Das Opfer seiner selbst

Christian Constantins Stadionverbot ist nicht nur auf seinen Ausbruch gegen Rolf Fringer zurückzuführen.

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Das ist es jetzt also für Christian Constantin: 14 Monate Sperre und 100 000 Franken Busse. Er kann nicht wirklich überrascht sein. Ein solches Urteil der Disziplinarkommission der Swiss Football League hat er erwarten müssen.

Auf den ersten Blick scheint das Urteil übertrieben wegen Ohrfeigen und eines Tritts in den Hintern von Rolf Fringer, der beim Teleclub als Experte arbeitet. Jüngst wurde in Neuenburg jemand wegen einer Ohrfeige mit 100 Franken gebüsst. Das war ein Fall, den Constantin in der Hoffnung zitierte, selbst glimpflich davon zu kommen.

Das Vergehen: Christian Constantin griff Teleclub-Experte Rolf Fringer an. Video: Tamedia.

Auf den zweiten Blick ist er nicht allein für seinen Ausbruch am Abend des 21. September bestraft worden. Er ist das Opfer seiner selbst geworden, seiner Vorgeschichte, die im Dezember 2004 beim Challenge-League-Spiel in Kriens mit einem Angriff auf Schiedsrichter und Assistenten begann und zu einer bedingten Busse von 24 500 Franken führte.

Constantin ist seither der Präsident gewesen, der sich renitent zeigt, der mit allen Mitteln um seine Position und Macht kämpft, der sich notfalls auch mit Fifa und Uefa anlegte und der den Eindruck macht, allen auf der Nase herumtanzen zu wollen, vor allem den Fussballbehörden in Bern.

Zur Hetzjagd gegen Schiedsrichter aufgerufen

Eine seiner übleren Ausbrüche hatte er im Frühling vergangenen Jahres, als er zur Hetzjagd auf Schiedsrichter Sascha Amhof aufrief. Es passierte nichts weiter, Constantin wurde von der Liga mit 5000 Franken gebüsst. Das Urteil war so lächerlich, dass er im Eindruck bestärkt sein musste, tun und lassen zu können, was immer er will. Jetzt wird ihm, laut Urteil der Disziplinarkommission, ein «klarer, schwerwiegender Verstoss» gegen die Verhaltensregeln des Schweizerischen Fussballverbandes vorgehalten. Ein Clubpräsident sei in «erhöhtem Mass» verpflichtet, sich vorbildlich für Fairplay und Respekt einzusetzen. Ein Fan, der im Stadion bei einer Tätlichkeit erwischt wird, wie sie Constantin begangen hat, wird mit zwei Jahren Stadionverbot belegt. Auch vor diesem Hintergrund ist die Strafe zu begreifen.

Constantin ist sicher auch zum Verhängnis geworden, dass er die Ohrfeigen gegen Fringer nicht richtig bedauerte. Im Gegenteil, er hat sie genossen, «es hat gut getan», hat er gesagt. Er hat sich genervt über die dauernden Attacken Fringers am Fernsehen, die auf die Person Constantin zielten und etwas Unversöhnliches zeigten. Fringer hat ihn einen Narzissten ohne Empathie genannt.

Aber Constantin hat schon Schlimmeres über sich lesen müssen, ohne dass er vergleichbar reagiert hätte. Darum bleibt diese eine Frage im Raum: Wieso hat er wirklich derart allergisch auf Fringer reagiert?

Erstellt: 12.10.2017, 13:19 Uhr

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