Die offenen Fragen nach dem Aufstieg des FCZ

Der Ausflug durch die Provinz war nett. Aber die grosse Aufgabe stellt sich dem FC Zürich, wenn er sich wieder auf den Ernst des Lebens in der Super League vorbereiten muss.

Schön war es in der Provinz, hier jubelt Antonio Marchesano in Wohlen. Aber nun beginnt für den FCZ wieder der Ernst des Super-League-Lebens.

Schön war es in der Provinz, hier jubelt Antonio Marchesano in Wohlen. Aber nun beginnt für den FCZ wieder der Ernst des Super-League-Lebens. Bild: Keystone

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Es ist geschafft. Der FC Zürich steigt auf. Der Gang nach Canossa über die lauschigen Haltestellen Baulmes, Chiasso oder Wohlen durch die Challenge League verkommt nicht zur Unendlichkeit, nein, bereits nach einer Saison kehrt der Absteiger zurück. Das verdient Respekt. Zu viele Relegierte gibt es in dieser Fussballwelt, die sich auf dem Weg zurück verirrt haben. Servette, Kaiserslautern, Nottingham – alles frühere Meister.

Dem FCZ gelang in dieser Saison eine erstaunliche Transformation. Erst ein Jahr ist es her, als Fans voller Zorn die FCZ-Garderobe stürmten. Der Cupsieg wurde damals tot gefeiert – gar nicht. Der TA schrieb von «strukturellen Mängeln», Präsident Canepa sprach danach vom bevorstehenden «Change-Management».

Das gelang. In der Provinz hat die Basis den FCZ wieder lieb gewonnen, zu Hause kamen regelmässig über 9000 Zuschauer an die Partien, dazu gesellte sich die süsse Medizin gewonnener Spiele.

Die Sieger und die Verlierer der FCZ-Saison

Dass der FCZ sogleich wieder aufsteigt, liegt zu grossen Stücken am Ehepaar ­Canepa. Es hielt das Budget von knapp 20 Millionen Franken aufrecht, verzichtete auf einen personellen Aderlass und gab an sinnvollen Stellen Einfluss ab – etwa im sportlichen Bereich. Und die Führung sorgte dafür, dass es während des Jahres ruhig im Club blieb, Interna blieben Interna. Es konnte gearbeitet werden.

Trainer Uli Forte war dabei das Aufputschmittel, nach dem sich der Verein gesehnt hatte. Er hat aus einer verunsicherten Anhäufung von Fussballern eine Mannschaft kreiert, in der ein gesundes Selbstvertrauen wohnt. Eine Gruppe, die in jedem Spiel vollen Einsatz zeigt. Eine Gruppe auch, die über sich hinauswachsen kann. Nie zeigte sie das besser als in der Europa League, in der sie bis zum letzten Spiel die Chance zum Überwintern hatte.

Forte machte aus dem FCZ eine schwer bezwingbare Equipe. Zweimal nur hat er in der Liga verloren. Fortes Mannschaft ist stets vorzüglich auf den Gegner eingestellt, spielt gegen den Ball kompakt, ärgert die Gegnerschaft mit giftigem Pressing und vermag schnell umzuschalten.

Vermisst: die spielerische Note

Trotzdem vermisste man eine spielerische Dominanz des FCZ. Vor allem in diesem Frühjahr, in dem er nicht mehr an die Leistungen der Hinrunde anknüpfen konnte. Viele Partien verkamen zum Knorz, der FCZ lebte von der individuellen Klasse. Dieser Anspruch auf Spielwitz hat Forte stets gestört, ja die Kritik konnte ihn im falschen Moment richtig wütend machen. Es sei nun mal schwierig gegen massierte Defensiven anzutreten, die gegen Zürich ihre Spiele des Jahres feiern, argumentiert er.

Das mag sein, doch im Hinblick auf kommende Aufgaben war im Offensivbereich zu wenig System und zu viel Zufall zu sehen. Kommt dazu, dass sich Sportchef Thomas Bickel einen Ballbesitzfussball wünscht. Ein Anspruch, der sich in dieser Saison zuweilen kräftig mit der Realität biss. Offenbar soll es dazu auch vereinsintern kritische Stimmen geben.

Wohin der Weg führt, ist in diesen Tagen ungewiss. Das Gesicht der Mannschaft soll nächste Saison ein anderes sein, sie soll verjüngt werden. Das hat sie nötig, und doch stellen sich dabei Fragen: Wo beginnen? Und: Wer gehört überhaupt zum Gerüst dieser Mannschaft? Als sich Bickel kürzlich mit dieser Frage konfrontiert sah, musste er lange überlegen und sagte schliesslich, die Arbeit gehe im Sommer sicherlich nicht aus. Tatsächlich existieren Baustellen.

