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Der FC Zürich vertraut auf neue Stärken

Diese Saison kann der FCZ auch auswärts gewinnen. Nach dem 1:1 im Hinspiel braucht er gegen Sturm Graz mindestens ein Tor, um die nächste Runde des Uefa-Cups zu erreichen.

Bernard Challandes stieg gestern in Kloten mit einem leicht mulmigen Gefühl in die Maschine Richtung Wien, von wo die Reise für den FC Zürich mit dem Bus nach Graz weiterging. Nein, Flugangst kennt der Trainer nicht, als Fussballlehrer ist er auf der ganzen Welt herumgekommen. Die Skepsis des Romand hatte seinen Grund vielmehr im Videokonsum vom Vorabend. Da hatte er sich in seinem Heim in Wettswil die Aufzeichnung des Meisterschaftsspiels zwischen Sturm Graz und LASK Linz vom vergangenen Samstag angeschaut. Und die Bilder aus der Grazer UPC-Arena, dem ehemaligen Arnold-Schwarzenegger-Stadion, hatten ihn ziemlich beeindruckt.

Sturm Graz habe hervorragend gespielt, wusste Challandes zu erzählen. Er habe den Eindruck bekommen, dass sich die Mannschaft des deutschen Trainers Franco Foda von Spiel zu Spiel steigere. «Sturm war schon im Letzigrund gegen uns stark, gegen Linz wirkte es sogar noch kompakter und geschlossener.» Der Romand ist der Ansicht, dass die Grazer eine Mannschaft stellen, die nur ganz schwer zu besiegen ist.

Der Blick auf die Statistik dieser Saison gibt dem FCZ-Trainer recht. Sturm Graz hat von insgesamt zwölf Spielen in der Meisterschaft, im UI-Cup und Uefa-Cup sieben gewonnen, vier mit einem Remis beendet und nur eines verloren. Der 2. Platz in der Liga mit 16 Punkten nach sieben Runden bedeutet Klubrekord. Und bemerkenswert ist vorab die Leistung der Abwehr der Mannschaft aus der Hauptstadt der Steiermark: Sie hat seit Saisonbeginn erst fünf Gegentore hinnehmen müssen.

Bei seiner Analyse hat Challandes festgestellt, dass in den Reihen der Steirer durchaus herausragende Einzelspieler wie Muratovic oder Mario Haas stehen. Muratovic ist leicht angeschlagen, Haas hat seine Kreislaufprobleme überwunden. Altmeister Haas erzielte übrigens am Samstag mit dem 1:0 gegen den LASK seinen 124. Bundesliga-Treffer und stellte den Vereinsrekord von Ivica Vastic ein.

Die Ausgangslage ist heikel

Der FCZ braucht mindestens ein Tor, wenn er sich für die 1. Runde des Uefa-Cups qualifizieren will. Nach dem 1:1 vor zwei Wochen im Letzigrund genügt den Österreichern schon ein 0:0 für das Weiterkommen. Challandes weiss, dass die Ausgangslage heikel ist. Er gibt schon einmal die taktische Ausrichtung vor: «Wir müssen intelligent und mit viel Geduld spielen, die richtige Balance zwischen Offensive und Defensive finden.»

Die jüngsten Auswärtserfolge seiner Mannschaft verleihen dem Trainer die Zuversicht, dass sich seine Mannschaft auch in Graz gut präsentieren wird - trotz der offenkundigen Stärke des Gegners. Gleich denken auch zwei seiner Leistungsträger. Neo-Nationalspieler Abdi erklärt: «Wir haben zuletzt bewiesen, dass wir auswärts wieder gewinnen können.»

«Vorne treffen, hinten zu null»

In der Tat haben die Zürcher ihre lange Durststrecke in fremden Stadien beenden können. Letzte Saison gewannen sie zuletzt im Oktober auswärts in St. Gallen und danach in zehn Spielen nicht mehr. In dieser Spielzeit aber haben sie sowohl in Neuenburg als auch am Sonntag in Sitten gewonnen und dabei fünf Tore erzielt. Also gibt Abdi die Devise aus: «Vorne einmal treffen und hinten zu null spielen.»

Für diese Null wird vorab Johnny Leoni zuständig sein. Der Walliser spielt bis anhin eine sehr gute Saison; er hat den ersten Angriff von Guatelli, dem Goalie Nummer 2, fürs Erste souverän abgewehrt. Vor allem Leoni hatte es der FCZ zu verdanken, dass er in Sitten nicht vorentscheidend in Rückstand geriet. Ottmar Hitzfeld sass im Tourbillon auf der Tribüne. Im Moment deutet einiges darauf hin, dass der Nationalcoach Leoni mittelfristig zum dritten Torwart neben Benaglio und Jakupovic auserwählen wird.

Leoni: «Haue den Ball ins Tor»

Noch ist das eine Hypothese. Leoni nimmt sie mit einem Lachen zur Kenntnis. Es wäre nach den Enttäuschungen im EM-Jahr eine schöne Belohnung für ihn. Es hat ihn ziemlich gewurmt, dass er von Köbi Kuhn nach Coltortis Ausfall nicht ins EM-Kader berufen wurde. Vor dem Abschlusstraining ist er zuversichtlich und bester Laune. «Ich lasse gegen Sturm keinen Gegentreffer zu», kündigt er an. Und wenn dem FCZ kein Tor gelingt? Leoni sagt: «Dann stürme ich in der Nachspielzeit nach vorne und haue den Ball ins Tor.»

Der Goalie grinst. Seriöser gibt sich Challandes in der offiziellen Pressekonferenz im Bauch des Stadions. Er sagt: «Sturm ist im Vorteil, aber das stört uns nicht.» Er weiss, dass das Erreichen der Gruppenphase das deklarierte Ziel der Vereinsleitung ist. Und Foda, seit zehn Jahren als Spieler und Trainer mit einigen Unterbrüchen bei Sturm Graz, hatte schon nach dem Hinspiel erklärt: «Alle Trümpfe sind in unserer Hand.»

Ob sie stechen? Die Auflösung folgt heute ab 19.30 Uhr in der mit 15 000 Zuschauern ausverkauften UPC-Arena und live auf ORF 1.

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