Der Schweizer Messi im Sand

Die Schweiz startet an der Beachsoccer-WM in Portugal mit dem besten Rookie der Welt: Noel Ott, der Messi der Strandfussballer.

Lichtblick im Schatten: Noel Ott und sein Traumtor an den European Games 2015 in Baku.

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Sand statt Rasen, barfuss statt Schuhe, Cheerleader statt Ballboys – der Vorstellung von Beachsoccer haftet ein aufreizendes Bild an, und allein die Fantasie löst bei Noel Ott eine magnetische Wirkung aus. «Das Spektakel mit dem Ball, die vielen Tore, die Sonne, das Lebensgefühl am Strand und die schönen Frauen am Spielfeldrand», schwärmt Ott, «das alles macht den Reiz beim Beachsoccer aus.»

Der 21-jährige Aargauer ist seit vier Jahren Teil dieses Traumbildes und ­innerhalb der Szene die grösste Ent­deckung der Neuzeit. Zum Abschluss der vergangenen Saison wurde der Ballkünstler aus Wettingen von der Fifa zu den drei besten Spielern der Welt ­gewählt und dank seinem steilen Aufstieg zum Nachwuchsspieler des Jahres erkoren. «Es ist der Lohn für die harte Arbeit», sagt Ott, der fast jeden Tag von seinem Bürojob in Zürich ins Training des Nationalteams nach Basel pendelt.

Das Leben auf Achse gefällt ihm, so richtig angetan haben es ihm aber die ­finanzierten Reisen rund um den Globus. «Dank Beachsoccer habe ich schon auf jedem Kontinent gespielt – eine ­unglaubliche Erfahrung.» Es ist die ­Parallelwelt des Fussballs, die ihn nach einer gescheiterten Karriere bei den Grasshoppers mit Genugtuung erfüllt. Ausgemalt hatte er sich eine Karriere auf Rasen bei GC, die bei der U-18-Auswahl des Rekordmeisters vorzeitig endete. «Das war ein richtiger Dämpfer», sagt Ott, der nun wieder für GC spielt – allerdings in der Beachsoccer-Section.

Das Feuer im roten Dress

Ott brauchte Zeit, um sich von diesem Rückschlag zu erholen. Eine Bekannte seiner Mutter führte ihn schliesslich zum Beachsoccer: «Sie war schon immer Fan von mir und sagte, dass ich den Durchbruch auf Sand schaffen könnte.» Mit 17 Jahren also kehrte Ott dem GC-Campus in Niederhasli den Rücken und wandelte sich vom Grasshopper zum Sandfloh; eine Metamorphose, die ihm zu Beginn auf der ungewohnten Unterlage grosse Mühe bereitete. «Die Umstellung war riesig für mich; es war verdammt hart.»

Disziplin und Durchhaltewillen haben den naiven Neuling innerhalb von drei Jahren zum fleissigsten Torschützen der Schweiz reifen lassen und ihm 2012 die erste Nomination für die Nationalmannschaft eingebracht. «Das hat mich unheimlich stolz gemacht», sagt Ott. Das rote Dress entfachte ein innerliches Feuer, das ihn bis an die Weltspitze der Strandfussballer trieb. «Ich habe mich jede Saison ein Stückchen nach oben ­gekämpft.»

Ein Wirbelwind auf Sand

Sein artistischer Stil hat mit einem Kämpfer aber nicht mehr viel gemein. Es ist der Tanz mit dem Ball, den er wie kein Zweiter zelebriert und dabei die Gegner narrt. Fasziniert von seinem ­sagenhaften Fallrückzieher, wird er gar vom FC Barcelona regelmässig für die ­internationalen Topspiele der Beach­soccer-Auswahl eingeladen. «Eine grosse Ehre», sagt Ott, der vom medialen Umfeld immer wieder mit Superlativen eingedeckt wird.

Die schnellen Dribblings und der messerscharfe Schuss haben ihm in Spanien gar die Bezeichnung Beachsoccer-Messi beschert. «Viele sagen, ich bewege mich so wendig wie ein Wirbelsturm. Und vor dem Tor bin ich eiskalt und treffe fast immer.» Ott schmeichelt der Vergleich, aber zumindest kann er bei der Körpergrösse dem argentinischen Superstar auf Augenhöhe begegnen: Messi und Ott sind exakt 1,70 Meter. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.07.2015, 14:40 Uhr

Beachsoccer-WM 2015

Die Schweiz strebt in Portugal den ganz grossen Wurf an.

Das Beachsoccer-Nationalteam peilt an der WM in Espinho (Por) eine Medaille an. «Wir gehören zu den Favoriten», glaubt Trainer Angelo Schirinzi und wird durch die Weltrangliste bestätigt, in der die Schweizer hinter Russland und Brasilien den dritten Platz belegen. Vor sechs Jahren hatten sie sich schon einmal in den WM-Final vorgearbeitet, ­unterlagen als Aussenseiter schliesslich aber den Brasilianern 5:10. Stürmer Dejan Stankovic wurde bei jener Endrunde in den Vereinigten Arabischen Emiraten als Spieler des Turniers ausgezeichnet und war mit 16 Treffern in sechs Spielen auch Torschützenkönig.

Diesmal fiel die Hauptprobe jedoch durchzogen aus. Bei den Europaspielen Mitte Juni in Baku verloren die Schweizer den Halbfinal gegen Italien und ­verpassten nach einer 5:6-Niederlage gegen die Portugiesen auch den 3. Platz. Diese gehören an der Heim-WM am Strand von Espinho zum Kreis der Mitfavoriten. Erste Anwärter auf den Titel im Badeort südlich von Porto sind allerdings Russland, das 2011 und 2013 Weltmeister war und jetzt den Hattrick realisieren kann, sowie Brasilien. Das starke Italien wiederum ist einer der Schweizer Vorrundengegner.

Für die Schweiz beginnt die WM heute Donnerstag mit dem ersten Vorrundenspiel gegen den Oman. Zusammen mit Costa Rica ist das Team von der Arabischen Halbinsel der Aussenseiter der Gruppe – beide Teams haben bislang je einmal eine WM-Endrunde erreicht – und schieden jeweils ohne Punktgewinn aus.

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