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Auswertung zeigt Risiko-Transfers in der Super League

Welche Clubs mit neuen Spielern das grösste Wagnis eingehen.

Am Anfang steht immer die Hoffnung. Sommertransfers haben die schöne Eigenschaft, dass sie die Fans träumen lassen. Noch ist keine Sekunde gespielt – und jeder Neuzugang könnte theoretisch der wichtige Puzzlestein sein, der dem eigenen Club bisher zu Ruhm und Titeln gefehlt hat.

Die Erfahrung sagt aber auch: Nicht jeder Transfer ist ein Treffer. Das beweist der Blick auf die Sommertransfers von 2016. Viele der damals verpflichteten Spieler sind ein Jahr später bereits wieder weitergereist. Am krassesten ist es beim FC Lugano, wo nicht einmal die Hälfte der Zugänge eine Saison überdauert hat, was auch damit zu tun hat, dass die Tessiner viel mit Leihspielern operieren.

Der Blick auf die missratenen Wechsel der letzten Jahre zeigt, welche Kategorien von Transfers ein besonders hohes Risiko bergen. Daraus lässt sich schliessen, mit welchen Spielern die Clubs in diesem Sommer ein speziell hohes Wagnis eingegangen sind (siehe Bildstrecke oben).

Kategorie 1: Das gelobte Talent

Nachwuchsspieler in die erste Mannschaft zu integrieren, ist nicht von vornherein ein Risiko. Schwierig kann es allerdings werden, wenn ein mit Vorschusslorbeeren bedachtes Talent sofort für eine tragende Rolle vorgesehen ist.

Beispiel aus der Vergangenheit: Gianluca Gaudino beim FC St. Gallen, der das Team auf eine neue Ebene hieven sollte – und diese Herkulesaufgabe nie bewältigen konnte.

Kategorie 2: Der Überperformer

Er hat eine eher mässige Karriere hingelegt. In der letzten Saison aber ist seine Leistung richtiggehend explodiert, worauf er einen neuen Club gefunden hat. Und dort sinkt seine Qualität wieder auf Normalniveau.

Beispiel aus der Vergangenheit: Ridge Munsy bei den Grasshoppers, der nach einer tollen Saison in Thun eine Million Franken Ablöse gekostet hat, letzte Saison bei GC aber nie auf Touren kam.

Kategorie 3: Der Altstar

Er hat einen grossen Namen und eine grosse Karriere hinter sich. Er ist über 30 Jahre alt – und er hat zuletzt kaum mehr oder nicht mehr auf höchstem Niveau gespielt.

Beispiel aus der Vergangenheit: Arthur Boka beim FC Sion. Der ehemalige Nationalspieler der Elfenbeinküste kam mit 33, nachdem er zuvor bei Malaga eine halbe Saison nicht gespielt hatte. Nach drei Einsätzen in der Super League war er im Winter schon wieder weg.

Kategorie 4: Der Wandervogel

Er hatte bislang pro Saison mindestens einen neuen Verein, wird aber sicher irgendwann einmal seine Leistung abliefern.

Beispiel aus der Vergangenheit: Rodrigo Aguirre beim FC Lugano. Nach fünf Clubs in fünf Jahren landete der Stürmer im Tessin, erzielte in zehn Spielen ein Tor und wurde bereits im Winter wieder weitergereicht.

Kategorie 5: Der Einwanderer

Er kommt aus einem anderen Kultur- und Sprachkreis und spielt zum ersten Mal in Westeuropa. Bis er sich an die neue Umgebung gewöhnt hat, ist die halbe Saison schon vorbei.

Beispiel aus der Vergangenheit: Omar Gaber beim FC Basel. Er kam als ägyptischer Nationalspieler, wirkte aber die gesamte letzte Saison leicht überfordert und kam kaum zu Einsätzen.

Kategorie 6: Der Aufsteiger

Er spielt bislang in der Challenge League oder bei einem ausländischen Club, der weniger hoch eingeschätzt wird als sein neuer Schweizer Verein. Nun soll er auf höherem Niveau sein Potenzial ausschöpfen. Nur dann ein Risiko, wenn er als potenzieller Leistungsträger verpflichtet wird, was vor allem bei den ausländischen Spielern der Fall ist.

Beispiel aus der Vergangenheit: Seifedin Chabbi beim FC St. Gallen. Der Stürmer kam aus der zweithöchsten österreichischen Liga, schoss in St. Gallen in sieben Spielen ein Tor und war im Winter bereits wieder weg.

