Der erste Versuch, einen Freund zu besiegen

Wenn YB den FC Basel empfängt, dann werden Fabian Lustenberger und Valentin Stocker sich erstmals gegenüberstehen.

Fabian Lustenberger (l.) und Valentin Stocker haben viele Gemeinsamkeiten – und sie sind Freunde. (Bild: Keystone)

Fabian Lustenberger (l.) und Valentin Stocker haben viele Gemeinsamkeiten – und sie sind Freunde. (Bild: Keystone)

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Gesucht haben sie den Moment nicht. Und der Moment hat sie lange nicht gefunden. Doch am Sonntag ist er da. Wenn der BSC Young Boys den FC Basel zum Spitzenkampf empfängt, werden Fabian Lustenberger (31) und Valentin Stocker (30) im fortgeschrittenen Fussballer-Alter erstmals gegeneinander antreten.

Sie tun dies beide mit der Captainbinde am Arm. Sie tun es beide als Bundesliga-Rückkehrer. Und sie tun es beide als Spieler, die im Kanton Luzern aufwuchsen, in Kriens zur selben Zeit die Sportschule besuchten.

Vor allem aber tun sie es als Freunde, die sie erst in ihrer gemeinsamen Zeit bei Hertha BSC Berlin wurden. Dort, wo Lustenberger von 2007 bis 2019 fast seine ganze bisherige Profikarriere verbrachte, bevor er im Sommer in die Schweiz heimkehrte und sich YB anschloss. Und dort, wo Stocker 2014 dazustiess, um dreieinhalb Jahre lang Lustenberger als Mensch, Fussballer und auch als Captain schätzen zu lernen.

Praktisch Nachbarn, entwickelten sich enge Bande, die auch überdauerten, als Stocker im Januar 2018 zum FCB zurückkehrte. Heute wird die Freundschaft während 90 Minuten ruhen müssen. 90 Minuten, in denen beide erstmals versuchen, im Kampf um die Tabellenspitze einen Freund zu besiegen.

«Im Hotelzimmer war Valentin für meine Begriffe stets etwas gar früh wach»

Lustenberger über Stocker: «Ein Freund, auf den Verlass ist». Bild: Freshfocus

Fabian Lustenberger, Sie sind wie Valentin Stocker im Kanton Luzern aufgewachsen. Wann sind Sie sich das erste Mal begegnet?
Fabian Lustenberger: Das war bestimmt in der Sportklasse in Kriens, wir waren 13-, 14-jährig und begegneten uns regelmässig. Wir hatten damals aber noch keinen intensiven Kontakt, und ich erinnere mich entsprechend auch nicht an das erste Mal. Valentin war altershalber eine Klasse unter mir.

Was ist das schönste Plätzchen im Kanton Luzern?
Da nenne ich unser Zuhause in Schenkon. Wir fühlen uns dort als Familie sehr wohl.

Was ist das schönste Plätzchen in Berlin?
Uh, Berlin hat natürlich unglaublich viel zu bieten. Ich entscheide mich für das Hotel Zoo mit dem Restaurant Grace, das dort integriert ist. Dort habe ich nach meinen zwölf Jahren bei Hertha Berlin das Abschlussfest mit 220 Personen gefeiert. Es war ein unvergesslicher Tag.

Was war Ihr lustigstes Erlebnis mit Valentin Stocker?
Es gab ganz viele Erlebnisse, über die wir lachen konnten– gerade als regelmässige Zimmerkollegen, wenn wir mit Hertha Berlin im Hotel waren. Aber das eine, lustigste Erlebnis, das heraussticht, kommt mir nicht in den Sinn.

Was ist Stockers nervigste Eigenschaft?
Das ist etwas ziemlich Harmloses: Im Hotelzimmer war Valentin für meine Begriffe stets etwas gar früh wach.

Welche Charaktereigenschaft hätten Sie gerne von ihm?
In den Ferien kann er sich sehr gut vom Fussball abgrenzen und komplett abschalten. Meine Gedanken kreisen dagegen manchmal auch in dieser Zeit um den Fussball.

Und welches fussballerische Extra würden Sie übernehmen?
Seinen linken Fuss.

Was kann der Mensch und Fussballer Stocker von Fabian Lustenberger lernen?
Als Mensch braucht er gewiss keinen Ratschlag von mir. Auf dem Platz kann er vielleicht bezüglich Defensivverhalten etwas bei mir abschauen.

Was kann Valentin Stocker, was man nicht weiss?
Überraschend ist das nicht: Er ist einfach ein Freund, auf den Verlass ist.

Was macht Stocker zum guten Captain?
Das ist seine Leistung auf dem Platz. Und er hat ein gutes Gespür für die Mitspieler und die Mannschaft.

