Die Schweizer Gegner: Brüder, Heimmacht, Betonmischer

Das sind die Kontrahenten der Schweizer Nationalmannschaft an der EM 2016 in der Gruppe A: Albanien, Frankreich und Rumänien.

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Das Startspiel wird zugleich das emotionalste sein für die Schweizer Fussballer in ihrer Gruppe A. Ausgerechnet auf Albanien treffen die Schweizer dann. Ein Bruderduell - wortwörtlich, wenn Granit (Schweiz) und Taulant Xhaka (Albanien) aufeinander treffen. Ein Überblick über alle drei Schweizer Gruppengegner.

Albanien, das Bruderduell

Die Euphorie ist in Albanien seit der erstmaligen Endrunden-Qualifikation Mitte Oktober riesig. Die Spieler wurden nach dem entscheidenden 3:0 in Armenien am Flughafen von Tirana von Premierminister Edi Rami empfangen, anschliessend bildete ein Autokorso in die Innenstadt den Auftakt zu tage- und nächtelangen Festivitäten.

Zurecht: Die fussballverrückten Albaner hatten sich vorher noch nie für eine Endrunde qualifiziert, belegten nun aber hinter Cristiano Ronaldos Portugal Platz 2 und liessen mit Dänemark und Erzrivale Serbien deutlich höher kotierte Teams hinter sich.

Populärer als die Spieler ist nur noch der Trainer: Gianni De Biasi, der Italiener, der in seiner Heimat nie restlos zu überzeugen wusste und bei der AC Torino einst dreimal entlassen wurde, ist nun ein Nationalheld.

Keine Touristen

Vom Punktelieferant avancierte der Balkanstaat in den letzten Jahrzehnten immer mehr zum ernst zu nehmenden Gegner, die letzten sieben Qualifikationen beendete Albanien nie mehr auf dem letzten Platz. Nun soll das Märchen in Frankreich weitergehen – ohne Druck, dafür mit umso mehr Spielfreude.

Und was würde sich zum Auftakt besser eignen als ein Erfolg gegen den grossen Bruder aus der Schweiz? «Es ist eine enorm schwierige Gruppe, aber wir wollen nicht nur als Touristen nach Frankreich fahren», sagte De Biasi in einem ersten Statement.

Der Trainer Albaniens, oft auch als Champions-League-Analytiker im Tessiner Fernsehen im Einsatz, wird sich in der Rückrunde wohl noch häufiger in den Schweizer Stadien aufhalten – nun auch noch zur Gegnerbeobachtung.

Fast zehn Spieler seines Kaders haben Verbindungen zur Schweiz Gashi, Djimsiti, Ajeti, Kukeli, Abrashi, Lenjani, Sadiku und Basha. Sie alles sind entweder Schweizer oder zumindest hierzulande ausgebildet worden.

Die Schweiz hat noch nie verloren

Speziell emotional dürfte das Duell für Xherdan Shaqiri, Valon Behrami und vor allem Granit Xhaka werden, die Schweizer Nationalspieler mit albanischen Wurzeln. Letzterer trifft dann auf seinen über alles geliebten Bruder Taulant, der sich wie so viele andere Doppelbürger für Albanien entschieden hat.

Sechsmal haben die beiden Nationen bisher gegeneinander gespielt, fünfmal hat die Schweiz gewonnen, dazu gab es ein Unentschieden. Schon in der Qualifikation zur letzten WM deutete sich bei den knappen Siegen (2:1 in Tirana und 1:0 in Luzern) aber an, dass die Partie für den Favoriten kein Selbstläufer wird.

Überhaupt hat die Schweiz gegen die defensivstarken Albaner erst einmal mit zwei Toren Unterschied gewonnen. Eines ist klar: Der Druck wird am 11. Juni in Lens zentnerschwer auf «Schweiz A» lasten.

Frankreich - die Heimmacht

Die vermeintlich schwierigste Aufgabe harrt der Schweizer im letzten Vorrundenspiel, am 19. Juni in Lille: Gastgeber Frankreich ist in der Heimat besonders schwierig zu bezwingen.

