Versöhnung im Letzigrund

Auf diesen Moment hatten sie lange ­gewartet. Um 21.37 Uhr machten sich die FCZ-Spieler und Uli Forte auf den Weg vor die Südkurve.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

13'700 Fans wollten das erste Spiel des FCZ in der Challenge League sehen. In der Südkurve waren die FCZ-Spieler nach dem Spiel nun wieder ­herzlich willkommen. Dort, wo sie sich im Mai sogar mit der Cup-Trophäe nur ­zögerlich hingetraut hatten. Und die Freude war gross, obwohl sie ­gerade einmal die ersten drei Punkte in der «Operation Wiederaufstieg» ­erreicht hatten.

Schon vorher war klar geworden, dass die Erinnerung an die «Schande vom 25. Mai» genau 60 Tage danach höchstens noch in den Hinterköpfen präsent ist. Mehr Saisonkarten sind ­gezeichnet als zu diesem Zeitpunkt ­im Vorjahr, insgesamt bevölkerten 13 704  Fans den Letzigrund, für Challenge-League-Verhältnisse ein enormer Wert, zumal der teils quer einfallende Regen in den Stunden vor Spielbeginn zum Daheimbleiben animiert hatte. «Es ist der Hammer, es gibt kein ­anderes Wort», sagte Uli Forte. ­«Natürlich waren die Fans nach dem ­Abstieg enttäuscht und auch nach dem Cupfinal, aber jetzt stehen sie wieder wie eine Eins hinter uns.»

Der FCZ stieg als Favorit in die Partie, wie dies heuer so oft der Fall sein wird, und liess sich von den «Wasserball-­Verhältnissen» nicht entmutigen. Die Zürcher versuchten von Beginn an, die Initiative nicht nur mit Ballstafetten an sich zu reissen, sondern auch mit Intensität. Sie wichen keinem Zweikampf aus, und dass sie sich nichts gefallen lassen wollten, bewies Roberto Rodriguez schon in der 8. Minute, als er Winterthur-Captain Patrik Schuler nach einer überharten Charge in den Senkel stellte.

Forte zeigte sich vom Gebotenen sehr angetan: «Über weite Strecken war es eine gute Leistung. Wir sind der FCZ und können nicht auf Abwarten spielen. Wir müssen unser Glück in die eigenen Hände nehmen.» Physisch offenbarten die Zürcher, die Philippe Hasler als neuen Konditionstrainer und Nachfolger von Alex Kern vermeldeten, eine gute Frühform.

Es war auch der älteste Spross der ­Rodriguez-Familie, der Grund zu erstem Torjubel gab. Der auf diese ­Saison nach einem missglückten ­Auslandjahr – ein Tor bei 14 Einsätzen für Novara und Greuther Fürth – in die Schweiz zurückgekehrte Offensivspieler traf aus der Drehung. Es lief die 12. Minute, auf der Tribüne klatschten die Fans ab, in der Südkurve wurde getanzt. Die Stimmung hielt an, die Einsatzfreudigkeit auch, weiterer zählbarer Erfolg blieb aber aus.

Der FCZ konnte die Pace anschliessend nicht so hoch halten, wie dies Bruce Springsteen am Sonntag an gleicher Stätte tun wird. Es stand aber auch nicht die eingespielte E Street Band auf dem tiefen Geläuf, sondern ein Ensemble, das seine gemeinsame Premiere ­erlebte. Und dafür schon relativ gut harmonierte.

Nur vier Spieler waren in der ­Anfangsformation, die das letzte Meisterschaftsspiel der Vorsaison ­bestritten hatten (Kukeli, Kejoevic, Sarr, Buff), ­dafür fünf Neuzugänge ­respektive Rückkehrer. Armando Sadiku sorgte denn auch kurz vor Schluss für die Siegsicherung. «Nach dem 2:0 haben wir komplett nachgelassen, und das hätte sich ­rächen können», konstatierte Forte den grössten Mangel neben der Chancenauswertung.

Die Winterthurer, vom Stadionspeaker zum «nöien» Zürcher Derby ­begrüsst, schienen lange in Ehrfurcht zu erstarren. Erst in der 74. Minute musste FCZ-Neuzugang Andris Vanins den ­ersten Ball halten, einen Corner notabene. Einzig Sliskovic brachte in der Schlussphase etwas Schwung. «Wir ­waren am Anfang zu wenig mutig», ­befand Trainer Sven Christ.

Stärker geprüft werden dürfte der FCZ am Samstag in Wil. Möglicherweise kommt dann auch Marco Schönbächler zum Comeback nach 16 Monaten. Der Offensivspieler wäre gestern wieder fit gewesen. Seine Rückkehr wäre aber ­vermutlich zu viel des Guten gewesen an diesem ohnehin guten Abend.

Erstellt: 25.07.2016, 23:21 Uhr

Artikel zum Thema

Geglückter Saisonstart für den FCZ

Der FC Zürich gewinnt das Kantonsderby gegen Winterthur hochverdient – mit einem Makel. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete live. Mehr...

Dossiers

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

In allen Farben: Die Saint Mary's Kathedrale in Sydney erstrahlt in ihrem Weihnachtskleid. (9. Dezember 2019)
(Bild: Steven Saphore) Mehr...