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Der Opa mit der guten Laune

Uli Hoeness, der im Discounter seine Rostbratwürste kontrolliert, wird auch weiterhin dafür sorgen, dass sein FC Bayern blüht.

Hört vielleicht bald auf: Bayern-Präsident Uli Hoeness.
Hört vielleicht bald auf: Bayern-Präsident Uli Hoeness.
Keystone

Das letzte öffentliche Bild von Uli Hoeness war eigentlich nicht für die Öffentlichkeit gedacht, er wurde erwischt, wie das deutsche Blatt für die grosse Masse jeweils schreibt, wenn aus Lesern auch Foto­grafen werden. Hoeness, weisses Hemd, schwarze Hose und Schuhe mit den drei Streifen, beugt sich in einer Aldi-Filiale im Münchner Vorort Unter­haching über ein Kühlregal.

Er hat seine Brille aufgesetzt, er will genau kontrollieren, ob die Rostbratwürste seiner Fabrik in Nürnberg auch richtig sortiert und verkaufsfördernd platziert sind. Er ordnet neu und verlässt dann den Discounter wieder, ohne etwas zu kaufen. Er tut solches oft, einmal hatte er auf dem Heimweg plötzlich seinen Wagen gestoppt, sich in einem McDonald’s in die Reihe gestellt, die Leute staunten nur, eine Wurst gekauft, sofort gegessen, um zu kontrollieren, ob sie auch so schmeckt, wie sie schmecken soll.

Diesmal, bei seinem Aldi-Kontrollgang, war Hoeness eben aus seinem Urlaub zurückgekehrt, wie immer aus Südfrankreich mit seiner Frau. Seine beiden Kinder und die Enkel waren auch einige Tage an der Côte d’Azur, er wolle, sagte er vorher, die Zeit nutzen, um mit seiner Familie nachzudenken, wie es weitergeht, mit ihm und dem FC Bayern München, der auch seine Familie ist. Er sagte schon vorher, vielleicht höre ich auf.

Und dann las er es letzte Woche im Blatt für die deutschen Massen, vielleicht war ja ein Leser diesmal Reporter und hatte mitgelauscht, was sie besprochen haben im Hotelgarten. Uli Hoeness hört auf, als Vereinspräsident und wohl auch als Chef des Aufsichts­rats. Er selber sagt dies vorläufig noch nicht, öffentlich.

«Das wars noch nicht», hatte er gesagt, als er seine Gefängnisstrafe wegen Steuerhinterziehung antrat, vielleicht sage er bald «Das wars», sagte er vor einigen Wochen im Vereins­magazin im einzigen Interview, das er in diesem Jahr gab. Glauben tat es kaum einer und stimmt es so auch jetzt nicht, denn er sagte auch diesen Satz: «Wenn ich einmal auf den FC Bayern schaue – hoffentlich von oben aus dem Himmel und nicht von unten – und ich sehe einen blühenden Verein, der den Leuten Spass macht und der Gesellschaft Werte vermittelt, bin ich zufrieden.»

Hoeness wird auch in den nächsten Jahren und ohne offizielle Funktion dafür sorgen, dass sein FC Bayern weiter blüht. Und vielleicht wird einer seiner Enkel auf dem Sofa in seinem Haus am Tegernsee wieder fragen: «Warum hat Opa immer so gute Laune?» Wir sollten uns alle, sagt Hoeness, vor allem wir Erwachsene, nicht zu wichtig nehmen.

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