Der FCZ sucht die Selbstverständlichkeit

In Sitten braucht der Tabellenletzte heute ein Erfolgserlebnis. Trainer Magnin gibt sich entspannt.

Ludovic Magnin reist mit dem FCZ als Gast nach Sion.

Ludovic Magnin reist mit dem FCZ als Gast nach Sion. Bild: Keystone

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Ludovic Magnin wirkt nicht wie ein Mann, der einen schwierigen Saisonstart hinter sich hat. Er scherzt mit den zu Mittag essenden Angestellten in der Saalsporthalle und begrüsst die drei anwesenden Journalisten an der wöchentlichen Medienkonferenz per Handschlag, dazu lacht er.

Dabei müsste der Blick auf die Tabelle beim Trainer des FC Zürich eigentlich für schlechte Laune sorgen: zwei Spiele, ein Punkt, kein geschossenes Tor, als Konsequenz der letzte Platz. Dramatisieren mag er aber überhaupt nicht: «Klar, ich wäre lieber auf einer anderen Position, aber es fehlen noch 34 Runden. Ein solcher Start ist mir lieber als die letzte Saison, wo wir drei Runden vor Schluss nur einen Punkt vor dem Barrageplatz lagen.»

Sein Optimismus gründet auch auf der Trainingsqualität. Generell habe er eine Entwicklung gesehen zwischen den beiden Partien gegen Lugano und Luzern: «Ich hatte schon nach dem 0:4 gegen Lugano nicht das Gefühl, dass wir auf dem falschen Weg sind.» Sogar dem 0:6 mit einem Reserveteam gegen Dortmund am Dienstag gewinnt er Positives ab: «Wir sahen, wie gross der Klassenunterschied ist. Und die jungen Spieler mit Ansprüchen sind wieder auf dem Boden der Realität.»

Noch fehlt Stabilität

Gegen den BVB hatte das Team zwei Chancen zur Führung, gegen die Tessiner hätte es sogar zwingend führen müssen. Auch gegen den FCL hätte ein Führungstreffer der Partie eine andere Physiognomie geben können. Magnin sagt, es sei normal, dass Partien Anfang Saison oft eigentümliche Wendungen nehmen: «Es gibt noch keine Stabilität, ausser bei Teams, die schon lange fast unverändert sind. Wichtig ist nun, dass die Spiele bald auf unsere Seite kippen.»

In der Vorbereitung ein regelmässiger Skorer, ist diese Treffsicherheit Assan Ceesay abhandengekommen. Ein Erfolgserlebnis fehle dem Gambier noch, sagt Magnin: «Ein Stürmer braucht ein Tor, damit der Knoten platzt.» Nicht zum ersten Mal ist der Trainer mit Ladehemmung konfrontiert, er verweist auf einen späteren WM-Topskorer: «Miroslav Klose kam nach Bremen, für die damals höchste Ablösesumme des Vereins. Bald gab es Fragezeichen, aber als ihn der Trainer einmal auf die Bank setzte und einwechselte, traf er dreimal, danach regelmässig. Es ist mental, das Tor wird bei Ceesay kommen.»

Ein Erfolgserlebnis brauche auch das ganze Team, nur so könne es sich festigen. Den Schönheitspreis gelte es dabei nicht unbedingt zu erringen, sagt der Mann, der eigentlich primär ästhetischen Fussball spielen lassen will: «Wir brauchen Siege, dann kommt das Selbstbewusstsein und dann auch eine gewisse Selbstverständlichkeit, die zu schönem Fussball führt.»

Mit Sion treffen die Zürcher heute auf den Tabellennachbarn (ab 19 Uhr im Ticker), der nach dem 1:4 gegen Basel beim 0:0 in Genf gegen Servette erstmals punktete. Bezüglich der Spielweise der Walliser hat Magnin klare Vorstellungen: «Ich erwarte ein Team, das schon die Handschrift von Stéphane Henchoz trägt. Dreierkette, konzentrierte Verteidigung und offensive Qualitäten.»


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts oder direkt hier:

Erstellt: 03.08.2019, 17:53 Uhr

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