Kategorie 7: Der Ersatzspieler

Er steht zwar bei einem Club einer grossen Fussballnation unter Vertrag. Bloss spielt er dort nie. Jetzt will er sich in der Schweiz wieder für höhere Aufgaben empfehlen.

Beispiel aus der Vergangenheit: Zdravko Kuzmanovic beim FC Basel. Der Mittelfeldspieler kam vor zwei Jahren als «Königstransfer» aus Mailand, wo er bloss 14 Spiele absolviert hatte. Bereits im Winter wurde er danach leihweise wieder abgegeben.

GC und Lausanne gehen das höchste Risiko

Es ist kein Zufall, dass die Grasshoppers und Lausanne mit je vier Risikotransfers an der Spitze dieser speziellen Rangliste stehen. Beide Clubs sind klamm und durften auf dem Transfermarkt kein Geld ausgeben. Komplette Spieler können so nicht verpflichtet werden.

Bildstrecke – die Risikotransfers in der Super League

Der Holländer soll die Tore von Janko und Doumbia ersetzen. Er fällt in zwei der Risikokategorien, die unten im Text erklärt werden: Mit sieben Clubs seit 2011 ist er ein «Wandervogel». Und seine letzte Saison ist mit 20 Ligatoren für Arnheim mit Abstand die Beste seit mehreren Jahren. Er könnte also auch ein «Überperformer» sein.
Der Holländer soll die Tore von Janko und Doumbia ersetzen. Er fällt in zwei der Risikokategorien, die unten im Text erklärt werden: Mit sieben Clubs seit 2011 ist er ein «Wandervogel». Und seine letzte Saison ist mit 20 Ligatoren für Arnheim mit Abstand die Beste seit mehreren Jahren. Er könnte also auch ein «Überperformer» sein.
Keystone
Der Goalie kam letzte Saison auf zwei Einsätze für Eintracht Frankfurt, auch in Österreichs Nationalteam war er meist auf der Bank. Ein klassisches Beispiel für die Kategorie «Ersatzspieler», der in der Schweiz einen neuen Anlauf nehmen will.
Der Goalie kam letzte Saison auf zwei Einsätze für Eintracht Frankfurt, auch in Österreichs Nationalteam war er meist auf der Bank. Ein klassisches Beispiel für die Kategorie «Ersatzspieler», der in der Schweiz einen neuen Anlauf nehmen will.
Keystone
Für den Isländer ist der FCZ bereits der neunte Club, was eine eindrückliche Zahl ist für einen erst 26-Jährigen. Zuletzt spielte er im Mittelfeld des dänischen Erstligisten Esbjerg, der eine miserable Saison hinlegte und mit bloss 6 Siegen in 36 Spielen abstieg. Immerhin war Palsson Captain. Trotzdem gehört er in die Risikokategorien «Wandervogel» und «Aufsteiger».
Für den Isländer ist der FCZ bereits der neunte Club, was eine eindrückliche Zahl ist für einen erst 26-Jährigen. Zuletzt spielte er im Mittelfeld des dänischen Erstligisten Esbjerg, der eine miserable Saison hinlegte und mit bloss 6 Siegen in 36 Spielen abstieg. Immerhin war Palsson Captain. Trotzdem gehört er in die Risikokategorien «Wandervogel» und «Aufsteiger».
Keystone
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Der FC Thun dagegen taucht gar nicht auf. Das liegt daran, dass seine «Aufsteiger» und «gelobten Talente» nicht gleich für die Startaufstellung eingeplant sind. Schlagen sie nicht ein, hat der Club zwar nichts gewonnen, aber auch nur wenig verloren.

Es kann auch klappen

Natürlich bedeuten Risikofaktoren nicht immer, dass ein Transfer tatsächlich missraten muss. Die Thuner entdecken immer wieder Spieler aus der Kategorie «Aufsteiger», die sich bewähren. Es gibt «gelobte Talente», die den Vorschusslorbeeren gerecht werden, wie Yvon Mvogo bei den Young Boys. Und manchmal hat ein Club auch genügend Zeit, um einen Spieler so behutsam aufzubauen, dass er auch als «Einwanderer» gross herauskommt, wie Mohamed Salah beim FC Basel.

Wer also wird in dieser Saison für seine Riskofreude belohnt? Spätestens im Winter wird ein erstes Mal Bilanz gezogen.

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