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«Der FCZ macht wieder Freude»

Die Zürcher gehen als überlegener Leader in die Rückrunde der Challenge League. Der Sportliche Leiter Thomas Bickel will auch in der Super League zurück an die Spitze.

Der FCZ hat die Vorrunde ohne Niederlage überstanden. Jubelt er auch in der Rückrunde?
Der FCZ hat die Vorrunde ohne Niederlage überstanden. Jubelt er auch in der Rückrunde?
Ennio Leanza, Keystone

Was hat die Challenge League dem FCZ bis anhin gebracht?

Wir haben die Teilnahme an der Challenge League schon bald nach dem Abstieg akzeptiert. Wir haben sie nicht mehr als Last, sondern als Chance angesehen – als Chance, alles und alle im Verein zu hinterfragen, kritisch, selbstkritisch, aber mit der gebotenen Fairness.

Was ist dabei herausge­kommen?

Die Challenge League brachte uns die Möglichkeit, uns neu zu organisieren und zu strukturieren. Wir sind sofort wieder aufgestanden und sind das Ziel Wiederaufstieg angegangen. Gemeinsam haben die entscheidenden Leute im Verein, Präsident, Trainer und die Mitglieder der Sportkommission, die notwendigen Entscheide getroffen, auch personell, mit Transfers nach klar definierten Profilen. Ich denke, das ist uns gut gelungen. Nur ein kleines Beispiel: An den Swiss Football Awards am vergangenen Montag stellte der FCZ acht von elf Spielern für das Dream-Team der Challenge League 2016, und fünf weitere waren nominiert.

Ein Abstieg als Chance?

Jede Krise ist auch eine Chance, es künftig besser zu machen. Entscheidend war und ist es noch immer, dass alle in die gleiche Richtung gehen. Das haben wir getan, und dafür sind wir belohnt worden: mit positiven Resultaten und viel Goodwill, den wir zurückgewinnen konnten. Der FCZ bewegt die Leute seit jeher, und nun ist er in Zürich und Umgebung wieder ein positiv besetztes Thema. Er macht wieder Freude.

Und was hat der FCZ der Challenge League gebracht?

Sehr viel. Die mediale Aufmerksamkeit ist gestiegen. Die Challenge League war noch nie so populär wie jetzt. Das ist mit ein Verdienst des FCZ. Die Zuschauerzahlen sind markant angestiegen. Der FCZ füllt den Gegnern die Stadien, und der Letzigrund ist bei Heimspielen sogar besser besetzt als zuletzt in der Super League. Jeder FCZ-Match wird live im ­Teleclub übertragen, mit guten Quoten. Wir haben noch Steigerungspotenzial, gleichwohl ist die Mannschaft die Attraktion der Challenge League. Und was ich auch immer wieder höre: Die Super League sehne sich nach dem FCZ.

Der Aufstieg ist bei 12 Punkten Vorsprung auf den ersten Verfolger Xamax ja auch nur noch Formsache.

Im Fussball kann es sehr schnell gehen. Es muss alles zuerst gespielt werden. Wir sind bodenständig genug, um die Situation richtig einzuschätzen. Das Ziel ist klar und im Moment zählt nur der nächste Schritt dahin: das erste Spiel gegen Servette am Montag in Genf.

Was soll denn noch schiefgehen? Der FCZ kann sich doch nur noch selbst im Weg stehen, falls er die Rückrunde nicht mit der gebotenen Ernsthaftigkeit angeht.

Von der Qualität her stellen wir die beste Mannschaft, davon bin ich überzeugt, aber wir dürfen uns keinen Moment zurücklehnen. Wir haben das in einigen Partien der Herbstrunde gesehen. Ich erwarte vom Team, dass es sich in der Rückrunde steigert, besser spielt als im Herbst. Ich verlange, dass jeder Spieler in jeder Partie an seine Limiten geht.

Wie hält man eine Mannschaft unter Strom, die mit derart grossem Vorsprung an der Spitze steht?

Uli Forte (der Trainer) hat ein feines Gespür, er duldet keinen Egoismus und keine Bequemlichkeit. Jeder Spieler muss hungrig bleiben, alles für den Erfolg der Mannschaft tun.

Gleichwohl wird es nicht einfach sein, die 25 Spieler im Kader bei Laune zu halten. Viele werden unzufrieden sein, wenn sie nicht zum Einsatz kommen.

Ein Spieler, der sich den Interessen der Mannschaft nicht unterordnen kann, ist beim FCZ fehl am Platz. Zu einem intakten Team gehören Charaktere, die nicht sofort aufbegehren, wenn sie einmal nicht spielen.

Nach der ersten Partie bei Servette folgt das Heimspiel gegen Xamax. Bei zwei Siegen wäre der Vorsprung so gross, dass der FCZ die Gratulation zum Aufstieg ­akzeptieren muss . . .

(schüttelt den Kopf) . . . erst wenn es mathematisch so weit ist. Für mich und meine Arbeit steht nur eines fest: Je früher der Aufstieg feststeht, desto besser.

Zweieinhalb Wochen nach dem Xamax-Spiel folgt das Highlight mit dem Cup-Viertelfinal gegen den FC Basel im St. Jakob-Park.

Die Meisterschaft und der Aufstieg ­haben für uns Priorität. Aber natürlich wollen wir gegen Basel gewinnen. Wir sind der Titelverteidiger. Es ist ein Cup-Viertelfinal, mit drei Siegen in diesem Wettbewerb wären wir Cupsieger und damit direkt für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert. Das ist ein riesiger Anreiz für jeden im FCZ, in ­Basel alles zu geben. In einem einzigen Spiel ist vieles möglich.

