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Der Goalie aus Rio

Wie sich ein Schweisser in Brasilien, dem Land der Dribbler, abends als Goalie vermietet – nur um dabei beschimpft und verachtet werden kann.

Bruno erzählt im Bistro von der weihnächtlichen Geschichte, die er gelesen hat, vom Goalie aus Rio de Janeiro. Und er erinnerte sich an seinen letzten Besuch in Brasilien und hatte wieder die Bilder vor Augen, wie sie überall spielten, früh am Morgen schon und abends spät noch, praktisch rund um die Uhr. In den Parks, an den Stränden natürlich, auf Kunststoffrasen, Beton oder Sand, und einmal war er in einer Favela gewesen, und auch dort hatten sie immer gekickt, und oft sind diese kleinen Spielfelder umrahmt von Gittern, wie ein Käfig, damit das Spiel immer weitergeht, sie den Ball nie irgendwo holen oder suchen müssen. Meistens war er lange stehen geblieben und hatte ihnen zugeschaut und gestaunt, wie sie dribbeln und zwischendurch jonglieren, es ist manchmal mehr Zirkus als Spiel, Fussball in seiner schönsten Art, Tricks an Tricks, und jedes Tor wird bejubelt, als wäre Brasilien eben Weltmeister.

Und Bruno - und deshalb hat ihn diese weihnächtliche Geschichte so berührt - hat auch stets auf die Torhüter geschaut. Torhüter, diese Einsamen mit der grössten Verantwortung in einem Team, haben ihn immer interessiert, und die Brasilianer, ein Volk der vielen Dribbler und Künstler, können gar nicht verstehen, dass sich da einer hinten freiwillig ins Tor stellen will. Torhüter, die komischen Figuren, die in diesem Spiel sich die Hände schmutzig machen, sind in der Geschichte immer wieder die Schuldigen und die Verachteten gewesen, wenn die Seleção bei einem Turnier versagt hat.

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