Kann sich SRF die Champions League bald nicht mehr leisten?

Das ZDF und der ORF haben erstmals keine Live-Rechte für die Champions League erhalten. Ein mögliches Signal für den Schweizer Markt.

Gehören solche Bilder im SRF bald der Vergangenheit an?
Cristiano Ronaldo nach dem Final der Champions League in Cardiff.

Gehören solche Bilder im SRF bald der Vergangenheit an? Cristiano Ronaldo nach dem Final der Champions League in Cardiff. Bild: Keystone

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Der Entscheid zog sich in die Länge, er hätte bereits im Mai feststehen sollen, der Uefa-Generalsekretär sagte, es sei «kompliziert», wieder und wieder wurden die Parteien vertröstet. Vergangene Woche dann die Gewissheit: In Deutschland und Österreich ist die Champions League ab 2018 nicht mehr im öffentlichen Fernsehen zu sehen. ZDF und ORF gingen leer aus im Vergabezyklus 2018 bis 2021. Offenbar wegen des Preises. Habe das ZDF bisher geschätzte 50 Millionen Euro pro Jahr bezahlt, hätten es plötzlich kolportierte 200 Millionen sein müssen, um die wertvollen Rechte zu erhalten, schrieb die «Süddeutsche Zeitung».

Profitiert haben darum potente Bezahlsender: Sky und Dazn, der Emporkömmling im Internetsportfernsehen. Sie drängen den Fussball in Deutschland und Österreich aus dem Gratismarkt.

Die SRG schweigt

Was bedeutet das für die Schweiz? In der kurzen Frist noch nichts, kommende Saison zeigt das SRF unverändert die Champions League – doch was darauf folgt, ist höchst ungewiss. Die Verhandlungen laufen nach wie vor, auch diese haben sich verzögert.

Damals als Gilbert Gress und Raphael Wicky noch SRF-Experten waren in der Champions League. Bild: Keystone

Die SRG teilt mit, dass sie zum laufenden Verfahren keine Stellung nehme. Fakt ist, dass es um die Schweiz herum zappenduster aussieht für Gratisspiele. Mit dem jüngsten Uefa-Entscheid ist klar, dass in den Top-5-Ligen (England, Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland) keine Partien der Königsklasse mehr im Free TV gezeigt werden, zudem hat mit Österreich ein vergleichbares Land den Kürzeren gezogen.

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Sportmarketing-Experte Dominik Schmid sagt, er habe trotzdem das Gefühl, dass das SRF nach wie vor Spiele der Champions League zeigen könne: «Die Schweiz war immer ein Sonderfall.» Er spricht davon, dass der Schweizer Markt aufgrund seiner Grösse international völlig irrelevant sei, das spiegle sich auch im Preis der Rechte. Und: An die SRF verkaufte Inhalte seien in der Vergangenheit nie exklusiv gewesen, durch die liberale Gesetzgebung kann der Schweizer Konsument auch Sendungen des Auslands empfangen.

«Die Schweiz war immer ein Sonderfall.»Dominik Schmid, Experte für Sportmarketing

Nur: Nun wird eben gerade dies nicht mehr möglich sein, ORF und ZDF bieten ab 2018 die Spiele nicht mehr an. Das wiederum könnte preissteigernd wirken. Roland Mägerle, der Chef von SRF Sport, hat in der Vergangenheit angetönt, dass der Staatssender bereits bei einigen Vergaben an die eigene Schmerzgrenze gekommen sei, weiter könne und wolle man nicht gehen. Steigen die Preise wie in Deutschland um das Vierfache, dann wird es kritisch.

Mägerle betonte handkehrum immer wieder, dass die Schweiz durch ihre Viersprachigkeit einen Vorteil geniesse: Eine länderspezifische Produktion lohnte sich bislang für Konkurrenten in der Schweiz kaum.

Auch Teleclub ist von den Vergaben abhängig

Auch Teleclub-Kunden könnten von den Umwälzungen betroffen sein. Denn der Onlinestreamingdienst Dazn hat gemäss «Spiegel» künftig dreimal so viel Einzelspiele im Programm wie Rivale Sky, dieser gibt seine Bilder an Teleclub weiter. Sky zeigt nach wie vor exklusiv eine Livekonferenz, doch hat mit 34 zu 104 Livepartien gegenüber Dazn deutlich weniger Spiele im Angebot als bisher.

Alle Ronaldo-Tore der Champions-League-Saison 2016/17.

Teleclub-CEO Willy Heinzelmann geht davon aus, dass er seinen Kunden künftig «mindestens das gleiche Angebot» anbieten könne.

Wie nachhaltig ist das?

Dass die öffentlich-rechtlichen Sender bei Rechtevergaben mehr und mehr passen müssen, ist nichts Neues. So haben ARD und ZDF bereits die Olympiarechte an den US-Konzern Discovery verloren. Mit Dazn ist zudem ein neuer Player in den Markt gestürmt, der nach eigenen Aussagen «sehr aggressiv vorgehen» wird, um zu wachsen. Ziel ist es, in allen Sportarten «die grossen Rechte zu schnappen». Das Unternehmen gibt sich dafür 12 Jahre Zeit.

Dazn hat sich unter anderem auch die Rechte der Premier League und der spanischen La Liga geholt - auf Kosten von Teleclub und anderen arrivierten Privatsendern.

Für die Uefa ist die Rechtevergabe an Pay-TV-Sender sicherlich lukrativ – denn diese sind bereit, mehr zu zahlen als öffentliche Kanäle. Fraglich bleibt aber, ob dies auch nachhaltig ist.

Eine Bezahlschranke heisst immer auch weniger Publikum. Beim Viertelfinalspiel Real Madrid gegen Bayern München schauten das Hinspiel auf ZDF 10 Millionen Menschen, im Rückspiel auf Sky 1,5 Millionen (ähnliche Zahlen zur Schweiz liegen nicht vor). In anderen Worten: Die Uefa kann den Sponsoren weniger TV-Präsenz bieten, was wiederum den Werbewert schmälert. Das provoziert die Frage: Wie lange machen das Sponsoren wie Adidas et al. mit.

Erstellt: 20.06.2017, 13:18 Uhr

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