Yakins Standpunkt

«Derdiyok ist kein Drückeberger»

Hakan Yakin begleitet als Kolumnist für Tagesanzeiger.ch/Newsnet die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft. Vor dem heutigen Test in Kroatien geht es auch um die Absage von Eren Derdiyok.

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Die Frage stellt sich immer wieder: Was ist eigentlich Sinn und Zweck von Testländerspielen wie dem heutigen in Split gegen die Kroaten? Ich hatte vor solchen Zusammenzügen manchmal auch gemischte Gefühle. Doch im Endeffekt haben diese Tests dann fast immer einiges bewirkt und wertvolle Erkenntnisse gebracht. Das Allerwichtigste ist aber, was die Spieler für eine Einstellung an den Tag legen, welche Eigenmotivation sie mitbringen. Und ich denke, dass ein Profifussballer die Pflicht hat, auch in einem sogenannten Freundschaftsspiel alle Kräfte zu mobilisieren.

Und das fängt schon in der Vorbereitung an. Vor einem Test ist die Mannschaft üblicherweise drei Tage zusammen. Wenn man diese Zeit sinnvoll nutzt, in den Trainings die Automatismen trainiert und den Fokus auf stehende Bälle und die Taktik legt, dann können alle von diesen Zusammenzügen nur profitieren. Natürlich ist der Zeitpunkt für diesen Test in Kroatien unglücklich und keine leichte Aufgabe für Trainer Ottmar Hitzfeld. Diejenigen Spieler, die beispielsweise in Italien, der deutschen Bundesliga oder England engagiert sind, stecken mit ihren Clubs mitten in einer harten Saisonvorbereitung. Da mangelt es an Spielpraxis und die Beine sind bleischwer. Das sind natürlich keine guten Voraussetzungen für ein Länderspiel. Man muss aber auch sagen, dass Ähnliches auch für die Kroaten gilt. Torjäger Mario Mandzukic ist ja Teamkollege von Xherdan Shaqiri bei den Bayern. Und die stecken auch mitten in der Saisonvorbereitung.

Derdiyok ist ein Mensch, der polarisiert

Vor Länderspielen, insbesondere vor Tests, gibt es manchmal auch mehr Absagen als vor Ernstkämpfen. Diesmal haben Verteidiger Tim Klose von Nürnberg und Stürmer Eren Derdiyok von Hoffenheim wegen muskulärer Probleme Forfait erklärt. Ich bin mir schon bewusst, dass vor allem die Absage von Eren Derdiyok für Gesprächsstoff sorgt. Eren ist ein Mensch, der polarisiert. Seine Körpersprache auf dem Rasen wird ihm oft als Arroganz ausgelegt.

Doch ich kenne Eren sehr gut. Er ist weder ein Selbstdarsteller noch ein Drückeberger. Er ist sehr ehrgeizig und durchaus auch ein selbstkritischer Mensch. Wenn er mal die Hände verwirft und einen bösen Blick hat, dann nur deshalb, weil er sich über sich selbst ärgert. Wenn sich ein Spieler wie Eren Derdiyok verletzt abmeldet, dann hat er seine plausiblen Gründe. Muskuläre Probleme sind in einer schweren Vorbereitung, die er jetzt in Hoffenheim hat, im Übrigen nicht selten. Das weiss ich aus eigener Erfahrung. Wenn Eren Derdiyok sich nicht fit fühlt, ist er gegenüber der Nationalmannschaft und gegenüber seinem Verein, der ihn schliesslich ja bezahlt, geradezu verpflichtet, dies ehrlich zu kommunizieren.

Mehmedi ersetzt Derdiyok als einzige Sturmspitze

Wenn Eren physisch nicht hundertprozentig fit ist, dann ist er auch im Kopf nicht bereit und bringt der Nationalmannschaft nichts. Seine Ehrlichkeit eröffnet jetzt einem anderen Spieler die grosse Chance, sich zu beweisen. Ich denke, dass heute gegen die Kroaten Admir Mehmedi von Dynamo Kiev als einzige Spitze für Derdiyok auflaufen wird. Im Tor erwarte ich Benaglio. Die Abwehr werden Rodriguez, von Bergen, Djourou und Lichtsteiner bilden. Das defensive Mittelfeld ordnen die beiden Napoli-Spieler Inler und Dzemaili. Im Zentrum spielt Xhaka und über die Seiten kommen Barnetta (links) und Shaqiri (rechts). Und die einzige Spitze bildet wie gesagt Mehmedi.

Erstellt: 14.11.2011, 13:16 Uhr

Kroatien - Schweiz

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