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Der Rückkehrer, der nie weg war

Marco Schönbächler ist so gesund wie lange nicht mehr. Er hat den Vertrag verlängert, dabei auf Geld verzichtet und schaut der Saison mit neuem Mut entgegen.

Hekuran Kryeziu, der Ballverteiler: Kryeziu ist einer der dem FCZ sofort helfen soll. Bickel beschreibt den von Luzern ablösefrei gekommenen Mittelfeldspieler als: «souverän, ruhig, unproblematisch». Seine Stärken liegen in der Spielintelligenz und im Zweikampf. Der 25-Jährige soll die Bälle verteilen und zum Führungsspieler werden.
Hekuran Kryeziu, der Ballverteiler: Kryeziu ist einer der dem FCZ sofort helfen soll. Bickel beschreibt den von Luzern ablösefrei gekommenen Mittelfeldspieler als: «souverän, ruhig, unproblematisch». Seine Stärken liegen in der Spielintelligenz und im Zweikampf. Der 25-Jährige soll die Bälle verteilen und zum Führungsspieler werden.
Christian Merz, Keystone
Salim Khelifi, der Dribbler: Khelifi kommt von Eintracht Braunschweig aus der zweiten Bundesliga. Beim FCZ zeigte man sich überrascht, in welchem athletischen Topzustand der Schweizer mit tunesischen Wurzeln in Zürich eintraf. Der 24-Jährige hat in vier Jahren Braunschweig 78 Ligaspiele absolviert, im letzten Halbjahr aber nur zwei. Trotzdem hält Trainer Magnin viel von ihm: «Er ist stark im Eins-gegen-eins, man wird bald sehen, dass er uns in der Angriffshälfte helfen kann.»
Salim Khelifi, der Dribbler: Khelifi kommt von Eintracht Braunschweig aus der zweiten Bundesliga. Beim FCZ zeigte man sich überrascht, in welchem athletischen Topzustand der Schweizer mit tunesischen Wurzeln in Zürich eintraf. Der 24-Jährige hat in vier Jahren Braunschweig 78 Ligaspiele absolviert, im letzten Halbjahr aber nur zwei. Trotzdem hält Trainer Magnin viel von ihm: «Er ist stark im Eins-gegen-eins, man wird bald sehen, dass er uns in der Angriffshälfte helfen kann.»
Christian Merz, Keystone
Hakim Guenouche, der Begabte: Guenouche ist 18, Linksverteidiger und spielt für Frankreichs U-17-Nationalteam. Er hat von Nancy-Lorraine nach Zürich gewechselt. Auch deswegen, weil er durch die FCZ-Partnerschaft mit Bournemouth gute Perspektiven sieht, einmal in England in der Premier League zu spielen. Auch er wird seine ersten Spiele in der U-21 machen.
Hakim Guenouche, der Begabte: Guenouche ist 18, Linksverteidiger und spielt für Frankreichs U-17-Nationalteam. Er hat von Nancy-Lorraine nach Zürich gewechselt. Auch deswegen, weil er durch die FCZ-Partnerschaft mit Bournemouth gute Perspektiven sieht, einmal in England in der Premier League zu spielen. Auch er wird seine ersten Spiele in der U-21 machen.
Christian Merz, Keystone
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Es gab eine Zeit, da wollte Marco Schönbächler nicht über Marco Schönbächler reden – Interviewanfragen lehnte er ab, er war verletzt, so lange schon, dass es aus seinem Fussballerleben nichts Neues zu berichten gab. Diese Zeit ist vorbei, Schönbächler spricht wieder, es gibt Neuigkeiten. Der 28-Jährige hat seinen Vertrag beim FCZ verlängert – und er ist wieder gesund.

Schönbächler hat sich in der Saalsporthalle einen Stuhl genommen, gerade ging das Training zu Ende, einen Tisch weiter sitzt Ludovic Magnin und erklärt einer Schar Journalisten, wie er mit dem FCZ in der neuen Saison spielen will. Und noch ein paar Meter weiter machen Stadtangestellte in der Halle den Sommerputz, sie hören Radio, Ronan Keating singt «If Tomorrow Never Comes». Ja, was ist, wenn der nächste Tag nicht kommt?

Es ist eine Frage, die beide umtreibt, Magnin und Schönbächler. Magnin hat im Februar die Mannschaft übernommen, jetzt muss der nächste Schritt folgen. Spielerisch muss sie weiterkommen, attraktiver spielen. Kann sie das? Schafft sie das? Es sind existenzielle Fragen für Magnin. Ist er zuversichtlich? «Ja», sagt er. Und lacht.

