Knall bei GC

Die Grasshoppers kommen sportlich nicht weiter – jetzt muss ein Club-Manager gehen.

«Ich lasse mich nicht beeinflussen»: Murat Yakin ist von seinem Weg als Trainer überzeugt. Foto: Tom Egli

«Ich lasse mich nicht beeinflussen»: Murat Yakin ist von seinem Weg als Trainer überzeugt. Foto: Tom Egli

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Als der Verwaltungsrat der Grasshoppers am Mittwoch tagte, gab es nur ein Traktandum: Roland Klein, was machen wir mit dem Vizepräsidenten? Wie geht es weiter mit ihm?

Klein ist nicht irgendwer bei GC, so unbekannt er für die Öffentlichkeit sein mag, weil er erst seit einem halben Jahr im Führungsgremium sitzt. Aber er ist der Vize von Präsident Stephan Anliker. Vor allem ist er im Verwaltungsrat der Vertreter von Heinz Spross und Peter Stüber, denen zusammen mit Anliker 90 Prozent des Clubs gehören. Und er ist auch das noch: eng verbunden mit Trainer Murat Yakin und mit Erich Vogel, dem Vertrauten von Spross und Stüber.

Erich Vogel. Bild: Reto Oeschger

Vor diesem Hintergrund war es eine brisante Frage im VR: Was nun also mit Klein? Was mit einem Mitglied, das sich, so der Vorwurf, offensichtlich nicht auf die eigentliche Kontrollaufgabe eines Verwaltungsrates beschränkt, sondern operativ Einfluss nimmt?

Der Entscheid der Verwaltungsräte Anliker, Georges Perego, Stav Jacobi und Andràs Gurovits ist erst recht brisant: Einstimmig haben sie beschlossen, Klein per sofort von seiner Aufgabe als Vizepräsident zu suspendieren und bei der nächsten Generalversammlung nicht mehr zu wählen.

Problematisch für GC ist nicht, dass Murat Yakin so denkt. Problematisch ist, dass er seine Spitzen öffentlich setzt.

Anliker hat damit wieder das, was er unbedingt vermeiden wollte: Ärger und Unruhe. Lange hatte er darauf hingearbeitet, den Club zu befrieden und stabilisieren. Es gelang ihm in zäher Arbeit, Ende letzten Jahres die komplizierte Struktur aufzubrechen und mit Spross und Stüber zwei vermögende Geschäftsleute zu überzeugen, sich finanziell nochmals kräftig zu engagieren. Er tat es mit der Konsequenz, Erich Vogel Einfluss zu gewähren.

Vogel war bei GC schon vieles gewesen, von Vizepräsident über Sportchef bis Trainer. Ihm ist im Alter die Rolle des Einflüsterers geblieben, des Mannes, dem bei GC alle inzwischen wieder ihr Ohr leihen: Besitzer, Vizepräsident, CEO (Manuel Huber), Sportchef (Mathias Walther), Trainer. Integrieren sei besser als ausgrenzen, erklärte Anliker im September dieser Zeitung.

Mit Vogel oder doch nicht?

Als Carlos Bernegger im August als Trainer entlassen wurde, sass Klein schon mit am Tisch. Anliker hielt grosse Stücke auf den 57-Jährigen, der einst in Winterthur Spieler und Sportchef war und den es danach nach Asien verschlug, wo er unter anderem im TV- und Marketing­bereich tätig war. Anliker beschrieb Klein als Fussballkenner, der eine ausgleichende Art habe.

Klein hat sich viel auf dem Campus in Niederhasli sehen lassen, um alles kennen zu lernen. Das ist noch nichts Ehrenrühriges. Der Eindruck begann sich aber zu verfestigen, dass er sich da einmischte, wo es nicht seine Zuständigkeit war, dass er Sportchef Walther zur Seite zu drängen und im Nachwuchs mitzu­reden begann; dass er überdies seinen Einfluss geltend machte, um im Zusammenspiel mit Yakin und Vogel die Mannschaft neu zu besetzen.

Roland Klein. Bild: foto-net / Kurt Schorrer

Der Entscheid gegen Klein kann nicht gefällt worden sein, ohne dass das Gremium um Anliker die Rückendeckung von Spross und Stüber gehabt hat, zumindest von einem der beiden. Der Entscheid lässt auch verschiedene Deutungen zu. Dass ein Machtkampf im Gang ist. Dass es, wieder einmal, auch um die Frage geht: mit Vogel oder doch nicht mit Vogel?

