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«Der Trainer sah die Leistung immer besser als ich»

Nach der Entlassung Thomas Häberlis läuft die Trainersuche beim FC Luzern. Einen Nachfolger gibt es noch nicht, Selbstkritik auch kaum.

«Ich hinterfrage mich sehr viel und bin immer selbstkritisch. Es sind in den letzten zwei Jahren Sachen passiert, die ich im Nachhinein auch anders gemacht hätte. Dazu stehe ich.» Remo Meyer, Sportchef FC Luzern am Dienstag an der Pressekonferenz.

Am Sonntag hat der FC Luzern nach sechs Niederlagen wieder einmal gewonnen. Gegen den FC Basel, eines der formstärksten Teams der Super League. Trotzdem trennten sich die Zentralschweizer am Montag von Trainer Thomas Häberli. «Wir sahen die Ziele für die Rückrunde gefährdet», sagt Sportchef Remo Meyer am Dienstag an einer Pressekonferenz.

Der Sportchef erklärt, dass er den Antrag zur Entlassung Häberlis am Sonntag nach dem Spiel gegen Basel und nach einer «nüchternen Analyse» beim Verwaltungsrat eingereicht habe. Dieser habe dem Antrag einstimmig zugestimmt, das heisst: Die verbliebenen Verwaltungsräte Philipp Studhalter und Josef Bieri waren einverstanden. Häberli habe er in einem persönlichen Gespräch am Montagmorgen um 11 Uhr informiert.

Meyer führt mehrere Gründe für die Trennung an: schwaches sportliches Abschneiden, die fehlende Entwicklung und Handschrift des Trainers und man habe in der Vorrunde einige Unruhen in der Mannschaft gehabt. Der FCL-Sportchef nennt kleinere Probleme mit Marvin Schulz und die bekannten Diskussionen mit und um Blessing Eleke, der im Sommer mit einem Transfer liebäugelte und danach nie mehr zu seiner Form der Vorsaison fand.

Im Interview den Trainer öffentlich angezählt

Zudem habe es unterschiedliche Beurteilungen der Leistungen gegeben: «Der Trainer sah die Leistung immer besser, als ich sie eingeschätzt habe», sagt Meyer, der seinen wichtigsten Angestellten im November nach der Niederlage gegen Aufsteiger Servette in einem Interview mit «zentralplus» öffentlich angezählt hatte.

«Ich habe nichts gesagt, was intern nicht besprochen worden ist. Der Verwaltungsrat hat immer meine ehrliche Meinung gehört. Das war kein Angriff, sondern meine Meinung. Der Trainer wusste, wie ich die Situation sehe», so der FCL-Sportchef. Er würde das Interview zu diesem Zeitpunkt so wieder geben. «Ich stehe dazu.» Wichtig sei ihm gewesen, dass er die Rückendeckung des Verwaltungsrates hatte. «Es ist so, wir hatten alle Informationen» bestätigt Studhalter und bekräftigt, dass «der Sportchef das volle Vertrauen des Verwaltungsrates und der Aktionäre geniesst.»

FCL-Präsident Philipp Studhalter erläutert die Entlassung Thomas Häberlis. (Quelle: Tamedia)

Die dritte Trainerentlassung von Sportchef Remo Meyer in zweieinhalb Jahren

«Meine Arbeit müssen andere beurteilen», sagt der Sportchef noch. «Ich bin zufrieden. Ich habe immer meine Meinung vertreten und bin meinen Weg gegangen. Zudem hatte ich grosse Unterstützung von der Clubleitung. Dennoch: «Ich hinterfrage mich sehr viel und bin immer selbstkritisch. Es sind in den letzten zwei Jahren Sachen passiert, die ich im Nachhinein auch anders gemacht hätte. Dazu stehe ich.» Und Präsident Studhalter stellt Meyer ein gutes Zeugnis aus: «Selten stand der FC Luzern so stabil da. Remo Meyer hat es geschafft, die wirtschaftlichen und sportlichen Aspekte zusammenzubringen.»

Häberli ist der vierte Trainer in Meyers zweieinhalb Jahren beim FC Luzern, drei davon (Babbel, Weiler, Häberli) hat der Sportchef entlassen. «Ich hatte das anders geplant», sagt Meyer. Jetzt ist er wieder auf der Suche. Denn einen neuen Trainer haben die Luzerner am Dienstag nicht präsentiert. Den Vorzug gibt Meyer einer Schweizer Lösung «oder zumindest einem Mann, der die Liga kennt.» Der Sportchef begründet dies damit, dass die Winterpause und die Zeit der Vorbereitung in dieser Saison kurz seien. Über mögliche Favoriten spricht Meyer nicht. «Wir haben noch nie über Namen Auskunft gegeben und sind damit immer gut gefahren», sagt er nur, «aber der Trainermarkt wird von uns ständig gescoutet. Sonst würde ich meine Arbeit nicht machen.»

Meyer will spätestens Anfang Januar einen Nachfolger gefunden haben, lieber aber früher, und stellt sich das Profil so vor: Der neue Trainer «muss ein absoluter Fachmann sein, eine Führungspersönlichkeit und er muss mit jungen Spielern arbeiten können und wollen. Zudem muss er für die Luzerner DNA stehen und einen laufstarken, dynamischen und mutigen Fussball spielen.»

Auf die Frage, ob Bernhard Heusler, der aktuell Berater des Luzerner Verwaltungsrates ist, bei der Suche beteiligt ist oder hilft, sagt Studhalter: «Er steht uns zur Verfügung, wenn wir Fragen haben. Zuständig für die Trainersuche ist Remo Meyer.»

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