Das Phänomen Fabian Schär

Der Innenverteidiger kommt in der Nationalmannschaft trotz fehlender Spielpraxis im Club zu viel Spielzeit. Wie geht das?

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In der 76. Minute verschuldet Fabian Schär, der Neue bei Newcastle United, mit einer ungeschickten Intervention gegen Marcos Alonso einen Penalty und löst im St. James’ Park eine hektische Schlussphase aus. Ohne den ausgewechselten Schweizer erzwingt Joselu für die «Magpies» den Ausgleich. Dennoch verlor Newcastle gegen Chelsea 1:2.

Der Einstand von Fabian Schär Ende August bei Newcastle verlief suboptimal. Drei Tage nach dem 1:2 gegen Chelsea in der 3. Runde der Premier League kam der 26-jährige Ostschweizer im Ligacup (1:3 gegen Nottingham) ein zweites Mal zum Einsatz. Seither sitzt Schär auf der Bank, trotz sportlichem Sinkflug seines Teams.

Acht Runden wartet das Team von Trainer Rafael Benitez nun schon auf den ersten Sieg. Mit zwei Remis und sechs Niederlagen – bei einem Torverhältnis von 6:13 – belegt Newcastle den zweitletzten Platz.

Die Situation ist keine einfache für Schär. Dabei war der Plan, nach wechselhaften Jahren, erst in der Bundesliga, danach in der Primera División, in England an frühere Zeiten anzuknüpfen. In der ersten Saison bei Hoffenheim (2015/16) brachte er es auf 24 Ligaspiele. Unter Trainer Julian Nagelsmann (seit Februar 2016) blieb der Verteidiger im Folgejahr meist aussen vor. Im Sommer 2017 ging Schär zu La Coruña und kam dort 25-mal in der Liga und zweimal im Cup zum Einsatz. Nach dem Abstieg konnte er die Galizier dank einer Ausstiegsklausel für rund vier Millionen Euro in Richtung Newcastle verlassen.

Deshalb schätzt er die Nationalmannschaft

Seit Schär im Sommer 2015 vom FCB weg ist, erlebte er nie mehr erfolgreiche Zeiten wie unter Trainer Murat Yakin. Frisch von Wil aus der Challenge League gekommen, absolvierte der Innenverteidiger unter Yakin 69 Partien und schoss 13 Tore. 41 Partien (1 Tor) waren es nach Yakin unter Paulo Sousa. Vladimir Petkovic hat stets zu Schär gehalten, selbst in schwierigen Zeiten.

Der Ostschweizer zahlte das Vertrauen zurück. Ob an der EM 2016 oder an der WM 2018 – Schär lieferte trotz fehlender Spielpraxis immer ab. So auch am letzten Freitag in Brüssel. Der Innenverteidiger gehörte gegen Belgien (1:2) zu den Besten.

Wie macht er das? «Ich habe das Gefühl, dass ich gut drauf bin. Auch in Newcastle spüre ich, dass ich bereit bin und Selbstvertrauen habe.» Ob ihm die guten Leistungen bei der Nationalmannschaft im Club helfen? «Ich kann hier nicht mehr als Leistung bringen, und ich glaube, das ist mir auch sehr gut gelungen. Es ist schön, wenn du zur Nationalmannschaft kommst und das Vertrauen des Trainers spürst und wenn du weisst, wie wichtig du für die Mannschaft bist. Das macht es einfacher, und das schätze ich extrem in dieser Nationalmannschaft.»

Keine Extravaganzen

Gut gelaunt, neuerdings mit modischem Dreitagebart, spricht Schär auf der Sportanlage Kopavogsvöllur in Reykjavik über seine Situation. Der Ort hat mit dem Glamour der topmodernen Arenen der Premier-League wie dem Etihad oder Emirates Stadium wenig gemein: Eine Garderobe mit braunen Wänden, einfachen Holzbänken und Duschen. Schär stört das nicht.

Glitzer und Glamour scheinen sowieso nicht seine Welt zu sein. Der 26-Jährige ist keiner, der durch Extravaganzen auffällt. Nicht in der Art, sich zu kleiden, und auch sonst nicht. Manchmal könnte man den Eindruck bekommen, dass er irgendwie fehl am Platz ist in der oberflächlichen Scheinwelt des Fussballs. Aber nur neben dem Rasen. Seine physische Präsenz auf dem Platz ist auch gegen die robusten Isländer wieder gefragt.

Erstellt: 15.10.2018, 17:35 Uhr

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