Fakt ist, dass der FCZ vor dem Start in die Rückrunde sehr gut dasteht. Wurde alles richtig gemacht?

Nicht alles, aber vieles. Wir müssen unsere Leistung richtig einordnen: Wir haben nach dem Abstieg einige Spieler mit Erfahrung in der Super League verpflichtet; wir haben dann in der Europa League gut ausgesehen, sind aber ausgeschieden; wir haben im Cup St. Gallen eliminiert; und wir sind in der Challenge League noch ungeschlagen. Aber: Wir sind nicht immer so überzeugend, so ­dominant aufgetreten, wie wir uns das gewünscht hätten. Wir können die Mannschaft zwar loben, aber kein Spieler darf sich auf das letzte halbe Jahr zu viel einbilden. Ich erwarte jetzt vom Team den nächsten Schritt nach vorne.

Und welche Note geben Sie dem Trainer?

Ich verteile keine Noten, das steht mir nicht zu. Er ist ein guter Kommunikator, er arbeitet professionell, detailliert, er ist gut vorbereitet, er ist sozial kompetent und erreicht die Spieler gut.

Welchen Anteil haben Sie selber am Erfolg?

Das kann ich schwer beurteilen. Ich bin ein zurückhaltender Mensch, ich verspüre keinen Geltungsdrang. Wichtig ist für mich das Teamwork. Ich nehme Einfluss, wenn ich es für nötig erachte. Und dann kann ich mich auch durchsetzen.

Welches war Ihre beste Entscheidung in den letzten acht Monaten?

(überlegt lange) Ich habe nach der hektischen Zeit mit dem Abstieg vielleicht wieder ein wenig Ruhe in den Verein ­gebracht; ich habe die Strategie mit entwickelt, wie wir aus dem Tief kommen wollten; und einige Transfers waren ­reiflich überlegt und haben sich als gut herausgestellt.

Das Kader für die Rückrunde steht fest: Neu ist neben den Perspektivspielern Fabian Balmer, Izer Aliu, Kevin Rüegg und Miro Muheim der Ghanaer Raphael Dwamena von Austria Lustenau dabei. Was erwarten Sie von ihm?

Viel. Er ist zwar erst 21, aber schon ein ziemlich kompletter Stürmer: Linksfüsser, spielerisch stark, torgefährlich. Und er spricht gut Deutsch. Er ist ein Wunschtransfer.

Den FCZ verlassen haben Torhüter Anthony Favre zu Le Mont und Stürmer Armando Sadiku zu Lugano, beide leihweise bis Ende Saison.

Im Tor ist Novem Baumann unsere Nummer 2 hinter Andris Vanins. Der Kanadier Yann Fillion ist ein weiterer Goalie, der mit der ersten Mannschaft trainiert – und Yanick Brecher kämpft sich nach seinem Kreuzbandriss wieder heran, eine angestrebte Ausleihe zu Schaffhausen ist nicht zustande gekommen.

Weshalb liess man Sadiku ein zweites Mal gehen? Im Frühling sicherte er mit seinen Toren Vaduz den Klassenerhalt, der FCZ stieg ab.

In diesem Fall ergab sich mit Lugano eine gute Konstellation. Dieser Transfer macht Sinn – für alle Beteiligten.

Sie hoffen, ihn im Sommer teuer verkaufen zu können.

(lacht) Wer weiss?

Es gab nicht nur im Kader Veränderungen, sondern auch im Trainerstab: Petar Aleksandrov wurde als Stürmertrainer engagiert – dabei weist der FCZ schon jetzt mit 2,6 geschossenen Toren pro Spiel die mit Abstand beste Quote auf.

Man kann immer noch besser werden, defensiv wie offensiv. Aleksandrov war im Trainingslager in Spanien dabei, das in jeder Hinsicht gelungen ist. Er arbeitet vorerst auf Mandatsbasis, zu gegebener Zeit werden wir gemeinsam eine erste Bilanz ziehen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass der FCZ aufsteigt, ist sehr gross. Plant der Club die nächste Saison ­zweigleisig für die Challenge und die Super League oder nur eingleisig für die Super League?

Wir lassen die Challenge League nicht ausser Betracht, aber wir streben natürlich an, nächste Saison wieder erstklassig zu sein. Wir haben mit der Verpflichtung von Dwamena ein erstes Zeichen gesetzt. Er wird bis zum Sommer gut integriert und auch in der Super League eine Verstärkung sein.

Genügt die Qualität des gegenwärtigen Kaders für die Super League? Es muss wohl verjüngt werden . . .

. . . wir haben mit Dwamena nun schon mal einen jungen Stürmer mit Potenzial verpflichtet. Wir brauchen junges Blut, das ist richtig. Ich bin aber überzeugt, dass wir mit dem gegenwärtigen Kader in der Super League mithalten könnten. Ein Abstiegskandidat wären wir nicht.

Aber damit wird sich der FCZ kaum begnügen.

Wir sind uns bewusst, dass wir im Fall des Aufstiegs das Kader verändern ­müssen.

Vanins ist im Sommer 37-jährig, Yapi und Nef sind 35 . . .

. . . ihre Verträge laufen weiter. Sie bleiben beim FCZ.

Dafür laufen andere Verträge aus, zum Beispiel jener von Oliver Buff.

Er ist ein Zürcher, ihn möchten wir behalten. Ich denke, die Gespräche sind auf einem guten Weg.

Und welchen Weg strebt der FCZ mittelfristig in der Super League an?

Ein Verein mit den Ansprüchen des FCZ soll an der Spitze mitspielen – schon in der nächsten Saison oder später. Der Präsident will Titel gewinnen, der ­Trainer will es – und ich will es auch.

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