Experte im Zuschauen

Bei Schönbächler sind die Fragen ähnlich grundsätzlich. Kann er noch einmal so gut werden, wie er einmal war? Auch er lacht: «Ich gehe davon aus.» Was war er lange verletzt. Schönbächler nickt. Er hat seit März 2015 zwei Spiele in der Super League bestritten. «Unglaublich», sagt er. Es kamen noch ein paar Partien in der Challenge League hinzu, doch die meiste Zeit war er nicht einsatzbereit. Eine komplizierte Leistenverletzung machte ihm zu schaffen, lange wusste er nicht, was ihn plagt. Und als er wieder auf dem Weg zurück war, riss das Kreuzband, es kam ein Infekt dazu. Wieder Monate Pause, wieder Reha, wieder nur zuschauen.

Es gab Momente, da fragte er sich, warum immer ich? Weil er keine Antwort fand, hat er die Frage einfach auf die Seite gewischt. Bringt ja nichts. Als Nachbarn und Kollegen mit Mitleid auf ihn zugingen und über die Verletzung sprechen wollten, sagte er: Bitte ein anderes Thema.

Überhaupt hat er kaum über die Misere gesprochen, nicht einmal mit seiner Freundin, mit der er seit 12 Jahren zusammen ist. Er war froh, hat sie ihm geholfen und für ihn gekocht, als er an Krücken ging – doch sie und seine Kollegen belasten? Macht Schönbächler nicht. «Ich bin der Typ, der solche Sachen schluckt und so verdrängt.»

Es gibt Leute, bei denen wuchern dann die Gedanken und richten Schaden an. Schönbächler sagt, er gehöre nicht zu diesen Menschen. Er erzählt, wie viel schöner das Leben ist, wenn man wieder das tun kann, was man am liebsten macht: Fussball spielen.

Vorsicht bremst Euphorie

So ist dieser Saisonstart als wenn der verlorene Sohn zum FCZ zurückkehren würde. Nur dass er gar nie weg war. Bereits haben Fans wieder Fantasien um den 28-Jährigen, sie wissen, der war einmal Nationalspieler. Doch Schönbächler ist zurückhaltend.

Mit Vorsicht formuliert er auch seine Sätze, als könnten sie ihm bei einer Unachtsamkeit entgleiten oder Schaden anrichten. «Ich brauche noch etwas Zeit.» Und: «Ich bin relativ zuversichtlich.» Das Gesundsein ist noch fragil, er muss es mit Selbstvertrauen stärken, dafür braucht er Einsätze, schöne Pässe und wichtige Tore.

Das Angebot aus Berlin

Fast hätte er sich dieses Selbstvertrauen anderswo geholt. Denn im Frühling zogen sich die Vertragsverhandlungen hin, der Kontrakt lief aus, Schönbächler war sogar während drei Tagen vertragslos. Kleinigkeiten hätten nicht gestimmt, sagt er. Dabei hat wenig gefehlt und Schönbächler hätte zu Union Berlin in die zweite Bundesliga gewechselt.

Der Vertrag lag zur Unterschrift bereit, Trainer Urs Fischer wollte ihn unbedingt. Kein Zufall. Einerseits kennen sie sich aus Zürcher Zeiten, andererseits haben sie den gleichen Berater.

Doch Schönbächler entschied sich gegen einen Wechsel und für den FC Zürich. Heisst auch, er verzichtet auf viel Geld. Er war im alten Vertrag der Bestverdiener im Club, der Lohn wurde nun markant nach unten korrigiert. Weil er lange verletzt war, weil er kaum gespielt hat, weil die Fantasie aus seinem Marktwert gewichen ist. «Das tut schon weh, doch ich versteh das Geschäft», sagt Schönbächler.

Das Vertrauen von Magnin

Sein Bleiben hat zwei Gründe. Weil er den FCZ so mag. Weil sich Ludovic Magnin so heftig für ihn eingesetzt hat. Der Trainer sagte ihm, er bringe ihn wieder zurück zu alter Stärke. Darauf angesprochen sagt Magnin: «Ich kenne Marco. Ich weiss, was er kann, ich habe selbst noch mit ihm gespielt.» In dieser Situation brauche er nun viel Vertrauen, das gebe er ihm, denn: «Helfen wir ihm, hilft er uns.»

Magnin hält viel von Schönbächler. Als der Trainer selbst noch in Deutschland spielte, hat er nicht allzu viele gesehen, die mit den Qualitäten von Schönbächler Fussball spielten. Das Tempo mit dem Ball. Die Kreativität. Der Schuss. Das Auge für Räume, die andere nicht sehen.

Nur: Bringt das Schönbächler wieder auf den Rasen? Etwas, das er in seiner ganzen Pracht zuletzt 2015 gezeigt hat. Auch damals hätte er nach Berlin wechseln können, auch damals lag der Vertrag bereit. Die Hertha wollte ihn, Schönbächler ging nicht. Die Geschichte wiederholt sich also. Höchste Zeit, um die Wiederholungsschleife zu verlassen.

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