und Ghana auf Rang zwei der Titelrangliste. El Hadary hätte damit den Pokal also öfters gewonnen als alle anderen afrikanischen Länder.

Ein perfekter Zeitpunkt, um endgültig aufzuhören? Nicht für El Hadary. Denn der ägyptische Captain will bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland zum ältesten WM-Spieler in der Geschichte werden. Nach zwei Siegen aus zwei Spielen stehen die Chancen gut, dass sich Ägypten erstmals seit 1990 wieder einmal für eine WM qualifiziert – und El Hadary mit 45 doch noch zu einem Novum kommt. Oder wie er gegenüber Fifa.com sagt: «Ich habe im Verein und in der Nationalmannschaft schon viele Titel gewonnen, aber ein Fussballer muss sich immer neue ehrgeizige Ziele setzen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch