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Der Mann mit den 1640 Fussballspielen

John Stancombe sammelt Stadionbesuche. Beeindruckend ist aber vor allem sein Handicap.

Edgeley Park Stadium in Manchester: Auch hier war Stancombe schon.
Edgeley Park Stadium in Manchester: Auch hier war Stancombe schon.

Der Engländer John Stancombe ist Groundhopper. So nennen sich Fussballfans, die es sich zum Ziel gesetzt haben, so viele Stadien wie möglich zu besuchen. Sie sammeln also Stadionbesuche, während andere Briefmarken aufbewahren. 1640 Grounds hat Stancombe schon von innen gesehen und darin eine Fussballpartie geschaut. Wahrscheinlich sind es am heutigen Tag sogar ein paar mehr.

Etwas Entscheidendes muss aber über den Engländer mit den 1640 Groundbesuchen gesagt werden. Er ist komplett blind. 2006 hatte der damals 35-Jährige sein Augenlicht verloren. Danach sass Stancombe über ein Jahr lang in seiner Wohnung und tat nichts. «Ich konnte nirgends hingehen, ohne dass mir jemand dabei half. Das war deprimierend», erinnert sich Stancombe. Er habe sein Selbstvertrauen verloren.

An seinem liebsten Ort, auf dem Fussballplatz: John Stancombe. Quelle: Screenshot «The Guardian»
An seinem liebsten Ort, auf dem Fussballplatz: John Stancombe. Quelle: Screenshot «The Guardian»

Über 30 Jahre hatte er Spielberichte geschrieben, nun musste er plötzlich in ein Aufnahmegerät sprechen. Mittlerweile hat Stancombe gelernt, damit umzugehen. «Es ist meine zehnte Saison als Blinder», erzählt er. Heute wird Stancombe von den Vereinen unterstützt, deren Stadien er besucht. Freiwillige führen ihn herum, erzählen ihm verschiedenste Details zur Spielstätte: Wie viele Lichter hat es? Wie lang ist das Gras? Oder wie sehen die Tribünen aus? All das nutzt der blinde Groundhopper, um sich ein eigenes Bild des Stadions zu machen. Während der Spiele steht ihm häufig ein Kommentator zur Seite. Diese werden Stancombe von den Vereinen zur Verfügung gestellt.

Der Sinn des Lebens

Die meisten der 1640 Fussballgelände hat der 46-Jährige in Non-Leagues besucht. Es sind jene Ligen in England, die nicht zu den professionellen Spielklassen gehören – alles ab der fünften Liga also. «Ich mag die Kameradschaft hier. Die Fussballer spielen des Spiels und nicht des Geldes wegen», so Stancombe.

Sein Hobby braucht viel Zeit und noch mehr Organisationstalent. Stancombe ist mit eingeschränktem Augenlicht geboren, ging auf eine Schule für Sehbehinderte. Mit 16 begann er mit Groundhopping. Wenn er mehr als ein Spiel pro Tag schafft, ist das für ihn ein Erfolg. «Für viele Leute ist dies nicht speziell, für mich schon. Wenn ich mir unterschiedliche Zugverbindungen merken muss, wird das schnell anstrengend», erzählt Stancombe. Hinzu kommt, dass er ein schlechtes Gehör und keinen Geruchssinn hat.

Aufgrund seiner Behinderung ist das Groundhopping zu einem wichtigen Inhalt seines Lebens geworden. «Es ist schon zu meinem Sinn des Lebens geworden», so Stancombe. Er würde sonst nur herumsitzen und viel schlafen. Als er komplett blind wurde, fragte er sich, warum soll ich jetzt aufhören? Er fand keinen Grund und ging ins nächste Stadion.

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