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Degen: «Man fällt schneller, als man es erwartet»

Als Basler mit Meistererfahrung will David Degen versuchen, seinen Teamkollegen bei YB vorzuleben, was es für den Titel braucht.

«Ich weiss, was ich will im Leben», sagt YB-Spieler David Degen, «ich will Erfolg haben.» (Keystone)
«Ich weiss, was ich will im Leben», sagt YB-Spieler David Degen, «ich will Erfolg haben.» (Keystone)

David Degen, neben Marc Schneider sind Sie der einzige YB-Spieler, der schon Meistertitel in seinem Palmarès hat. Haben Teamkollegen bereits gefragt, wie das ist? Nein. Aber jenen, die etwas wissen wollen, gebe ich gerne Auskunft. Ich habe diese Prozesse mitgemacht, habe sie durchgespielt. Ich weiss, um was es geht.

Was würden Sie Ihren Kollegen erzählen? Ich weiss, was beim FCB 2001/02 abgegangen ist. Es ist nicht alltäglich, wenn man nach langer Zeit zum ersten Mal wieder den Titel holt. So ein Fest erlebt man nur alle 20, 30 Jahre. Das muss sich jeder bewusst sein.

Eine interessante Konstellation, dass ein Basler jetzt den Bernern erklärt, was es für den Meistertitel braucht. Klar, Basel ist meine Heimat, dort bin ich aufgewachsen, dort wohne ich immer noch. Aber mein Fussballherz gehört YB. Das ist mein Arbeitgeber, und für den zerreisse ich mich. Aber das stimmt schon: Es ist eine spezielle Situation für mich, der mit Basel vier Titel holen konnte und jetzt die Chance hat, den Titel nach Bern zu holen.

Was wird in der Rückrunde wichtig sein? Der Druck von aussen nimmt zu. Wichtig ist, dass sich keiner verrückt machen lässt. Dass sich jeder auf sich konzentriert wie in der Vorrunde. Jeder muss wissen, worum es geht - dann bin ich sicher, dass wir erfolgreich sein werden.

Den Druck machen primär Ihre Kollegen vom FCB. Wie regelmässig stehen Sie mit diesen in Kontakt? Mit Huggel, Streller, Frei habe ich einen sehr engen Kontakt. Man kennt sich, und man hört sich (lacht).

Und wie oft war während der Winterpause der Titelzweikampf das Thema? Nicht so oft. Klar, sie haben schon einige Male gesagt, sie würden uns wegputzen im Joggeli. Aber das ist ja klar: Sie müssen das sagen. Sie sind sieben Punkte zurück und wollen aufholen. Der grosse Druck lastet auf ihnen. Sie müssen um jeden Preis gewinnen. Und wir werden dagegenhalten. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit einem positiven Resultat nach Hause fahren werden.

Positiv ist bereits ein Unentschieden? Ja.

Wie sehr haben Sie sich in den eineinhalb Jahren, die Sie nun in Bern spielen, mit der Stadt identifiziert? Meine Hauptwohnung ist immer noch in Oberwil BL. Aber ein, zwei Nächte pro Woche bin ich hier. Ich fühle mich sehr wohl in Bern. Nur ist es so, dass alle meine Freunde in Basel wohnen. Und ich sage auch: Bern-Basel, das ist keine Distanz. Darum fahre ich auch ab und zu nach Hause. In der Vorrunde habe ich so gute Leistungen erbracht. Wenn das nicht so gewesen wäre, hätte ich schon lange etwas geändert.

Die Autofahrten stressen Sie nicht? Nein. Autofahren ist auf der A1 sicher nicht angenehm. Aber ich kann dabei sehr gut nachdenken, über alles. Mir kommen während des Autofahrens immer wieder Ideen, was ich verbessern könnte. Das Auto ist für mich eine Denkstube.

Wie lange haben Sie für einen Weg? Je nach Verkehr 45, 50 Minuten, mal eine Stunde.

Was war Ihre letzte gute Idee? Das will ich hier nicht ausbreiten. Ich telefoniere aber auch sehr oft. Dazu höre ich meist Radio. Da kriegt man ein paar Informationen mit. Zudem kommt da die abwechslungsreichere Musik als auf meinem iPod. (lacht)

Sie spielten eine starke Vorrunde, das erste Aufgebot für die Nationalmannschaft nach zwei Jahren war die Belohnung dafür. Hat Sie das in der Vorbereitung zusätzlich angespornt? Nein, nicht unbedingt. Ich konzentriere mich voll auf YB. Wenn hier die Leistung stimmt, kommt auch das Aufgebot für die Nationalmannschaft. Klar ist: Ich möchte an diese WM, ich werde schauen, dass ich bei YB Topleistungen bringe und mich empfehle.

Wir stellen Sie vor die Wahl: Meister mit YB oder ein WM-Aufgebot? Das ist eine ungerechte Frage. Sie stellt sich nicht für mich. Ich bin ein Winnertyp, für mich zählt nur der Sieg. Darum will ich den Titel - und an die WM! Ich rede nicht über Niederlagen, die passieren könnten. Ich rede nur über Siege. Das ist meine Einstellung. Ich gehe nicht aufs Feld, um erst mal zu schauen. Für mich zählen nur der Sieg und der Erfolg.

Sie haben ein sehr selbstbewusstes Auftreten... ...Selbstbewusstsein ist das eine. Ich weiss, was ich will im Leben: Ich will Erfolg haben. Das verkörpere ich, und dafür mache ich alles, bin mit Emotionen und Leidenschaft dabei...

...meine Frage wäre eigentlich gewesen: Gibt es auch einen anderen, verletzlicheren David Degen? Natürlich. Ich hatte auch hier in Bern ein schwieriges erstes Jahr. Jeder Mensch hat Hochs und Tiefs - das geht schneller, als man denkt. Man fällt vor allem schneller, als man es erwartet. Ich habe jetzt schon zwei, drei Tiefs miterlebt, in denen ich nicht noch mal stecken möchte. Aber ich weiss nun, wie ich da herausgekommen bin - und was ich machen muss, dass ich nicht mehr in ein solches Loch reinfalle.

Nämlich? Das sind Sachen, die für mich bestimmt sind. Die behalte ich für mich hier drinnen (zeigt auf seine Brust).

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