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Der nächste Schritt eines Hochbegabten

Barças Goalie Marc-André ter Stegen feierte gegen Bilbao ein Novum und einen Rekord – er hatte aber auch grosses Glück.

Seit wenigen Wochen offiziell Barças Nummer 1: Marc-André ter Stegen.
Seit wenigen Wochen offiziell Barças Nummer 1: Marc-André ter Stegen.
Keystone

Etwas mehr als 13 Minuten waren in Bilbao gespielt, als den Barça-Fans der Atem stockte: Marc-André ter Stegen, die neue Nummer 1 im Tor des FC Barcelona, spielt den Ball einem Gegner direkt in die Füsse, Athletics Beñat läuft allein auf den Deutschen zu – schiesst ihm aber mitten ins Gesicht.

Marc-André ter Stegen mit dem kapitalen Fehler, den er gleich selber ausbügelte. Video: Youtube.

So blieb der Lapsus nur für ter Stegen schmerzhaft, sein Team kam heil davon. Am Schluss resultierte ein verdienter, wenn auch knapper 1:0-Sieg im Hexenkessel San Mamés. Und der 24-Jährige feierte einen gelungenen Einstand.

Vor zwei Jahren wechselte das grosse Torwarttalent von Borussia Mönchengladbach zum FC Barcelona. Unter Lucien Favre wurde er bei Gladbach zu einem der besten Torhüter der Bundesliga, aufgrund seines jungen Alters wurde ihm eine grosse Zukunft vorausgesagt. Seine moderne Interpretation des Torwartspiels brachte schnell Vergleiche mit Manuel Neuer. Nicht wenige hielten ter Stegen gar für noch talentierter als den dreifachen Welttorhüter.

Zeitgleich verpflichtete Barça den chilenischen Routinier Claudio Bravo – statt einer gemütlichen Einfindungsphase in der katalanischen Metropole sah sich ter Stegen sofort mit einem gnadenlosen Konkurrenzkampf konfrontiert. Trainer Luis Enrique musste erfinderisch werden, um seine beiden Topgoalies zufriedenzustellen. Seine Lösung: Bravo spielt in der Liga, ter Stegen in Champions League und Pokal.

Zweijährigen Konkurrenzkampf gewonnen

Der Erfolg gab dem Coach recht, Barça gewann in der Saison 2014/15 das Triple. Kein Grund für den ehemaligen Captain der Katalanen also, an diesem Erfolgsrezept etwas zu ändern. Doch die Unzufriedenheit im Barça-Tor nahm zu. Während Bravo auch in der Champions League spielen wollte, sagte ter Stegen öfters, dass ihm «die maximal 20 Spiele pro Saison nicht reichen». Der Druck auf Luis Enrique wurde in diesem Sommer so gross, dass er sich für einen der beiden endgültig entscheiden musste. Und insbesondere altersbedingt fiel die Wahl auf ter Stegen – obwohl er zum Ligastart noch mit einer Knieverletzung ausfiel.

Vergangene Woche wurde Bravo für rund 20 Millionen Euro nach Manchester City verkauft, als Ersatz kam Jasper Cillessen von Ajax, und ter Stegen durfte am Sonntag in Bilbao erstmals als offizielle, unbestrittene Nummer 1 während eines Ligaspiels das Tor hüten.

Sein total achtes Ligaspiel, vergangene Saison profitierte er von einer Verletzung Bravos, wurde von der spanischen Presse deshalb besonders genau beobachtet. Barças Hausblatt «Sport» befand, mit seiner Leistung habe der EM-Teilnehmer dem Druck standgehalten, der stellvertretende Redaktionschef Lluis Mascaró schrieb jedoch auch: «Er zeigte in Bilbao seine beiden Seiten. Die eines genialen Torhüters, aber auch die eines sorglosen Keepers, dem leichtfertig haarsträubende Fehler unterlaufen.» Vielsagend war auch der Titel des Kommentars: «Ter Stegen brachte uns an den Rand eines Herzinfarkts.»

«Sehe ich nervös aus?»

«Mundo Deportivo», ebenfalls eine Barça nahestehende Zeitung, bezeichnete ihn als «Süchtigen nach intensiven Gefühlen». Sein riskantes Spiel, auch unter Druck immer einen Mitspieler mit einem Kurzpass zu suchen, findet in der katalanischen Metropole jedoch mehrheitlich Gefallen. Ausserdem erkannte das Medium, dass ter Stegen auch andere Vorzüge habe, beispielsweise seine Sicherheit auf Flanken – und eine überragende Reaktionsfähigkeit.

Zufrieden zeigte sich auch der Goalie selber. Im anschliessenden TV-Interview mit «Movistar Partidazo» sagte er in nahezu akzentfreiem Spanisch: «Das Team vermittelt mir ein sehr gutes Gefühl.» Auf die Frage, ob er mit dem Ball am Fuss nicht manchmal nervös werde, antwortete er lachend: «Wieso, sehe ich etwa so aus? Es gibt halt auch komplizierte Situationen, aber ich bin da, um diese zu lösen.» Er brauche aber noch etwas Zeit, um nach der Sommerpause wieder endgültig in den Tritt zu kommen.

Gemäss den Statistikern von Opta stellte er bei seinem Saisondebüt gleich mal einen Rekord auf: 51 Zuspiele erreichten seine Teamkollegen – die bisherige Höchstmarke seit Einführung dieser Statistik (2005/06) lag bei 46. Ein weiterer Schritt in Richtung seines Ziels: Manuel Neuer als besten Torhüter und Nummer 1 im deutschen Tor abzulösen.

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