Der Nationalspieler, der einen Journalisten zu Tode prügeln liess

Javid Hüseynov spielt am Sonntag in der WM-Qualifikation gegen Deutschland. Dabei sollte er im Gefängnis sitzen.

Ein zwielichtiger Repräsentant: Javid Hüseynov spielt für die Nationalmannschaft von Aserbeidschan.

Ein zwielichtiger Repräsentant: Javid Hüseynov spielt für die Nationalmannschaft von Aserbeidschan.

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Rasim Aliyev war entsetzt. Nationalspieler Javid Hüseynov provozierte nach dem Europacup-Spiel von Qäbälä in Zypern Ende Juli 2015 die Heimfans mit einer Türkei-Flagge. Als er die abfällige Handbewegung sah, mit der Hüseynov auf die Frage eines Journalisten antwortete, was diese Provokation sollte, wurde Aliyev noch wütender. Auf Facebook machte er seinem Ärger Luft. Er wolle nicht von einem «solchen unverschämten und schlecht erzogenen Fussballer auf den Fussballplätzen Europas repräsentiert werden», schrieb der Journalist. Wenige Tage später war er tot.

Nach Aliyevs Facebook-Eintrag vereinbart er mit einem Verwandten Hüseynovs ein Treffen, um sich mit dem Fussballer auszusprechen. Hüseynov selbst schickt Aliyev eine Nachricht, um ihm mitzuteilen, dass er niemanden provozieren, sondern nur die Freundschaft zwischen der Türkei und Aserbeidschan zum Ausdruck bringen wollte. Aliyev kommt allein zum Treffen, Hüseynov nicht. Stattdessen erscheint sein Cousin Elshan Ismayilov, ebenfalls Fussballer, begleitet von sechs bis sieben Freunden. «Als ich ihm meine Hand anbot, um ihn zu begrüssen, griffen sie mich von hinten an und verprügelten mich», erzählt Aliyev später im Krankenhaus einem unabhängigen Nachrichtensender. Der 30-Jährige erlitt mehrere Rippenbrüche, sein Zustand wurde von den Ärzten als «ernst, aber nicht kritisch» beurteilt. Wenige Stunden nach dem Interview stirbt Aliyev.

Hüseynov weist jegliche Schuld von sich, schreibt auf Facebook: «Ich bin traurig über den Tod von Rasim Aliyev. Ich würde es niemals zulassen, dass meinetwegen jemand getötet wird.» Auch Aserbeidschans Präsident Ilham Alijew bekundete seine Anteilnahme. Aliyevs Tod sei «eine Bedrohung für die Meinungsfreiheit». Aserbeidschan liegt bei der Rangliste für Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen aktuell auf Platz 162 von 180.

In einer bewegenden Reportage besuchte das WDR-Magazin «Sport Inside» die Familie des Opfers. Es wird gezeigt, wie die Angehörigen im autoritär regierten Land um Gerechtigkeit kämpfen – erfolglos. Haupttäter Ismayilov wird zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt, Hüseynov in erster Instanz zu 4 Jahren, diese Strafe wird aber auf 14 Monate reduziert. Ins Gefängnis muss der Nationalspieler nie, obwohl seine Mithilfe an Aliyevs Tötung vor Gericht bewiesen wurde.

Aliyevs Vater Mammadali Aliyev sagt gegenüber dem WDR: «Wir haben gemeinsam mit unserem Anwalt viele zusätzliche Eingaben gemacht. Sie wurden aber entweder zurückgewiesen oder gar nicht beachtet.» Menschenrechtsaktivist Anar Mammadali findet das reduzierte Urteil für Hüseynov einen Skandal: «Es gibt bis heute keine Erklärung dafür. Wir glauben, dass er von den wichtigsten Oligarchen des Landes gestützt wurde.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.10.2017, 11:08 Uhr

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