Gegen die Franzosen in Frankreich zu gewinnen war zuletzt auch für die Grossen des Weltfussballs fast unmöglich. 1984 gewannen «Les Bleus» zuhause den ersten von zwei Europameistertiteln (neben 2000), 14 Jahre später holten sie in der Heimat sogar den WM-Titel, das 3:0 im Final gegen Brasilien mit der Gala von Zinédine Zidane ist bis heute unvergessen.

Ein weiteres Heimturnier scheint die richtige Bühne, um die zuletzt mittelmässige Bilanz aufzupolieren. In den letzten drei EM-Endrundenturnieren bedeutetem spätestens die Viertelfinals Endstation. «Das Erreichen der K.o.-Phase ist unser Minimalziel», hält Trainer Didier Deschamps den Ball vorerst flach. Vom dritten Titel, mit dem man zu den Rekordhaltern Spanien und Deutschland aufschliessen würde, spricht derzeit zumindest öffentlich noch niemand.

Hält die Disziplin?

Wie praktisch immer kann sich der Nationaltrainer auf eine kompetitive Mannschaft verlassen, angeführt von Mittelfeldmotor Paul Pogba, dem jungen Star von Juventus Turin. Wie schon mehrfach in den letzten Jahren könnte sich das Team durch Disziplinarprobleme aber selber schwächen.

Ein grosses Fragezeichen steht vor allem der Teilnahme des besten Torschützen Karim Benzema. Der Stürmer von Real Madrid ist wegen der Verwicklung in die Sexvideo-Affäre um Teamkollege Mathieu Valbuena gesperrt und eine Begnadigung scheint derzeit unwahrscheinlich.

Böse Erinnerungen an 2014

Auch ohne Benzema dürfte Frankreichs Offensivpotenzial aber gross sein. Zuletzt machten die Schweizer an der WM in Brasilien unliebsam Bekanntschaft mit der Stärke der Franzosen: In Salvador da Bahia setzte es in der WM-Vorrunde am 20. Juni 2014 eine 2:5-Schlappe ab.

In fünf Ernstkämpfen hat die Schweiz gegen Frankreich bisher lediglich drei Unentschieden bewerkstelligt. Dass man allerdings als Schweizer im Stade Pierre Mauroy gewinnen kann, ist seit November 2014 bekannt: Damals gewannen Roger Federer, Stan Wawrinka und Co. dort den Davis-Cup-Final.

Rumänien - Beton statt Spektakel

Der zweite Schweizer Gruppengegner profilierte sich in der Qualifikation nicht als Spektakelmacher: Rumänien kassierte am wenigsten Gegentreffer aller Teams. Nur gerade zweimal musste Rumäniens Keeper in der Qualifikation hinter sich greifen, auswärts blieb das Team von Angel Iordanescu sogar überhaupt ohne Gegentor.

Dennoch bleibt die Bilanz durchzogen, Platz 2 in einer eher schwachen Gruppe hinter Nordirland und vor Ungarn und Finnland löste hinter den Karpaten keine Euphorie aus. Vom Champagner-Fussball aus den Zeiten von Gheorghe Hagi ist Rumäniens Nationalteam derzeit weit entfernt, während der Qualifikation fiel sogar ein unrühmlicher Rekord. Rumänien blieb während total 428 Minuten ohne Torerfolg, der vorherige Negativrekord (413) datierte von 1948.

Die Schweiz hat schon mehr als 20 Jahre nicht mehr an einem Ernstkampf gegen Rumänien gespielt. Die Erinnerungen an den letzten Vergleich sind aber positiv: 1994 trafen beim 4:1-Sieg an der WM in Detroit Sutter, Chapuisat, Knup und Bregy.

Der Spielplan der Gruppe A

Freitag, 10. Juni Saint-Denis: Frankreich - Rumänien (21.00 Uhr)

Samstag, 11. Juni Lens: Albanien - Schweiz (15.00 Uhr)

Mittwoch, 15. Juni Paris: Rumänien - Schweiz (18.00 Uhr) Marseille: Frankreich - Albanien (21.00 Uh)r

Sonntag, 19. Juni Lille: Frankreich - Schweiz (21.00 Uhr) Lyon: Rumänien - Albanien (21.00 Uhr)

Erstellt: 12.12.2015, 19:45 Uhr

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