Der Diener des FCZ

Er war Fussballprofi und Szenebeizer. Hat einmal sein ganzes Vermögen verloren. Und soll dem FCZ jetzt den Erfolg bringen: Thomas Bickel.

Thomas Bickel (mitte) will mit Trainer Uli Forte (rechts) den sportlichen Erfolg beim FCZ zurückbringen. Foto: Keystone

Thomas Bickel (mitte) will mit Trainer Uli Forte (rechts) den sportlichen Erfolg beim FCZ zurückbringen. Foto: Keystone

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Da sitzt er wieder auf der Bühne, die er einst verlassen hatte. Thomas Bickel ist zwar schon seit drei Jahren zurück im Fussball, aber doch fast unbemerkt ­geblieben. Er war Chefscout und Talentmanager beim FCZ und trainierte nebenbei noch die Junioren des FC Seefeld. Jetzt rückt er wieder in den Mittelpunkt. Wie damals als eleganter Spielmacher.

Es ist Dienstag kurz vor Mittag, als er beim FCZ als neuer «Leiter Sport» und ausdrücklich nicht als «Sportchef» vorgestellt wird. Er hat sich einen Sommerschal um den Hals gebunden, trägt wie fast immer Jeans, dazu ein Jackett mit ­T-Shirt. Und eine Figur hat er noch, als käme er gerade vom Rasen.

Es sind in diesem Moment ein paar ­Erklärungen gewünscht, wie er den FCZ vorwärtsbringen will. Welche personellen Veränderungen er als zwingend erachtet bei der 1. Mannschaft, der er sich vor allem anderen annehmen will. Nur war Bickel nie ein Mann der vielen Worte. Und kommt in diesem Moment auch nicht über Allgemeinplätze hinaus. Vielleicht will er das auch nicht. Er sagt Dinge wie: «Was gefragt ist, ist Teamarbeit.»

Der Wechsel über die Geleise

Im Berner Seeland wurde der 1963 ­geborene Bickel gross. 1984 kam er zum FC Biel in die Nationalliga B, ein Jahr später wechselte er zum FCZ. Seine erste Zeit im Verein endete im Frust. Der Club stieg 1988 ab, und Bickel ging. Aber nur über die Geleise. Sein Wechsel zum Stadtrivalen lässt sich mit einer Liebe ­erklären. «Zürich ist meine Traumstadt», hat er einmal gesagt.

Er sammelte bei GC Meister- und Cupsiege, als Nationalspieler nahm er an der WM 1994 in den USA teil und bestritt da 3 seiner 52 Länderspiele. Als «liebenswerten, korrekten Menschen mit sehr grosser Sozialkompetenz» hat ihn sein Namensvetter Fredy, der heutige YB-Sportchef, damals bei GC kennen gelernt. Thomas Bickel war bei den Grasshoppers auch bester Kumpel von Alain Sutter und funktionierte als Bindeglied zwischen den Kollers und Elbers. Er konnte aber auch unangenehm sein, weil er kein ­Angepasster war, weil er nicht alles kommentarlos akzeptierte. Er wagte es, ­System und Vorgänge zu hinterfragen.

In der Zeit als junger Profi machte er auch unliebsame Erfahrungen, weil er vielleicht zu naiv und gutgläubig war und mit seinem Manager Bruno Huber in ­Immobilien investierte. Bickel verlor so viel Geld, dass er plötzlich kein Vermögen mehr hatte, sondern Schulden und in eine WG ziehen musste. 1995 verliess er die Schweiz, da in Japan bei Vissel Kobe ein Vertrag mit über einer Million Franken netto für zwei Saisons lockte.

«Integer, loyal, kein Blender»

1998 hörte er nach Rückenproblemen und einem gescheiterten Comebackversuch in den USA auf. Mit dem Rücktritt verschwand er auch aus der Sportszene. Aus Bickel, dem Fussballer, wurde nach einem Hauskauf, Umbau und Wiederverkauf in Florida sowie einigen geruhsamen Zürcher Monaten («ich studiere das Leben und bin Dekorateur meiner Wohnung») Bickel, der Gastronom. Oft war er mit dem Fahrrad unterwegs. Im Frühling 1999 eröffnete er in Zürich das Schmuklerski, es wurde auch dank der Prominenz des Gastgebers sofort In-­Lokal. Später zog es ihn als Hotelier nach Mallorca und wieder als Beizer in die Altstadt von Rapperswil. Mittlerweile ist er auch dreifacher Vater.

Mit dem Fussball, sagte er einst, habe er nie ganz abgeschlossen, «aber um wirklich dabei zu sein und ins Stadion zu gehen, fehlte mir lange schlicht die Zeit». 15 Jahre war er nicht mehr nahe dabei, bis ihm der FCZ eine Stelle offerierte. Bickel liess seine Zeit als Gastronom hinter sich. Nicht, dass er das mit wenig Hingabe ­gemacht hätte, aber über die Rolle des Gastgebers sagte er einmal: «Man muss knallhart rechnen. Vielleicht bin ich ­dafür zu wenig Geschäftsmann.»

Absolut loyal, kein Blender

So unaufgeregt er auf dem Platz ­gewesen sei, so unaufgeregt gebe sich ­Bickel privat, sagt Walter de Gregorio. Der ehemalige Fifa-Kommunikationschef ist mit Bickel befreundet und sagt über ihn: «Absolut integer, absolut loyal, ein Arbeiter, kein Blender. Manchmal ist er fast schon zwinglianisch arbeitsam.»

Thomas Bickel, was prädestiniert Sie, Leiter der neu geschaffenen Sportkommission zu sein? So lautet an diesem Dienstagmorgen eine Frage. Bickel antwortet: «Nicht nur die Erfahrung als Spieler, das wäre zu einfach. Ich bin ­wieder in den Verein hineingewachsen in den vergangenen drei Jahren, kenne die Bereiche und Abläufe sehr gut. Wir sind uns alle bewusst, dass wir dem FCZ dienen müssen. Wir sind alle motiviert. Der Erfolg ist nicht planbar. Aber wenn wir jeden Tag gut arbeiten, wird er ­zurückkommen.» Es ist einer seiner ­letzten Sätze. Nun will er schweigen bis Anfang Juli. Bis die wichtigste Arbeit vor der neuen Saison getan ist.

Erstellt: 07.06.2016, 23:31 Uhr

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