Dickie (84) will weiterspielen

Ein Film wie ein Bewerbungsvideo: «The Tank» suchte einen neuen Fussballclub.

Der Ball ist seine Passion: Dickie Borthwick, der älteste Fussballspieler Englands. (Bild Youtube)

Der Ball ist seine Passion: Dickie Borthwick, der älteste Fussballspieler Englands. (Bild Youtube)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Dickie Borthwick ist Engländer, er wohnt wieder in Weymouth, einer Küstenstadt im Südwesten der Insel. Auf Youtube gibt es einen Film über ihn, zehn Minuten lang. Er handelt von seinem Traum, Fussballer zu sein, genauer: nochmals irgendwo zu spielen.

Dickie sitzt zu Hause auf dem Sofa und erzählt. Als Kind spielte er jeden Tag mit einem Tennisball, deshalb sei seine Technik gut. Er besucht seinen Ort der Jugend. Er, jetzt zurück in der Gegenwart, schiesst in seinem Garten mit dem grossen Ball auf eine Holzwand. Er geht, in einer nächsten Szene, in ein kleines Stadion, man sieht, wie er auf den Rasen blickt, mit Sehnsucht in den Augen. Dann sitzt er auf der Auswechselbank, in kurzen Hosen und hellblauem Leibchen, zieht seine Socken hoch, geht hinaus, er rennt, gemächlich, schiesst, in perfekter Haltung, köpfelt, entschlossen. Zuletzt winkt er, wehmütig, zur kleinen Tribüne, es hat dort keine Zuschauer.

Es ist eigentlich ein Bewerbungsvideo. Er sucht einen neuen Club.

Dickie Borthwick, weisses Haar, ist kürzlich 84 geworden, hat das Geburtsdatum 14. November 1935, er sei der älteste Fussballer Englands heisst es. Der Ball ist seine Passion, war es damals, mit 6, blieb es bis heute, 78 Jahre später. Er sagt, er habe 1600 Spiele gespielt, über 400 Tore geschossen, sie nennen ihn «The Tank». Die Welt, die davon erfahren hat, blieb klein, es gab nie Schlagzeilen, er spielte in lokalen Vereinen der schottischen und englischen Liga. Sein Highlight: Einmal erzielte er einen Hattrick, drei Tore, er war damals 64.

Aber Dickie Borthwick hat ein grosses Problem. Seine letzte Mannschaft wurde aufgelöst, einige Mitspieler sind gestorben, andere konnten nicht mehr. Deshalb sucht er einen neuen Verein, es gäbe ein paar Angebote, eines auch aus Malta, er könne sich vorstellen, dorthin zu gehen und gleich Ferien zu machen.

Das alles erzählt er im Film. Borthwick ist auf Facebook, sehr agil auch dort, er postet Bilder, wie er in einem Pub am Klavier sitzt, Musik ist seine andere Leidenschaft. Hat er nun einen neuen Club? Er antwortet schnell auf das Mail. Er habe einen lokalen Club gefunden, AFC Smugglers heisst er – aber: «Only as a substitute player. Coming on for 15 minutes at the end.» Das ist nicht das, was er sich vorstellt, Ersatzspieler für die letzte Viertelstunde. Er glaubt, er könne noch 90 Minuten durchhalten. Sagt aber auch: Er wisse, das «Game over» komme, dann seien halt nützliche Sachen auf dem Rasen nicht mehr möglich.

Erstellt: 15.01.2020, 08:07 Uhr

Artikel zum Thema

Whatsapp-Gruppe mit Petkovic

Kolumne Der Versuch scheiterte, weil Goalie Yann Sommer die Medien einbeziehen wollte. Mehr...

Lasst sie doch spielen

Kolumne Die Schönheit aus dem Moment – «La Grande Bellezza» mit Messi, Ronaldo und Zidane Mehr...

Fritz, der lachte immer

Kolumne Was von FCZ-Stürmerlegende Fritz Künzli am meisten in Erinnerung bleiben wird. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Kunst-Blumen: Zum Valentinstag schenkt Banksy der Stadt Bristol eine neues Werk. Das Blumen werfende Mädchen schmückt eine Wand im Stadtteil Barton Hill. (14. Februar 2020)
(Bild: Finnbarr Webster) Mehr...