«Die beste Pleite des Jahres»

Nächste Niederlage und den Abstieg vor Augen: Dennoch sehen die Deutschen nach dem 1:2 der Löw-Elf gegen Frankreich einen Hoffnungsschimmer.

Der Anfang der Niederlage: Antoine Griezmann trifft mit einem herrlichen Kopfball zum 1:1. Video: Tamedia/SRF

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Diese Schönrederei ging vielen in Deutschland mächtig auf die Nerven. Nach dem 0:3 in Amsterdam gegen Holland sagte Mats Hummels: «Wir haben ein Spiel verloren, das wir hätten gewinnen müssen. Jetzt stehen wir da und haben 0:3 verloren, dafür werden wir auf die Fresse kriegen.» Und: «Ich finde nicht, dass man uns jetzt viel vorwerfen kann.»

Abgesehen vom desaströsen Resultat waren es auch diese Aussagen, die dazu führten, dass vor allem der deutsche Innenverteidiger von Medien und Fans noch heftiger auf die Fresse kriegte – um es in seinen Worten auszudrücken. Viele beurteilten die Nations-League-Partie gegen Frankreich als Schicksalsspiel für Bundestrainer Joachim Löw. Doch nach dem gestrigen 1:2 in Paris verzichteten die Leitmedien, weiter auf ihr Team einzuprügeln.

Zu engagiert spielte Deutschland, zu sehr kam Löw den bundesweiten Forderungen nach, das Team umzubauen – insbesondere zu verjüngen. So stellte er in der Defensive auf eine Dreierkette um, vorne wirbelten mit Timo Werner, Serge Gnabry und Leroy Sané drei junge, schnelle Offensivspieler. Insbesondere in der ersten Halbzeit waren die Deutschen besser, die 1:0-Führung zur Pause mehr als verdient.

Deutschland geht dank Handspenalty in Führung. Video: Tamedia/SRF

Trotz zweier Tore von Antoine Griezmann, der Siegtreffer in der 80. Minute fiel nach einem umstrittenen Penalty, musste die «Bild» anerkennen: «Schade! Das war die beste Pleite des Jahres.» Für das Boulevard-Blatt überwiegen die positiven Dinge: «Endlich beweist der Bundestrainer Mut.»

Der umstrittene Penalty für Frankreich. Video: Tamedia/SRF

Auch die «Welt» glaubt, dass sich Löw trotz der Niederlage eine Atempause verschafft hat: «Das unglückliche 1:2 gegen den Weltmeister Frankreich hat für die deutsche Elf positive Erkenntnisse gebracht: Löws taktischer und personeller Plan ging auf.» Deutschland sei lange auf Augenhöhe mit der besten Mannschaft der Welt gewesen.

Ähnlich sehen es die Schreiber vom «Spiegel», wenn auch etwas nüchterner: «Mut ohne Ertrag.» Löw sei immerhin in der ersten Hälfte belohnt worden: «Sané unterliefen zwar einige Fehlpässe, dennoch zeigte er, wie sehr er das Offensivspiel mit seinem Tempo beleben kann. Auch Schulz zeigte auf der linken Abwehrseite gute Ansätze. Die vielen Wechsel zeigten Wirkung.»

Es droht die Schmach

Für die «Süddeutsche Zeitung» ist die Leistung der Deutschen immerhin ein winziger Blick in eine bessere Zukunft: «Besser spät als nie: Gegen Frankreich belebt Bundestrainer Löw das zuletzt behäbige Spiel der DFB-Elf mit fünf neuen Akteuren – trotzdem geht auch diese Partie in der Nations League verloren.» Dann kommt, was nach der sechsten Niederlage in einem Kalenderjahr kommen muss: «Der Abstieg droht.» Und den haben sie nicht mal mehr in den eigenen Händen. Gewinnt Holland am 16. November gegen Frankreich, spielt Deutschland künftig in Division B der Nations League. Falls nicht, braucht Deutschland drei Tage später im Heimspiel gegen Holland einen Sieg, den Abstieg zu verhindern. (fas)

Erstellt: 17.10.2018, 09:33 Uhr

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