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Die teuerste Seifenoper des Weltfussballs

Die Fachwelt rätselt, wie die Besitzer von Paris St-Germain den Rekordtransfer von Neymar stemmen wollen, ohne die Regeln der Uefa zu verletzen.

Die Transfersaga um Neymar dauert an. (Video: Tamedia/AFP)

Egal, was man vom Sommertheater um Neymar Junior und dessen vermeintlichem Rekordtransfer von Barcelona nach Paris auch halten mag, eine ­Bewandtnis erstaunt ganz besonders: Der junge Brasilianer hält dem immensen Druck aus der Öffentlichkeit mit ­geradezu aufreizender Ruhe stand und lächelt alle Fragen weg, die ihm überall zugebrüllt werden. In den vergangenen Tagen reiste er um die halbe Welt: New York, Washington, Miami, Shanghai und wo er auch auftrat, war es, als ginge ihn das ganze Hurra um seine Person nichts an. Ja, als bereite es ihm gar Spass.

Heute Morgen aber, um ziemlich ­genau 9.30 Uhr, wird Neymar in der ­Ciutat Esportiva Joan Gamper ­erwartet, dem Trainingszentrum des FC Barcelona im Süden der Stadt. Zum Arbeitsantritt, zur Vorbereitung für die neue Saison. Zeigt er sich da nicht, dann ist der «culebrón», die Seifenoper, bald vorbei. Der Epilog wird dann wohl in ­einigen Tagen auf einer prächtigen Bühne aufgeführt: auf der Esplanade des Trocadéro, in ­Paris, den Eiffelturm zur Kulisse. ­Gebucht soll der Platz schon sein. Die Pariser Sportzeitung «L’Equipe» schreibt, bis Montag sei alles klar.

Bei Barça wächst der Ärger

Neymar will nun offenbar tatsächlich zu Paris Saint-Germain wechseln, einem Verein mit sehr reichen Besitzern aus Katar und einem schier zügellosen ­Appetit nach Grösse. Gesagt hat er das zwar noch nie. Doch manchmal ist Schweigen beredter als Reden, zumal wenn es über die Massen lange dauert. Barça, Verein und Spieler, bedrängten «Ney» in den vergangenen Tagen mit ­zunehmender Vehemenz und wachsendem Ärger, sich endlich zu äussern. Doch auch das kümmerte ihn nicht ­sonderlich. Die katalanische Zeitung «Sport» fragte bei ihren Lesern nach, was sie denn hielten von der Unentschlossenheit Neymars, und da kam ­heraus, dass ihn nur 9 Prozent zurückhalten wollen. Dem Spieler gehe es doch nur ums Geld.

Wobei «nur» in diesem Fall ein eher unpassendes Adverb ist.

Nie ging es im Fussball um mehr Geld. Die Operation hat das Zeug, das bisherige Geschäftsmodell zu sprengen. Um Neymar nach Paris zu holen, muss PSG die Ausstiegsklausel bezahlen, die vor einem Jahr in dessen neuen Vertrag bei Barça geschrieben wurde – 222 Millionen Euro. Dem Spieler soll ein Nettogehalt von 30 Millionen Euro im Jahr angeboten worden sein, das wäre ungefähr doppelt so viel, wie er in Barcelona verdient. Ausserdem wurde dem Vater und Agenten, Neymar Senior, angeblich eine ­Prämie von 40 Millionen versprochen. In Spanien nennen sie diesen mittlerweile «el cobrador», den Kassierer – weil er ­jeden Vertrag von Junior in eine einträgliche Familienaffäre ummünzen kann.

Rechnete man die Steuern dazu, die über eine Vertragsdauer von fünf Jahren anfallen würden, dann würde PSG mit Neymar Ausgaben von insgesamt fast 600 Millionen Euro auf sich laden. Klingt verrückt, ist es wahrscheinlich auch. Doch noch relevanter ist die Frage, ob PSG das überhaupt darf, ohne gegen die Regeln des viel beschworenen Financial Fairplay zu verstossen.

Barça jedenfalls droht, PSG bei der Uefa zu verklagen, wenn es die Klausel löst. Die hatte man ja gerade deshalb so hoch angesetzt, um jedes Ansinnen zu ersticken. Die Uefa wiederum lässt ausrichten, dass man das Geschäft auch ohne Klage aus Spanien prüfen werde. Wie die französische Presse mutmasst, überlegen sich die katarischen Besitzer mehrere Bezahlmodalitäten, um a) möglichst wenig Steuern zu bezahlen und b) mögliche Sanktionen zu vermeiden. Die Uefa kann einen Verein büssen, ihn aus den europäischen Wettbewerben ausschliessen, seine Kadergrösse einschränken oder ihm die Verpflichtung neuer Spieler untersagen.

Das Finanzamt passt auf

Eine abenteuerliche Option geht nun so: Der Fonds «Oryx Qatar Sports Investments», über den der Emir von Katar den Verein führt, kauft die Werberechte an Neymar, damit der Star den Weltmeisterschaften am Golf 2022 sein ­Gesicht leiht. Für genau 222 Millionen Euro. Mit dem Geld, so der Plan, könnte Neymar sich dann selber von Barça loskaufen. Ein Trick und leicht durchschaubar. Ausserdem besteht die Gefahr, dass das französische Finanzamt den Betrag als Lohn taxiert und auch so besteuert.

Hohe Abgaben würden aber gemäss französischem Gesetz auch dann anfallen, wenn der Verein die Klausel ­begleicht; der Wechsel würde nicht 222 Millionen Euro kosten, sondern eher 300 Millionen. Möglich wäre ­deshalb, dass PSG versuchen wird, mit Barça zu verhandeln. Die Pariser könnten den Katalanen etwas mehr Geld ­anbieten, als handle es sich um einen einvernehmlichen Transfer – vielleicht 250 Millionen Euro oder 150 Millionen und den einen oder anderen Spieler aus ihrem Kader, zum Beispiel den Argentinier Ángel Di María oder den hoch ­geschätzten Italiener Marco Verratti.

Nur, bisher kam in diesem Sommerstück nie der Verdacht auf, als suchten die beiden Vereine Einvernehmliches.

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