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«Der Rassismus hat gewonnen!»

Leon Goretzka und Antonio Rüdiger heben den Mahnfinger. Die beiden deutschen Fussballer wollen die Gesellschaft wachrütteln.

Bayern Münchens Leon Goretzka fordert im Kampf gegen Rassismus mehr Handlungsbedarf.
Bayern Münchens Leon Goretzka fordert im Kampf gegen Rassismus mehr Handlungsbedarf.
Keystone
Februar 2020: Chelseas Antonio Rüdiger wurde in der Partie gegen Tottenham rassistisch beleidigt.
Februar 2020: Chelseas Antonio Rüdiger wurde in der Partie gegen Tottenham rassistisch beleidigt.
Keystone
Februar 2006: Saragossa-Spieler Alvaro versucht, Barcelonas Samuel Eto'o aufzuhalten. Der Kameruner will das Spielfeld nach rassistischen Zurufen von der Tribüne verlassen. Schliesslich wird er von Mitspielern und Trainer Frank Rijkaard überredet, weiterzuspielen.
Februar 2006: Saragossa-Spieler Alvaro versucht, Barcelonas Samuel Eto'o aufzuhalten. Der Kameruner will das Spielfeld nach rassistischen Zurufen von der Tribüne verlassen. Schliesslich wird er von Mitspielern und Trainer Frank Rijkaard überredet, weiterzuspielen.
AP Photo/Manu Fernandez
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Auf die Frage, was der starke Wählerzuwachs der rechtspopulistischen Partei AfD in den vergangenen Jahren beim Bayern-Profi Leon Goretzka auslöse, sagte dieser gegenüber DAZN: «Sorge. Man fasst sich an den Kopf und fragt sich, wie das passieren kann. Ich denke aber, dass viele Leute nicht aus Überzeugung, sondern aus Mangel an Alternativen die AfD wählen.»

Im Interview von «Spox» und DAZN erneuerte der 25-Jährige seine Forderung an andere Profis, sich im Kampf gegen Rassismus klar zu positionieren. In einem «Spiegel»-Interview hatte er gesagt, jeder solle sich an die eigene Nase fassen und den Mut haben, «den Mund aufzumachen».

«Ich bin alleine»

Goretzka setzt sich seit langem für Integration und gegen Rassismus ein. Zuletzt hatte er in sozialen Netzwerken Fotos von seinem Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Dachau veröffentlicht. Zu den Bildern hatte Goretzka geschrieben: #neverforget und #niewieder. «So etwas wie damals darf sich nicht wiederholen in unserer Geschichte. Daher ist es wichtig, dass diesem Thema Aufmerksamkeit geschenkt und immer wieder Erinnerung geschaffen wird», sagte Goretzka.

«Sowohl die Fans als auch wir Spieler haben in dieser Hinsicht eine grosse Verantwortung. Fritz Walter hat mal gesagt, dass alle Nationalspieler Aussenminister in kurzen Hosen sind. Den Spruch finde ich sehr gut. Wir Spieler sollten die grosse Aufmerksamkeit, die wir bekommen, nutzen, um für solche Themen zu sensibilisieren.»

Rüdiger gibt nicht auf

Jüngst wurde auch sein Landsmann Antonio Rüdiger erneut Opfer rassistischer Anfeindungen. Beim 2:1-Sieg von Tottenham wurde der 26-jährige Chelsea-Verteidiger mit Affenlauten beschimpft. «Der Rassismus hat gewonnen! Das zeigt sich, dass diese Leute gewonnen haben, weil sie wieder ins Stadion gehen können», sagte er gegenüber dem deutschen Sportinformationsdienst. Und fügte an: «Es ist nicht so, dass ich aufgebe oder meine Stimme nicht mehr erhebe. Ich werde immer meine Stimme erheben, aber in dieser Hinsicht bin ich alleine.»

Rüdiger fordert angesichts der jüngsten Rassismusvorfälle auch in deutschen Stadien zu entschlossenerem Handeln auf. «Taten müssen folgen! Alles andere hilft nichts. Leute, die danebensitzen, müssen endlich aufstehen und solche Sachen melden. Man sagt ja: mitgefangen, mitgehangen. So sehe ich das auch. Da bist du Mittäter, wenn du schweigst. Manche Leute können anscheinend damit leben – dann haben wir verloren.»

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