Das Selbstvertrauen verjagt die Furcht

Die Jungen prägen den 3:0-Sieg des FC Zürich gegen Lugano. Vor allem Fabian Rohner glänzt.

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Im Internet hat Fabian Rohner das Ding gefunden, das ihm die Angst nimmt: den Kopfschutz. Er hält ihn nach dem Sieg gegen Lugano in der rechten Hand, als ihm Mikrofone ins Gesicht gestreckt werden. Denn Rohner prägt neuerdings mit seinen Leistungen Fussballspiele. Auch weil er seit Februar ein Polster um seinen Kopf trägt – es hat aus ihm einen anderen Spieler gemacht.

Zwei Gehirnerschütterungen hat der 19-Jährige in seiner noch jungen Karriere bereits erfahren müssen. Lange trug er Zweifel und Schmerzen mit sich herum. Und eben die Angst, dass es ein weiteres Mal geschehen könnte. Darum der Kopfschutz. Er gibt dem eher schmächtigen Rohner das Antlitz eines rauen Rugbyspielers und hat auch sein Auftreten verändert. Selbstvertrauen hat die Furcht verjagt. Rohner schiesst jetzt wichtige Tore für den FCZ.

Zu klein, zu schmächtig

Das spielentscheidende 1:0 beim 3:0 gegen Lugano ist sein zweites Tor in der Rückrunde. Der Treffer demonstriert seine neue Zuversicht. Die Mannschaftskameraden haben ihm vor dem Spiel noch gesagt: «Geh ins eins gegen eins, du bist so schnell.» Nach neun ­Minuten hat Rohner Raum vor sich und sticht in diesen; Kollege Izer Aliu hat ihn ihm mit einem Pass geöffnet. Rohner überläuft drei Lugano-Spieler und schiebt den Ball am Torhüter vorbei. So hat er es im Training geübt, so hat er es ausgeführt. «Aussergewöhnlich», sagt Trainer Ludovic Magnin und denkt an Rohners Tempo am Ball.

Rohners Weg in den Profifussball war begleitet von Widerständen. Als Junior war er klein. So klein, dass der Bub aus Höngg nicht mitspielen durfte. Er ist in der U-15 des FCZ wegen körperlicher ­Defizite sitzengeblieben, ebenso in der U-16. Zu klein, zu schmächtig, hiess es. Heute ist das anders. Er hat Selbstvertrauen. «Das kommt automatisch, wenn du spielen kannst», sagt er. Der Aufschwung von Rohner hat sich abgezeichnet, bereits im Sommer war er nahe dran an der ersten Mannschaft, nach der Winterpause sagte Noch-Trainer Uli Forte, Rohner habe einen «gewaltigen Schritt» vorwärts gemacht. Wobei: Bei Forte wussten die Jungen nie so recht, woran sie waren, wie gerne und vor ­allem wie kompromisslos er auf sie ­setzen würde.

Magnin und die Jungen

Das ist bei dessen Nachfolger Ludovic Magnin anders. Der FCZ-Trainer hat die U-18 trainiert und zum Meistertitel ­geführt, er hat die U-21 betreut und stabilisiert. Magnin hat die Talente des FCZ über Jahre heranwachsen sehen, er kennt sie – und sie kennen ihn. Die ­Jungen können darum einerseits mit ­seiner manchmal schroffen Art umgehen, andererseits hilft die Vergangenheit auch Magnin: Er hat keine Angst, die Jungen zu bringen.

Das war auch gegen Lugano der Fall. Neben Rohner spielte auch der 19-jährige Kevin Rüegg. Bei diesem sagt ­Magnin: «Kevin ist für mich nicht mehr jung, er gehört zu den Etablierten.» Nette Worte für einen Teenager. Rüegg musste gegen Lugano erst auf der Position des Rechtsverteidigers ran, in der zweiten Halbzeit spielte er im defensiven Mittelfeld. Diese Polyvalenz schätzt Magnin, auch wenn aus seinen Worten klar wird, dass Rüegg für ihn am meisten Potenzial als Rechtsverteidiger hat.

Zum zweiten Mal in der Startelf stand auch der 18-jährige zentrale Mittelfeldspieler Izer Aliu. Ein Spieler, der mit seinem Können wilde Fantasien anregt. Der Mann ist hochveranlagt, er hat seltene Talente, er verliert auch unter Druck nicht den Überblick, er sieht Räume, die andere nicht sehen. Zwei Pässe zu Toren gelingen ihm gegen Lugano. «Ordentlich», nennt Magnin seine Leistung und fügt an: «Der kann noch viel, viel mehr. Der wird uns noch viel Freude machen.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.03.2018, 09:55 Uhr

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