Hat er oder Sie mehr Grund zu schmollen, wenn es um das Thema Schweizer ­Nationalmannschaft geht?
Wir legten in der Nationalmannschaft verschiedene Wege zurück. Aber ich schmolle nicht. Und ich glaube, dass auch Vali dies nicht tut.

Wie stoppen Sie am Sonntag Valentin Stocker?
Mit fairen Mitteln – und mit der Unterstützung der Teamkollegen. Aber es geht am Sonntag nicht um Valentin Stocker gegen Fabian Lustenberger; YB spielt gegen Basel.

YB gewinnt am Sonntag gegen den FCB, weil ...
... wir zu Hause spielen, unbedingt gewinnen wollen und uns die YB-Fans im vollen Stade de Suisse grossartig unterstützen werden.

«Meistens wird Fabian noch vor mir wissen, was ich vorhabe»

Stocker über Lustenberger: «Ein feiner Kerl». Bild: Keystone

Valentin Stocker, Sie sind wie Fabian Lustenberger im Kanton Luzern aufgewachsen. Wann sind Sie sich das erste Mal begegnet?
Valentin Stocker: Ich vermute, es war irgendwo auf dem Fussballplatz in der Sportklasse in Kriens. Es gibt aber kein gemeinsames Erlebnis, an das ich mich erinnere. Und auch in den regionalen Auswahlen haben wir aufgrund des Altersunterschieds damals nie in derselben Mannschaft gespielt. Wirklich kennen gelernt haben wir uns erst in Berlin.

Was ist das schönste Plätzchen im Kanton Luzern?
Der Vierwaldstättersee ist und bleibt mein Rückzugsort. Das Boot habe ich noch immer.

Was ist das schönste Plätzchen in Berlin?
Ich mag einige Lokale dort. Etwa Madame Ngo. Die Suppen – ein Gedicht. Der Besitzer ist ein vietnamesischer Flüchtling, der schon im Fernsehen bei einem internationalen Kochduell brillierte.

Was war Ihr lustigstes Erlebnis mit Fabian Lustenberger?
Als ich in der WM-Qualifikation für Russland beim 3:2-Sieg in Ungarn ein Tor schoss, erschien er am anderen Tag mit dem Schweizer Trikot mit meinem Namen drauf im Training. Ich vermute mal, der damalige Trainer Pal Dardai hat sich nicht nur gefreut: Er ist ja Ungar, hat für deren Auswahl schon gespielt und sie auch schon trainiert.

Was ist Lustenbergers ­nervigste Eigenschaft?
Ich kann mich nicht erinnern, dass er mich je aufregte. Er ist ein unglaublich feiner Kerl.

Welche Charaktereigenschaft hätten Sie gerne von ihm?
Seine Ausgeglichenheit und Gelassenheit.

Und welches fussballerische Extra würden Sie übernehmen?
Sein Antizipationsvermögen. Er liest das Spiel extrem gut.

Was kann der Mensch und Fussballer Lustenberger von Valentin Stocker lernen?
Er soll als Mensch so bleiben. Als Fussballer würde er wohl sagen, dass er gerne mehr Tore schiessen würde.

Was kann Fabian Lustenberger, was man nicht weiss?
Lusti ist so, wie das Bild, das von ihm gezeichnet wird. Ein umgänglicher Familienmensch.

Was macht Lustenberger zum guten Captain?
Er ist so kommunikativ wie bescheiden. Es käme ihm nie in den Sinn, sich Extras rauszunehmen, sondern er behandelt alle gleich.

Hat er oder Sie mehr Grund zu schmollen, wenn es um das Thema Schweizer Nationalmannschaft geht?
Da ich damit meinen Frieden geschlossen habe, müsste ich ihn nennen. Auf jeden Fall hätte ich ihm mehr Spiele gewünscht.

Wie umspielen Sie am Sonntag Fabian Lustenberger?
Das geht ganz leicht, erst recht auf Plastikrasen, den ich so liebe ... (lacht) Im Ernst: Das wird schwierig. Meistens wird Fabian noch vor mir wissen, was ich vorhabe. Ich muss mir also etwas Besonderes einfallen lassen.

Der FCB gewinnt am Sonntag gegen YB, weil ...
... wir einiges gutzumachen haben und entsprechend motiviert sein werden. Und weil wir als Einheit funktionieren werden. Aber nur, wenn das auch der Fall ist und YB nicht gleich einen Top-Tag erwischt, wird das auch eintreffen. Wir müssen uns in Bezug auf die Stärke der Berner nichts vormachen.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts oder direkt hier:

Erstellt: 22.09.2019, 12:15 Uhr

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