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Die australische Revolte gegen Blatter

In Australien ist der Tatsachenentscheid relativiert worden. Ein Gremium korrigiert mit Hilfe von TV-Bildern nachträglich Fehler der Schiedsrichter – und stösst damit die Fifa vor den Kopf.

Fliegen lohnt sich nicht: Michael Baird wurde für diese Schwalbe gesperrt.

Es passierte weit weg von der grossen Bühne des Fussballs: Perth Glory glich gegen Melbourne Heart in der Nachspielzeit per Penalty zum 2:2 aus. Allerdings hängt diesem der Makel an, dass er fälschlicherweise gepfiffen worden war. Michael Baird hatte sich ohne grosse äussere Einwirkung hingelegt, der Schiedsrichter war auf die Schwalbe hereingefallen. Robbie Fowler hatte den Penalty verwertet.

Doch der australische Fussballverband (FFA) hat für genau solche Fälle ein sogenanntes «Match Review Panel» eingerichtet. Das Gremium mit dem früheren Schiedsrichter Simon Micallef und dem ehemaligen Nationalspieler Alan Davidson soll, darf und muss solche kontroverse Fälle anhand der TV-Bilder eingehend untersuchen und beurteilen.

Schon früher Sperren wegen TV-Bildern

Deshalb wurde Baird für seine unsportliche Flugeinlage ohne gegnerische Starthilfe für zwei Spiele gesperrt. Und ebenfalls in der letzten Woche verhängte das Panel eine Spielsperre gegen den argentinischen Spielmacher Patricio Perez, der auch den Penalty selber verwertet hatte. Im Gegenzug wurde die rote Karte gegen Torhüter Liam Reddy, der Perez eben nicht zu Fall gebracht hatte, wieder aufgehoben.

Damit begeht die FFA mehr oder weniger neue Wege. Nachträgliche Sperren für Handspiele und Schwalben sind auch aus der deutschen Bundesliga schon bekannt, als «Videobeweis» auf dem Fifa-Globus noch nicht zum Unwort verteufelt worden war. Andreas Möller wurde einst für zwei Wochen gesperrt, weil er sich hingelegt hatte – und Oliver Neuville für ein Handstor für zwei Spiele.

«...dann muss man für Schwalben Rot geben»

Der Fifa passt dies nicht, das betonte ihr Präsident Josef Blatter auch jüngst während der WM immer wieder. Die vom Fifa-Präsidenten beschworene romantische Note und die ewigen Stammtischdiskussionen sollten nicht durch den Videobeweis vermindert werden. «Es ist nicht korrekt, dass die Fifa den Einsatz von technischen Hilfsmitteln erlaubt hätte, um Spieler nachträglich zu sperren, die sich des Simulierens schuldig gemacht haben», teilte der Weltverband auf eine entsprechende Anfrage der «Süddeutschen Zeitung» mit.

Das Vorgehen der Australier löst im Fifa-Hauptsitz auf dem Zürichberg kaum Jubelgeschrei aus. Und die «Süddeutsche» hat noch einen weiteren Kritiker ausgemacht. Der DFB-Schiedsrichterchef Lutz Wagner meint: «Wenn, dann müssen wir das grundlegend machen. Dann muss man für Schwalben auch auf dem Platz Rot geben dürfen.» Gemeint ist die Tatsache, dass der Schiedsrichter einen fliegenden Profi nur mit einer gelben Karte bestrafen darf, wird die Flugeinlage aber erst später dank Fernseh-Bilder entlarvt, gelten für die TV-Richter andere Regeln als für die Referees.

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