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Das Pech eines Kämpfers

Admir Mehmedi könnte der Mann des Spiels sein – am Ende ist er zwar kein Versager, aber halt doch ein Verlierer.

Erfolglos: Admir Mehmedi findet den Weg zum dänischen Tor nicht.
Erfolglos: Admir Mehmedi findet den Weg zum dänischen Tor nicht.
Georgios Kefalas, Keystone

Da steht er und sagt: «Ein 0:0 wäre kein Weltuntergang gewesen.»

Als Admir Mehmedi das sagt, könnte alles anders sein. Könnte er über ein 1:0 der Schweizer reden. Über sich als Matchwinner.

Jetzt steht er nicht als Versager da. Aber als Verlierer.

Mehmedi, 28 inzwischen, mit langsam lichtem Hinterkopf, gehört zu den Spielern, die besonders dankbar sind. Wenn er auf dem Platz steht, ist er unermüdlich unterwegs. Mit seinem Kampfgeist war er gerade an der WM 2014 in Brasilien das Symbol für die Schweizer Mannschaft.

Wenn er nicht auf dem Platz steht, resigniert er nicht. Das hat er besonders beim SC Freiburg gelernt, als Christian Streich sein Trainer und ein harter Lehrmeister war. Aber schon sein Vater hat ihm beigebracht, sich durchzubeissen und nie aufzugeben. «Er war immer ein unheimlich fleissiger Arbeiter», sagt Mehmedi über seinen Vater, «irgendwann zahlt sich das aus.» Er ist seit bald acht Jahren im Ausland tätig, in Kiew, Freiburg, Leverkusen und in Wolfsburg. Mit dem, was er erreicht hat, ist er sehr zufrieden. Er sagt, er habe bis jetzt eine gute Karriere gemacht.

Ein kleines Kunstwerk, das unbelohnt bleibt

Als er im Parken von Kopenhagen zur Nationalhymne Aufstellung nimmt, steht er vor seinem 64. Einsatz für die Schweiz. Im aktuellen Kader haben nur Lichtsteiner, Rodriguez und Xhaka öfter gespielt. Vladimir Petkovic wählt mit ihm die offensivere Variante als mit Remo Freuler, dem er sonst so viel Vertrauen entgegenbringt. Es ist eine gute Wahl. Es könnte sogar eine sehr gute Wahl sein.

Die 35. Minute ist angebrochen, es steht noch immer 0:0, als Nico Elvedi einen herrlichen weiten Pass spielt. Mehmedi ist auf dem Weg in die Tiefe, er schaut auf den Ball, nur auf ihn, «der Ball ist nicht einfach zu nehmen», sagt er. Aber er nimmt ihn direkt ab, und wie er das macht, ist ein kleines Kunststück. Wenn da bloss nicht Kasper Schmeichel wäre, der nach dem Ball taucht und ihn mit der rechten Hand abwehrt. Der dänische Goalie reagiert brillant, im Stil seines Vaters Peter, der einst Weltklasse war. «Top» reagiert, sagt Mehmedi über Schmeichel jr.

«Wir verteidigen super, wir investieren viel, wir haben viele Chancen und viele Schüsse.»

Yann Sommer

«Wir machen das Spiel», kann sich Stephan Lichtsteiner schon zu diesem Zeitpunkt denken, es ist die 35. Minute. Und Yann Sommer wird später sagen: «Wir verteidigen super, wir investieren viel, wir haben viele Chancen und viele Schüsse.» Wie die erste Halbzeit mit Mehmedi aufhört, beginnt die zweite mit ebendiesem Mehmedi.

Diesmal ist es Ricardo Rodriguez, der den weiten Pass spielt, sicher 60 Meter weit. Mehmedi nimmt ihn elegant an, fast so, als wäre er ein Künstler, «ich habe den Ball gut mitgenommen», sagt er später bescheiden. Er rennt aufs Tor zu, nur noch einen dänischen Verteidiger neben sich. Vielleicht sollte er sich den Ball noch einmal vorlegen, und vielleicht sollte er mit dem linken Fuss schiessen, das sagt er selbst.

Aber er legt sich den Ball nicht vor, er schiesst nicht mit links. Er wählt den Abschluss mit rechts, gerät leicht in Rücklage, und sein Schuss fliegt übers Tor. Auch deshalb hat Mehmedi in den letzten zwei Jahren nur zwei Tore für die Schweiz erzielt, beim 6:0 gegen Island und jüngst beim 4:0 gegen Gibraltar. In Kopenhagen wäre ein erfolgreicher Abschluss weit wichtiger gewesen.

3:3 statt 3:0, 1:1 statt 1:0 und 0:1 statt 0:0

Am Ende kommt es so, wie es im Fussballer banaler nicht sein könnte: Wer das Tor selbst nicht macht, kriegt es. «Das ist der eine Moment, bei dem wir nicht gut stehen, bei dem wir nicht kompakt sind», sagt Goalie Sommer. «Und dann passiert es.»

Von ihm stammt der Ausdruck des «Verantwortungsbewusstseins gegenüber dem Resultat». Der ist nicht elegant, aber er ist zutreffend, weil die Schweizer auch diesmal nicht fähig sind, ein positives Resultat über die Zeit zu bringen. Im März brachten sie es fertig, gegen Dänemark im Hinspiel ein 3:0 zu verspielen; die Gegentore liessen sie in der 84., 88. und 93. Minute zu.

Im Juni, beim Halbfinal im Final Four der Nations League, hielten sie gegen Portugal bis kurz vor Schluss ein 1:1; dann mussten sie wegen zwei weiterer Tore von Cristiano Ronaldo in der 88. und 90. Minute kapitulieren. Und Anfang September in Irland: Den Ausgleich zum 1:1 kassierten sie in der 85. Minute.

Viele Punkte fehlen jetzt, viele wichtige Punkte. «Wichtig ist, dass wir jetzt nach vorne schauen», sagt Stephan Lichtsteiner, der Rückkehrer und Captain, «wichtig ist, dass wir aus den Fehlern lernen.»

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