Nur Vanins ist ein Fixpunkt

Einziger Fixpunkt ist derzeit die Torhüterposition. Vanins ist als Nummer 1 gesetzt. Doch in der Innenverteidigung und im zentralen Mittelfeld gibt es Handlungsbedarf. Kecojevics Vertrag läuft aus, wenn Ersatz gefunden wird, muss er gehen. Nef hat noch ein Jahr – es ist aber fraglich, ob er auch in der Super League eine prägende Rolle übernehmen kann. Bickel ist überzeugt von Bangura, doch der Mann aus Sierra Leone war entweder verletzt oder konnte sein Potenzial nicht zeigen.

Im defensiven Mittelfeld werden Kukeli (33) und Yapi (35) nicht schneller, Sarr hat unbestritten Qualitäten, zugleich fliegen bei ihm die einfachsten Pässe in wilden Kurven über den Platz. Ob die drei zum Gerüst gehören?

Im offensiven Mittelfeld gibt es unzufriedene Spieler. Es wird über den Abgang von Buff spekuliert. Sein Vertrag läuft aus, der Spieler möchte bleiben, hat aber vom Club seit Dezember nichts mehr gehört. Für Schönbächler ist die Situation unbefriedigend, als einstiges Mitglied im Nationalmannschaftskader spielt er zu wenig. Und: Wie stark sind Rodriguez, Winter und Marchesano in der Super League?

Bickel geht seinen Weg

Im Sturm überzeugte das Duo Dwamena und Koné, doch gerade Letzterer hat in taktischer Hinsicht enormes Potenzial – oder andersrum: Er muss sich kräftig verbessern, um in der Super League mithalten zu können. Auch bei Cavu­sevic stellt sich die Frage: Genügt er eine Liga höher? Bickel meint: Ja. Gewiss ist nur, dass der ausgeliehene Sadiku trotz Vertrag bis 2018 nicht zum FCZ zurückkehrt. Er soll verkauft werden.

Bickel ist wichtig, er geht seinen Weg. Aus der Ferne betrachtet, macht es den Anschein, als ob er sich bei öffentlichen Auftritten etwas absondern würde. Er sitzt auf der Tribüne gerne für sich oder kommt auch mal mit dem Tram an die Heimspiele.

Doch seit dem Abgang von Marco Bernet gibt es mit ihm wieder ein aktives Bindeglied zum Nachwuchs. Das ist darum von Bedeutung, weil der FCZ sich in den vergangenen Jahren den Ruf erarbeitet hatte, kein guter Ort für junge Männer zu sein. Das Kader war aufgebläht, selbst in der U-21 hatte es kaum Platz für Junge. Es kam zu den Abgängen von Talenten wie Oberlin oder Janjicic. Sie schmerzten.

Die Wege sind für den Nachwuchs kürzer geworden

In dieser Saison ist das anders. Die Wege in die erste Mannschaft sind kürzer geworden. Kempter (22), Aliu (17), Rohner (18), Stettler (21), Kryeziu (20) kamen zum Einsatz. Und da ist Kevin Rüegg. 18 Jahre alt, ein gelernter Rechtsverteidiger, ein Kraftwerk von einem Fussballer und in den letzten Spielen gesetzt im zentralen Mittelfeld. Ein Versprechen.

Die Jungen sind die Zukunft. Und sie sollen auch in der Super League ihren Platz haben, so will es Bickels Philosophie. Doch die Aufgabe für Bickel wird auch darum nicht leicht, weil er nicht nur fussballerische Verstärkungen, sondern auch Persönlichkeiten holen muss – um die Jungen in ihrem Prozess zu unterstützen.

Der FCZ steht also ähnlich wie vergangenes Jahr vor ungewissen Monaten – nur unter anderen Vor­zeichen. Viel besseren. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.05.2017, 21:39 Uhr

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Challenge League

36. Runde

03.06.FC Aarau - Neuchatel Xamax FCS2 : 0
03.06.FC Wil 1900 - FC Schaffhausen2 : 1
03.06.FC Winterthur - FC Chiasso3 : 1
03.06.FC Zürich - FC Wohlen3 : 0
03.06.FC Le Mont LS - Servette FC0 : 1
Stand: 03.06.2017 19:48

Rangliste

NameSpSUNG:EP
1.FC Zürich36267391:3085
2.Neuchatel Xamax FCS36227766:3673
3.Servette FC361881055:4362
4.FC Schaffhausen361631764:5951
5.FC Aarau361361757:6445
6.FC Winterthur361181745:6241
7.FC Wohlen361232142:6039
8.FC Chiasso369101743:6337
9.FC Le Mont LS368111731:5435
10.FC Wil 1900361071935:5834
Stand: 03.06.2017 19:48

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