Zum Hauptinhalt springen

Der SFV erklärt den Frauenfussball zur Priorität

Die Schweiz ist offenbar ein Fussballland: Dank einer Studie entschliesst sich der Fussballverband, den Frauen mehr Gewicht zu geben.

Wird die Geschicke des Schweizer Frauenfussballs in Zukunft lenken: Tatjana Haenni.
Wird die Geschicke des Schweizer Frauenfussballs in Zukunft lenken: Tatjana Haenni.
Marcel Bieri, Keystone

Grösser hätte die Ankündigung kaum sein können. Historisch sei sie, die Art, wie der Frauenfussball neu positioniert werden soll innerhalb des Verbandes. Klar, dass da der Chef nicht fehlen darf. So ist es Dominique Blanc, Präsident des Schweizerischen Fussballverbandes, der das geschichtsträchtige Communiqué verliest: «Die Zeit ist reif, um ein klares und starkes Zeichen zu setzen.» Und dieses Zeichen heisst: Der Frauenfussball bekommt eine eigene Abteilung innerhalb des SFV. Neu ist Tatjana Haenni nicht mehr nur Leiterin des Ressorts Mädchen- und Frauenfussball, nein, die 52-Jährige bekommt nun eine ganze Abteilung unter sich, die innerhalb des Organigramms auf gleicher Stufe wie die technische Abteilung, und Männer-Nationalteams steht. Ausserdem wird Haenni in die Geschäftsleitung des Verbandes aufgenommen.

Als «Aufbruch in eine neue Ära», bezeichnet sie diesen Schritt. Er verleihe dem Vorhaben, den Frauenfussball in der Schweiz zu fördern, mehr Glaubwürdigkeit. Insbesondere sei es ein grosser Schritt, dass der Verband den Frauenfussball zu einer seiner fünf strategischen Prioritäten erklärt habe: «Dass sich der SFV so klar bekennt, ist nicht zu unterschätzen.» Trotz beachtlicher Erfolge wie EM- und WM-Teilnahmen war dem nicht immer so.

Die Schweiz, ein Fussballland

Unermüdlich kämpft Haenni seit Amtsantritt im Oktober 2018 darum, dass Fussball auch wahrgenommen wird, wenn ihn Frauen spielen. Dass der Verband nun diesen Schritt wagt liegt vor allem an einer Studie, die in Zusammenarbeit mit der Uefa durchgeführt wurde. In einem Zeitraum von sechs Monaten wurden rund 1700 Personen befragt, daraus resultierte: 43 Prozent der Frauen und 66 Prozent der Männer interessieren sich für den Frauenfussball. Beide Werte liegen über dem europäischen Durchschnitt. Blanc wirkt stolz, wenn er schlussfolgert: «Wir haben herausgefunden, dass wir ein Fussballland sind.»

«Auf die Verpflichtung eines Ligasponsors haben wir jahrelang hingearbeitet.»

Tatjana Haenni

Für Haenni bedeutet diese Änderung konkret, dass sie künftig mehr Mitspracherecht hat, wenn um die Zukunft des Frauenfussballs entschieden wird. Indem er aus der technischen Abteilung gegliedert wird, erhält der Frauenfussball mehr Gewicht. «Frauen- und Herrenfussball haben ihre individuellen Bedürfnisse, deshalb macht es Sinn, sie anders zu strukturieren», erklärt sie. Der möglicherweise grösste Unterschied ist ganz oben auszumachen: In der höchsten Liga. NLA-Spielerinnen trainieren vier bis sieben Mal wöchentlich, müssen aber aufgrund fehlender Verdienstmöglichkeiten normal arbeiten. Deshalb gehört neben regelmässigen Teilnahmen des Nationalteams an EM- oder WM-Endrunden, auch Attraktivitätssteigerung der NLA zu den Hauptzielen der neu geschaffenen Abteilung. Als erste Massnahme findet der Cupfinal am 10. Mai im Letzigrund statt. Ausserdem kündigt Haenni einen nächsten Meilenstein an: Offenbar steht der Verband kurz vor der Verpflichtung eines Ligasponsors - für die NLA wäre das ein Paukenschlag. «Darauf haben wir jahrelang hingearbeitet», sagt sie.

Ein weiteres wichtiges Ziel sei, die Zahl der lizenzierten Fussballerinnen zu steigern. Wie viele sie sich wünscht, lässt Haenni offen: «Mir ist wichtiger, dass jedes Mädchen, das Fussball spielen möchte, die Gelegenheit dazu hat.»

----------

Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Apple Podcasts oder direkt hier:

Hier finden Sie alle Folgen an einem Ort.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch