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Der Fussballzwerg und die 170-Millionen-Pfund-Partie

Huddersfield Town spielt in England im Playoff-Final um den Aufstieg in die Premier League. Trotz eines Budgets, das kleiner ist als bei FCZ oder GC.

Sind sie noch aufzuhalten? Die Spieler von Huddersfield Town bejubeln den Penaltysieg gegen Sheffield Wednesday im Playoff-Halbfinal. (17. Mai 2017)
Sind sie noch aufzuhalten? Die Spieler von Huddersfield Town bejubeln den Penaltysieg gegen Sheffield Wednesday im Playoff-Halbfinal. (17. Mai 2017)
Reuters
Der Turm in der Schlacht: Michael Hefele (M.), hier flankiert von Isaiah Brown (l.) und Elias Kachunga, zählt zu den Schlüsselspielern des Überraschungsteams. (17. Mai 2017)
Der Turm in der Schlacht: Michael Hefele (M.), hier flankiert von Isaiah Brown (l.) und Elias Kachunga, zählt zu den Schlüsselspielern des Überraschungsteams. (17. Mai 2017)
Reuters
Der Baumeister des Erfolgs: David Wagner, einst Mitspieler und Zimmerkollege von Jürgen Klopp bei Mainz 05. (17. Mai 2017)
Der Baumeister des Erfolgs: David Wagner, einst Mitspieler und Zimmerkollege von Jürgen Klopp bei Mainz 05. (17. Mai 2017)
Reuters
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Wenn Huddersfield und Reading am Montag im Playoff-Endspiel der englischen Meisterschaft aufeinandertreffen, geht es um den Aufstieg in die Premier League – und um mindestens 170 Millionen Pfund, umgerechnet über 214 Millionen Franken. Diese Summe setzt sich aus den für die nächste Saison im Oberhaus garantierten 95 Millionen Pfund und sogenannten Fallschirmzahlungen für die beiden folgenden Jahre im Falle eines Abstiegs zusammen. Zum Vergleich: In der Champions-League-Saison 2015/16 war Manchester City mit Einnahmen von 83,853 Millionen Euro Topverdiener.

Der Schauplatz des 170-Millionen-Pfund-Spektakels ist ein würdiger: das Londoner Wembley-Stadion. Dass Huddersfield hier spielen würde, hätte im vergangenen Sommer aber wohl nicht einmal die kühnsten Optimisten gedacht. Der vom Deutschen David Wagner, dem Ex-Coach der U-23 von Borussia Dortmund, trainierte Verein war in der Saison 2015/16 nur knapp dem Abstieg entgangen und tätigte im Vergleich zur Konkurrenz nur bescheidene Investitionen. Das Budget beträgt nicht einmal 14 Millionen Pfund. Die neuen Spieler entpuppten sich aber als Volltreffer – allen voran der zunächst nur sporadisch eingesetzte Verteidiger Michael Hefele, der zuvor mit Dynamo Dresden in die 2. Bundesliga aufgestiegen war.

Der Publikumsliebling und seine besondere Rückennummer

Im Playoff-Halbfinal gegen Sheffield Wednesday war Hefele der Turm in der Schlacht – und im Penaltyschiessen, das Huddersfield 4:3 gewann, einer der erfolgreichen Schützen. Die Fans verehren den blond gelockten Bayern, der mit seinen 1,92 Meter Grösse und den breiten Schultern wie der Held aus einem Hollywood-Epos aussieht. Nicht nur wegen der sportlichen Vorzüge, sondern vor allem wegen seiner Begeisterung für die Aufgabe bei seinem neuen Verein, für den er seine grosse Liebe Dynamo nach zwei Jahren schweren Herzens verliess. In England zu spielen, das sei stets sein Traum gewesen, schrieb Hefele den Dresdner Fans in einem ebenso langen wie emotionalen Abschiedsbrief.

Dem achtfachen DDR-Meister ist der hünenhafte Abwehrspieler bis heute eng verbunden geblieben. Hefeles Rückennummer 44 – das D ist im Alphabet der vierte Buchstabe – steht für Dynamo Dresden. Und immer wieder kommen Fans aus Sachsen nach Huddersfield, um ihren Liebling zu besuchen.

Sechs Deutsche in Huddersfield

Überhaupt prägen die Deutschen Huddersfield Town sehr: Neben Trainer Wagner, einem guten Freund von Jürgen Klopp, und Hefele stehen mit Christopher Schindler, Chris Löwe, Elias Kachunga und Collin Quaner noch vier weitere Deutschlandimporte beim Überraschungsteam unter Vertrag. Vor dem Rückspiel gegen Sheffield witzelte Wagner in Anspielung auf einen möglichen Penaltykrimi: «Alle wissen, dass wir Deutschen im Elfmeterschiessen im Vorteil sein werden.»

Für den Coach, der erstmals Chef bei einem Profiteam ist, kommt der Erfolg natürlich einer enormen Genugtuung gleich. «Vor der Saison sagten alle voraus, dass wir absteigen oder zumindest gegen den Abstieg kämpfen würden. Nun trennt uns noch ein Schritt von der Premier League», erklärte er. «Wir sind ein kleiner Hund, ein Terrier, aber wir haben den festen Glauben, dass wir es schaffen können.» «Terrier» lautet der Übername von Huddersfield Town. Absolut passend.

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