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Das Aufregende heute Abend: Ein Barça-Wunder ist möglich

0:4 ging das Messi-Team bei Paris St-Germain im CL-Hinspiel unter. In Katalonien geht nun #remuntarem herum.

Damit sie auch heute Abend so feiern können, müssen sie ziemlich oft ins Netz treffen: Barça-Spieler beim Freudentanz. (Archiv)
Damit sie auch heute Abend so feiern können, müssen sie ziemlich oft ins Netz treffen: Barça-Spieler beim Freudentanz. (Archiv)

In Barcelona glauben sie gegen alle Vernunft, sie hoffen wider die schiere und scheinbar feindlich gesonnene Arith­metik. Auf Katalanisch lässt sich dieser Glaube in eine Formel fassen, die in den sozialen Medien in den vergangenen ­Tagen gern mit einem Hashtag versehen wurde, damit sie sich besser verbreitet: #remuntarem – etwa: Das holen wir auf. Ganz beliebt auch: «Jo hi crec», ich glaube daran. In der Meisterschaft gegen Celta Vigo im Camp Nou, das in dieser Sache auch als kollektive Beschwörung dienen sollte, sah man Banderolen, auf denen den Herrschaften von Barça ­ge­raten wurde, dass sie ihre Attribute auspackten, um den Glauben auch ­irgendwie anatomisch zu unterstützen, metaphorisch wenigstens. Und das ­gelang dann genauso torreich, wie es nun auch gegen Paris Saint-Germain in der Champions League gelingen soll.

Für Barça-Trainer Luis Enrique ist eine Aufholjagd gegen PSG möglich. (Video: Reuters).

Erneut 5:0 müssen die Katalanen ­gewinnen, um es nach dem 0:4 in Paris doch noch in die Viertelfinals zu schaffen. Eine Handvoll, «una manita», ohne Gegentor. Oder eben 4:0 plus Elfmeterschiessen. Oder 6:1, 7:2, 8:3. Jedenfalls sehr hoch. Ein Gegenschlag, eine runde Revanche. Im modernen Fussball der ­Allerbesten sind solche Kantersiege eher selten und unwahrscheinlich ­geworden. Gerade in einem Rückspiel, wenn sich der Hinspielsieger darauf einstellen kann, dass der Gegner nichts weniger als ein Wunder braucht. Dennoch scheint es einige gute oder wenigstens verhandlungswürdige Argumente zu geben für eine memorable «Remuntada».

Die Befreiung von Luis Enrique

Gegen Celta wirkten die Katalanen zum ersten Mal in diesem Jahr richtig befreit. Und die Versuchung ist gross, diese plötzliche Lösung aller Verkrampfung mit einem Vorfall in Verbindung zu bringen, der in der vergangenen Woche über den Verein kam. Da gab Luis Enrique, seit bald drei Jahren Coach Barças, überraschend früh bekannt, dass er per Ende Saison aufhören werde. Er könne den Job so, wie er ihn ausübe, mit dieser ­ermüdenden Verausgabung, nicht mehr länger versehen. Gegen Celta Vigo sah man Luis Enrique nach langer Zeit mal wieder lachen auf der Bank. Er sei schon sehr erleichtert, sagte er. Und es war, als habe er sein Team damit angesteckt.

Enrique ist zwar ein erfolgreicher Trainer: Er gewann acht von zehn bisher möglichen Titeln. Doch geliebt wurde der trockene, asketische, auch gerne besserwisserische und schnell einmal pikierte Asturier nie, weder vom Publikum noch vom Team. Ganz zu schweigen von den Medien. Sein Barça hatte die Freude am eigenen Spiel verloren, es war, als langweilte man sich daran. Die Verteidigung, einst Aufbauzentrale mit sicherem Passspiel, genügte oftmals nur noch den Ansprüchen eines besseren Provinzclubs. Das Mittelfeld, früher die Hegemoniezone Barças, büsste zusehends alle Automatismen ein.

Wenn es jeweils trotzdem noch zum Siegen reichte, war es dem Zynismus ­geschuldet – und natürlich: Lionel Messi, dem obersten Krisenmanager. Besonders glücklich sah auch er nicht aus, zuweilen schlurfte er wieder lustlos über den Platz wie bei früheren Baissen, die dann schnell als Vorspiel für einen Epochenwechsel gedeutet wurden und für eine Dämmerung von Messis Karriere.

Nun ist plötzlich wieder diese fröhliche, leichte Exaltiertheit aus seinen besten Zeiten zu spüren. Der Verein bastelt an einem neuen Vertrag, der Messi alle Flausen von einem oft kolportierten Weggehen austreiben soll: Offenbar will man ihm ein Jahresgehalt von 35 Millionen Euro anbieten, netto. Denn Messi rennt wieder. Messi presst. Messi schiesst Tore, 38 in 37 Spielen dieser Saison. Messi serviert Bälle. Messi, Messi, immer Messi. Und da sein Sturmpartner Neymar Junior auch im dritten Jahr in Barcelona noch immer sehr ­altruistisch aufgelegt ist, bleibt es da vorne idyllisch. Mittelstürmer Luis ­Suárez war zuletzt nicht mehr ganz so erfolgreich wie auch schon. Doch auch diese mittlere Flaute könnte Ansporn sein, mal wieder was Wunderliches zu schaffen.

Busquets und das Fragezeichen

Begeistert ist man auch von der jüngsten Leistungssteigerung von Sergio Busquets. Gegen Celta Vigo führte der lange, hagere Mittelfeldspieler wieder einmal aufreizend sicher Regie und düpierte die Gegner. Wie ehedem. Andrés Iniesta, bald 33, dagegen sass zunächst wieder nur auf der Bank, wie meist seit seiner Verletzung. Wahrscheinlich wird er gegen den PSG von Beginn weg mitmachen. Er wird dann die Wege jenes jungen Mannes kreuzen, von dem es heisst, er werde ihn bald beerben: Der Italiener Marco Verratti sieht Iniesta an guten ­Tagen dermassen ähnlich, dass sich Barcelona um seine Dienste bemühen soll.

#remuntarem? Niemand zweifelt ­daran, dass dem Dreizack im Sturm ­ge­nügend Tore gelingen könnten – wenn nur hinten alles dicht bliebe. Und das ist schon viel weniger sicher. Die Abwehr ist chronisch anfällig.

Sollte Barça es tatsächlich und trotz allem schaffen, wäre eine Frage noch immer offen. Eine grosse, eine fürs allfällige Finale. Das findet heuer in Cardiff statt, in Grossbritannien. Und dort kann es sein, dass man zwei ziemlich zentrale Akteure Barcelonas, nämlich Messi und Neymar, gar nicht einreisen lassen würde, weil gegen sie in Spanien Gerichtsverfahren laufen. Es gibt einen Präzedenzfall aus dieser Saison: Serge Aurier, der Aussenverteidiger von PSG, durfte in der Gruppenphase gegen Arsenal nicht nach London reisen, weil er gerade einen Prozess am Hals hatte. Aber das war Aurier. Ohne Messi und Neymar bliebe Barça wohl nicht mal mehr das Hoffen und Glauben wider alle Vernunft.

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