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Die Bayern basteln sich eine Innenverteidigung

Die Münchner gehen am Dienstag mit einem 1:2 ins Rückspiel gegen Real. Und suchen noch eine Lösung fürs Abwehrzentrum.

Hat Adduktorenprobleme und offenbarte schon im Hinspiel Probleme: Bayerns Jérôme Boateng (rechts) gegen Real-Madrid-Stürmer Karim Benzema.
Hat Adduktorenprobleme und offenbarte schon im Hinspiel Probleme: Bayerns Jérôme Boateng (rechts) gegen Real-Madrid-Stürmer Karim Benzema.
Keystone

Zu den ungelösten Problemen des Fussballsports zählt bekanntlich, dass es immer noch kein Trainer geschafft hat, sich Spieler zu schnitzen. Der deutsche Nationaltrainer Joachim Löw hatte es einst mit Hammer und Feile versucht, aber letztlich musste sich auch der spätere Weltmeistercoach vorübergehend mit einem Aussenverteidiger namens Marcel Schmelzer zufrieden geben. Aussenverteidiger, so viel sei positiv vermerkt, gibt es beim FC Bayern genug, die Reise nach Madrid zum Rückspiel des Viertelfinals in der Champions League treten sogar vier gesunde Vertreter dieser Spezies an.

Rafinha, Philipp Lahm, Juan Bernat und David Alaba zeichnen sich allesamt durch ein herausragendes Merkmal aus: Sie sind gesund, ja sogar einsatzfähig. Das Problem der Münchner ist: Das lässt sich bei weitem nicht über alle im Kader sagen. Zum unglücklichsten Zeitpunkt greift bei Ancelottis Team die Seuche um sich, weshalb wie schon beim 1:2 im Hinspiel Tüfteleien nötig sind. Weil keiner der oben genannten ein TÜV-geprüfter Innenverteidiger ist und weil Javi Martinez nach seiner gelb-roten Karte gesperrt fehlt, bleiben für Dienstagabend nur Mats Hummels und Jérôme Boateng als Option.

Doch wie sich an diesem Wochenende herausstellte, zwickts auch die beiden noch in den Beinen. Hummels kreiselte am Sonntag ein wenig über den Trainingsplatz, er kann nach Augenzeugenberichten immerhin laufen, verschwand aber nach handgestoppten 25 Minuten (Bild-Zeitung) wieder in der Kabine. Ob er seine Sprunggelenkverletzung bis zum Treffen mit den Königlichen im Bernabéu auskuriert hat, ist fraglich.

Erfindet Ancelotti jetzt Innenverteidiger Alonso?

Bei Boateng scheinen Adduktorenprobleme, die ihn seit dem Hinspiel plagen, nur das eine Problem zu sein. Das andere ist, dass er nach seiner langen Verletzungspause im Winter derzeit insgesamt noch etwas schlapp herumschlurft. Der Muskelberg ist aktuell eher keiner, an dem sich die anderen aufrichten können. Sollten beide Nationalspieler nicht zeitig heile Knochen kriegen, würden sich zwei Varianten ergeben: Entweder Ancelotti behilft sich mit dem Not-Riegel Alaba/Kimmich - oder er erfindet kurzerhand den Innenverteidiger Xabi Alonso, 35. Zuzutrauen wäre es dem Italiener, der bisher nicht als ausgesprochener Förderer Kimmichs, 22, aufgefallen ist und er zudem ja ein Faible für Erfahrung hat.

«Es wird schwierig, aber wir sind nach wie vor selbstbewusst und werden für das Spiel am Dienstag unser Bestes geben», kündigte Ancelotti nach dem 0:0 in Leverkusen an. Immerhin: Bei Robert Lewandowski sieht es nach seiner Schulterverletzung gut aus. Der bei den Bayern schwerstens vermisste Pole trainierte an Ostern erstmals wieder mit den Teamkollegen. «Es geht mir gut. Ich bin sehr zufrieden, dass ich heute im Training dabei sein konnte. Alles ist okay», sagte er. Doch bevor jetzt aus Bayern-Sicht das Wort «Rumpftruppe» die Runde macht, sei an die Situation bei Real Madrid erinnert.

Pepe, Varane, Bale - auch Real hat Sorgen

Die Spanier gehen zwar mit erheblichem Ergebnis-Vorteil ins Spiel, aber auch bei ihnen haben sich mittlerweile drei Promis im Lazarett eingefunden: Wie in München werden erneut die beiden Innenverteidiger Pepe und Raphaël Varane fehlen, dazu gesellte sich nach aktuellen Auskünften am Sonntag noch Flügelsauser Gareth Bale. Der Waliser, dessen Geschwindigkeit die Bayern bei Kontern durchaus zu fürchten hatten, klagt immer noch über muskuläre Probleme in der Wade - Einsatz gegen die Bayern ausgeschlossen. Schliesslich steht für die Königlichen am kommenden Sonntag der Clásico gegen Barcelona an, in dem sich Real fast schon La Liga krallen kann.

«Wir müssen uns Gedanken machen und gut erholen», hatte Trainer Zinedine Zidane nach dem 3:2 im Ligaspiel in Gijon am Samstag gesagt. Doch genau das - ausruhen, Kräfte sammeln, Wunden lecken - hatten die meisten seiner Stammkandidaten ja schon getan. Gegen den Abstiegskandidaten Gijon stand Cristiano Ronaldo nach seinen leichten Fusszwickereien beim Schlusspfiff des Hinspiels gegen die Bayern ebenso wie Karim Benzema gar nicht erst im Kader. Zudem sassen Toni Kroos und Luka Modric 90 Minuten nur auf der Ersatzbank. Überhaupt konnte sich Zidane den Luxus erlauben, alle bis auf seine Innenverteidiger Sergio Ramos und Nacho zu schonen - sogar Goalie Keylor Navas.

Isco und das Playstation-Tor

Wer anstelle von Bale auf der rechten Offensivseite Bayerns Aussenverteidiger Alaba oder Bernat piesacken darf, wird Zidane noch abwägen. Gegen Gijon brillierte Mittelfeldwusler Isco mit zwei Toren - eines davon per Playstation-Solo.

In der Schlussphase von München hatte sich auch der Mallorquiner Marco Asensio mit feinster Technik und einer Vorlage zu Ronaldos 2:1 in den Vordergrund gespielt. Mateo Kovacic oder Lucas Vazquez (der gegen Gijon mit einem Wutanfall auf der Bank auffiel), dürften eher nicht in Frage kommen. «Mit unserem Team», erklärte Zidane schliesslich noch, «können wir jeder Mannschaft Schaden zufügen». Vor allem einer geschwächten wie dem FC Bayern.

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