Yakin – der Hoffnungsträger und Heilsbringer

Im ganzen Gebilde unbestritten ist Murat Yakin als Trainer. Aber das heisst nicht gleich, dass er unbegrenzt Freiheiten geniessen soll. Der Name von Martin Schmidt, jüngst beim VfL Wolfsburg als Trainer zurückgetreten, hat bei GC jedenfalls schon einmal die Runde gemacht.

Yakin wurde im August in Zürich als Hoffnungsträger begrüsst. Als Heils­bringer sogar. Auf die Frage, ob er nicht fürchte, dass die Figur Yakin zu gross, zu dominant werde, entgegnete Sportchef Walther: «Diese Figur soll so gross und so dominant werden wie möglich. Muri gibt der Mannschaft Ruhe, er gibt dem ganzen Verein Ruhe.» Vogel sagte in der NZZ über den Gelobten: «Früher oder später wird ihn ein ausländischer Topverein engagieren.»

«Wir hatten keine eigene Identität, wir setzten nicht auf junge Spieler.»Murat Yakin

Unter Yakin spielt GC Yakin-Fussball, wie das früher beim FC Luzern der Fall war oder beim FC Basel. Das heisst: Er stabilisiert eine Mannschaft. Aber das heisst eben auch: Sie tritt nicht elektrisierend auf. Weder im so bedeutungsvollen Cup-Halbfinal gegen den deutlich willensstärkeren FC Zürich noch im trostlosen Rahmen des Letzigrunds gegen Lausanne, um nur zwei Beispiele von der letzten Woche zu geben.

Yakin sieht das grundsätzlich anders, er sieht eine positive Entwicklung der Mannschaft, von der Spielweise her, von der Einstellung her. «Wir müssen doch wissen, wo wir herkommen und wo wir vor sechs Monaten waren», sagt er, «wir hatten keine eigene Identität, wir setzten nicht auf junge Spieler.»

Und es wird unruhig bleiben

Es ist einer dieser Sätze, wie sie typisch sind für Yakin. Er kritisiert, ohne einen Namen zu nennen. In diesem Fall trifft es Vorgänger Bernegger. Oder Yakin kann in Bezug auf das vorzeitig beendete Engagement Nabil Bahouis sagen: «Diesen Vertrag habe nicht ich gemacht.» Oder er sagt über das Kader, das noch vor ihm zusammengestellt wurde: «Wir hatten ein Überangebot in der Offensive und waren in der Defensive zu dünn besetzt.» Als Kritik will er das zwar nicht verstanden haben, dabei ist es genau das. Ihr Ziel ist der Sportchef.

Problematisch für GC ist nicht, dass Yakin so denkt, problematisch ist, dass er seine Spitzen öffentlich setzt. Dem Binnenklima kann das nicht gut bekommen. In diesem Zusammenhang ist aufschlussreich, was Vogel auch über Yakin gesagt hat: «Solange man ihn machen lässt, ist alles in Ordnung. Aber fundamentale Einwände akzeptiert er nicht. Er verlangt totale Unabhängigkeit.»

Yakin scheut sich nicht davor, Mitarbeiter zu ersetzen

Im Winter setzte Yakin durch, dass das Kader runderneuert wurde. Sieben Spieler mussten gehen, sieben kamen. GC hat mit recht kleinem Geld gearbeitet, einzig bei Rifet Kapic leistete es sich mit geschätzt 400'000 Franken eine nennenswerte Ablösesumme. Vier sind ausgeliehen, drei aus der Challenge League, zwei rekonvaleszent. «Weil ich ihre Qualität sehe, weil ich ihnen Vertrauen gebe und weil wir uns keine fertigen Spieler leisten können», sagt Yakin auf die Frage, wie solche Spieler einem Club wie GC weiterhelfen sollen.

Im Sommer wird es auf dem Campus kaum ruhiger werden. Elf Verträge laufen aus, und von den sieben Spielern, die im Winter abgegeben wurden, sind sechs vorerst nur ausgeliehen. Dass sich Yakin nicht scheut, sich von Unterge­benen zu trennen, hat er früher schon zur Genüge gezeigt. In Luzern selbst bei seinem Bruder Hakan oder in Basel bei Alex Frei.

Yakin sagt an diesem Donnerstag: «Wir sind mit unserem Projekt auf einem sehr, sehr guten Weg. Es fehlt nicht mehr viel, dass ich sagen kann, es sei meine Mannschaft. Ich bin völlig entspannt. Ich lasse mich nicht beeinflussen von Leuten, die nicht sehen, was wir machen.» Die Bilanz der letzten neun Meisterschaftsspiele aber ist bescheiden: GC verlor fünf und gewann nur zwei.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.03.2018, 23:45 Uhr

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