Zum Hauptinhalt springen

Der Hüter der goldenen Ananas

Der FC Aarau wäre gern in der Super League. Doch nicht nur der heutige Gegner FC Zürich verhindert den Aufstieg. Aarau ist nicht krisenresistent genug.

Noch kein neuer Vertrag - Marco Schällibaums Zukunft beim FC Aarau ist ungewiss.
Noch kein neuer Vertrag - Marco Schällibaums Zukunft beim FC Aarau ist ungewiss.
Keystone

Es ist noch nicht allzu lange her, da drohte sie für den FC Aarau tatsächlich Realität zu werden: die Promotion League. Drittklassigkeit, Amateurfussball. Es ist Herbst 2015, als der Club am Boden liegt. Der Absteiger plötzlich Letzter in der Challenge League. In jener Spielklasse, die er eigentlich sofort hat dominieren wollen. Zurückgeführt wird die Krise auf einen Mann: Livio Bordoli, den frisch installierten Trainer.

Ihm wird nachgesagt, in der Spielvorbereitung schludrig zu sein. Er demontiert Leistungsträger wie Captain Sandro Burki. Zum Schluss schaltet sich gar Bordolis Lebenspartnerin ein, indem sie die Spieler auf der Facebook-Seite des FC Aarau als «Nullen» bezeichnet. Wenig später wird Bordoli abgesetzt.

Von diesem Kapitel hat sich der Club erholt. Auch dank Marco Schällibaum, dem Trainer, der die Aargauer reanimiert und vor dem Fall in den Amateurfussball bewahrt hat. Heute, 16 Monate später, sollte eigentlich wieder der Aufstieg im Visier sein. Realisiert werden kann er allerdings frühestens 2018. Nach der Relegation des FC Zürich hat die Clubleitung Anfang Saison nämlich ihr Ziel revidiert: Ein Platz in den Top drei soll es werden. Ein Statement wie eine frühzeitige Kapitulation.

«Wir haben uns hinter dem FCZ versteckt», sagt Aaraus Vizepräsident Roger Geissberger rückblickend. Er glaubt aber auch, dass es ein veritables Fussballwunder gebraucht hätte, wenn sein 6-Millionen-Club das 20-Millionen-Team aus Zürich hätte hinter sich lassen wollen.

Vor dem heutigen Gastspiel des FCZ liegen die Aargauer auf Platz vier – also nicht im Soll. Für Aufregung sorgt das zwar nicht. Aber Geissberger stört es schon, wenn er bereits Anfang März feststellen muss, dass sein Team wieder bloss «nach der goldenen Ananas» greift. Zu einem Zeitpunkt, in dem der Club zumindest noch mit dem Aufstieg liebäugeln sollte. Er tut es heuer nicht, weil Aarau vor allem eines fehlt: Krisenresistenz. Auch im Spätherbst 2016 ist der FCA wieder in ein unerklärliches Tief gefallen. In der zweiten Hälfte der Hinrunde war er das zweitschwächste Team.

Vertragsgespräche auf Eis

Dabei hat man in Aarau im Sommer extra solche Spieler zu akquirieren versucht, die es sich gewohnt sind, liefern zu müssen. Spieler wie Sébastien Wüthrich oder Geoffrey Tréand. Nur liessen auch sie sich von der kollektiven Baisse anstecken. Nächste Saison solle das nicht mehr passieren, sagt Geissberger.

Wer dann alles beim FC Aarau angestellt sein wird, ist noch nicht klar. Geissberger hat Anfang Jahr entschieden, vor April keine Vertragsverhandlungen zu führen. Das gilt auch für Trainer Schällibaum. «Das ist nicht gegen ihn gerichtet», sagt Geissberger. Er wolle sein Personal nach der Krise lediglich auf den Prüfstand stellen. Viele Schlüsselspieler sind sowieso bereits langfristig gebunden.

Planungssicherheit wünscht sich der FC Aarau vor allem auch beim Bau des neuen Stadions «Torfeld Süd». Nun, da alle Einsprachen vom Tisch sind, könnten die Bagger theoretisch auffahren. Doch die Bauherrin HRS Real Estate AG will erst Gewissheit über die Mehrkosten, die wegen der jahrelangen Verzögerung angefallen sind. Die HRS will bauen – und der FC Aarau aufsteigen. Zwei Ziele, deren Realisierung alles andere als simpel ist.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch