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Die Demontage eines Heilsbringers

Er war für Grosses vorgesehen, zuletzt herrschte nur noch Chaos: Wie sich GC mit Murat Yakin bös verkalkulierte.

Thomas Schifferle
Ist nicht mehr GC-Trainer: Murat Yakin.
Ist nicht mehr GC-Trainer: Murat Yakin.
Keystone
Zu Beginn stimmten auch die Resultate. Yakin ritt auf einer Erfolgswelle.
Zu Beginn stimmten auch die Resultate. Yakin ritt auf einer Erfolgswelle.
Keystone
Im Januar wurde der 43-Jährige sogar zum Schweizer Trainer des Jahres gewählt.
Im Januar wurde der 43-Jährige sogar zum Schweizer Trainer des Jahres gewählt.
Keystone
Doch dann begannen die Probleme. Wegen einer Ausfälligkeit wurde Yakin für drei Spiele gesperrt.
Doch dann begannen die Probleme. Wegen einer Ausfälligkeit wurde Yakin für drei Spiele gesperrt.
Keystone
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Das ist es also schon gewesen. GC und Murat Yakin trennen sich. Wer die Entwicklung der letzten vier Wochen verfolgt hat, für den ist das aber nur eines: eine Vollzugsmeldung.

Vor sieben Monaten wurde Yakin von GC noch als Hoffnungsträger begrüsst, als Heilsbringer gar, als sei nur er fähig, den Club zu altem Glanz zu verhelfen. Präsident, Geschäftsführer, Sportchef – alle malten an diesem Bild.

Als Yakin zwei Monate im Amt war, wurde Mathias Walther in einem Interview gefragt, ob er nicht fürchte, dass die Figur Yakin zu gross und zu dominant werde. Der Sportchef antwortete: «Diese Figur soll so gross und dominant werden wie möglich. Das dient uns nur. Muri ist keine Person, die ihre Macht missbraucht. Er gibt der Mannschaft Ruhe, er gibt dem ganzen Verein Ruhe.»

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Video: Er kam als Heilsbringer

«Begeisterung und Spielfreude vermitteln»: Das sagte Murat Yakin am 25. August 2017 als er vom Club als neuer Coach vorgestellt wurde. Video: Lea Koch und Fabian Sanginés

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Inzwischen hat sich ein ganz anderes Bild verfestigt: das von Yakin, der die Kälte des Machtmenschen hat. Der die Spieler schonungslos aussortiert, die ihm nicht passen. Viele wurden über den Winter Opfer seiner Personalpolitik, Runar Mar Sigurjonsson und Milan Vilotic begannen laut zurückzuschlagen, sie warfen Yakin «Kindergartenspiele» oder «schamlose Spielchen» vor. Der Trainer wiederum verlor die Fassung am Spielfeldrand, als er den Schiedsrichter beleidigte, oder an einer Pressekonferenz, als er gleich seine ganze Mannschaft blossstellte.

Eine Mannschft in Abstiegsform

Zu Yakins Pech und Problem wurde, dass er zwar nach mehr Macht griff, aber die Resultate mit der neuen Mannschaft immer schlechter wurden. In den neun Spielen seit der Winterpause gewann sie nur acht Punkte. Das ist Abstiegsform. Das überrascht nicht, wer Spieler wie Kapic, Taipi oder Lika sieht, die Yakin so unbedingt wollte.

Yakins Demontage begann mit dem Tag der Suspendierung von Roland Klein als Vizepräsident Anfang März. Tag für Tag zeigte sich, dass Yakin am liebsten nur einen akzeptierte: sich selbst. Und es zeigte sich, dass der Verein nicht gefestigt genug ist, um einen wie ihn als Trainer auszuhalten – so wie das früher der FC Basel unter Bernhard Heusler konnte.

Der Irrtum mit Vogel

Ende letzten Jahres glaubte Stephan Anliker den Club auf einem sehr guten Weg, als er zusammen mit Peter Stüber und Heinz Spross 90 Prozent der Aktien übernahm. Er glaubte auch, er könne das Know-how von Erich Vogel, dem Vertrauten von Spross, zum Wohl von GC nutzen. Inzwischen weiss er, wie sehr er sich bei Vogel geirrt hat. Es ist nicht sein erster Irrtum in Personalfragen.

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Bilder: Die Trainerkandidaten

Nach wie vor ein begehrter Job in Niederhasli: Urs Meier steht bei GC hoch im Kurs.
Nach wie vor ein begehrter Job in Niederhasli: Urs Meier steht bei GC hoch im Kurs.
Ennio Leanza, Keystone
Trotz der Entlassung durch Sion-Präsident Christian Constantin geniesst Peter Zeidler (M.) in der Schweiz einen guten Ruf.
Trotz der Entlassung durch Sion-Präsident Christian Constantin geniesst Peter Zeidler (M.) in der Schweiz einen guten Ruf.
Keystone
René Weiler ist auf dem Markt, gilt aber auch als Trainer, der auf seine eigene Meinung beharrt. Dass er sich den Job angesichts der Verhältnisse im Verein antut, ist allerdings nicht sehr wahrscheinlich.
René Weiler ist auf dem Markt, gilt aber auch als Trainer, der auf seine eigene Meinung beharrt. Dass er sich den Job angesichts der Verhältnisse im Verein antut, ist allerdings nicht sehr wahrscheinlich.
Andreas Gebert, Keystone
Marcel Koller war schon Spieler und Trainer bei den Zürchern. Kehrt der Schwamendinger zu seinen Wurzeln zurück?
Marcel Koller war schon Spieler und Trainer bei den Zürchern. Kehrt der Schwamendinger zu seinen Wurzeln zurück?
Robert Jäger, Keystone
Ebenfalls auf dem Trainermarkt zu haben wäre Urs Fischer, eine FCZ-Legende, die in Basel Triumphe gefeiert hat.
Ebenfalls auf dem Trainermarkt zu haben wäre Urs Fischer, eine FCZ-Legende, die in Basel Triumphe gefeiert hat.
Salvatore Di Nolfi, Keystone
Thorsten Fink ist zuletzt in Wien nicht glücklich geworden. Würde er es bei GC?
Thorsten Fink ist zuletzt in Wien nicht glücklich geworden. Würde er es bei GC?
Herbert P. Oczeret, Keystone
GC-Ausbildungschef Boro Kuzmanovic hat man schon als interimistischen Nachfolger von Murat Yakin erwartet, genau so wie...
GC-Ausbildungschef Boro Kuzmanovic hat man schon als interimistischen Nachfolger von Murat Yakin erwartet, genau so wie...
Laurent Gillieron, Keystone
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Die Trennung von Yakin heisst für GC und für Anliker aber nicht, dass gleich alles wieder gut wird. Noch immer muss er daran arbeiten, den Einfluss von Vogel zu unterbinden. Offenbar versucht er, Spross davon zu überzeugen, seine Aktien abzutreten. Es ist die viel heiklere Mission als nur einen Trainer abzusetzen. Denn hinter Spross steht Vogel. Und der verliert nicht gerne.

GC verzichtet übrigens darauf, an einer Pressekonferenz Stellung zur Entwicklung zu nehmen. Anliker verabschiedet Yakin in einem Communiqué mit drei trockenen Zeilen. Auch die Kommunikation ist bei GC auf Abstiegsniveau.

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Bilder: Die GC-Trainer seit Ottmar Hitzfeld

Ottmar Hitzfeld: (1989–1991) Der deutsche Erfolgstrainer führte GC zu zwei Meistertitel und einem Cupsieg, bevor er sich in die Bundesliga zu Borussia Dortmund verabschiedete.
Ottmar Hitzfeld: (1989–1991) Der deutsche Erfolgstrainer führte GC zu zwei Meistertitel und einem Cupsieg, bevor er sich in die Bundesliga zu Borussia Dortmund verabschiedete.
Keystone
Leo Beenhakker: (1992–1993) Mit dem Holländer gelang im Uefa-Cup ein Sieg gegen Sporting Lissabon. In der Meisterschaft lief es hingegen so schlecht, dass GC sogar die Abstiegsrunde bestreiten musste.
Leo Beenhakker: (1992–1993) Mit dem Holländer gelang im Uefa-Cup ein Sieg gegen Sporting Lissabon. In der Meisterschaft lief es hingegen so schlecht, dass GC sogar die Abstiegsrunde bestreiten musste.
Keystone
Christian Gross: (1993–1997) Im Sommer 1993 verpflichtete GC Christian Gross vom FC Wil und damit den Schweizer Erfolgstrainer schlechthin. Mit dem Höngger feierten die Grasshoppers zwei Meistertitel und einen Cupsieg und qualifizierten sich als erstes Schweizer Team für die neu geschaffene Champions League.
Christian Gross: (1993–1997) Im Sommer 1993 verpflichtete GC Christian Gross vom FC Wil und damit den Schweizer Erfolgstrainer schlechthin. Mit dem Höngger feierten die Grasshoppers zwei Meistertitel und einen Cupsieg und qualifizierten sich als erstes Schweizer Team für die neu geschaffene Champions League.
Keystone
Rolf Fringer: (1997–1999) Nach Gross' Abgang zu den Tottenham Hotspurs übernahm Rolf Fringer das Zepter. Nach dem 25. Meistertitel lief es allerdings nicht mehr rund. Zudem verschuldete sich der Club zunehmends.
Rolf Fringer: (1997–1999) Nach Gross' Abgang zu den Tottenham Hotspurs übernahm Rolf Fringer das Zepter. Nach dem 25. Meistertitel lief es allerdings nicht mehr rund. Zudem verschuldete sich der Club zunehmends.
Keystone
Roy Hodgson: (1999–2000) Der ehemalige Schweizer Nationalcoach konnte die Erwartungen nicht erfüllen und belegte mit dem Team am Saisonende den vierten Platz.
Roy Hodgson: (1999–2000) Der ehemalige Schweizer Nationalcoach konnte die Erwartungen nicht erfüllen und belegte mit dem Team am Saisonende den vierten Platz.
Keystone
Hanspeter Zaugg: Der Berner sollte eine neue Mannschaft aufbauen und machte dies mit Bravour. In der Winterpause wurden Spieler wie Papa Bouba Diop, Christoph Spycher und vor allem Richard Nuñez verpflichtet. Der Uruguayer schoss GC am Ende gegen St. Gallen zum 26. Meistertitel.
Hanspeter Zaugg: Der Berner sollte eine neue Mannschaft aufbauen und machte dies mit Bravour. In der Winterpause wurden Spieler wie Papa Bouba Diop, Christoph Spycher und vor allem Richard Nuñez verpflichtet. Der Uruguayer schoss GC am Ende gegen St. Gallen zum 26. Meistertitel.
Keystone
Marcel Koller: (2002–2003) Der langjährige, ehemalige Captain von GC übernahm die Mannschaft im Winter 2002 und führte sie in der Saison 2002/2003 zum 27. und bislang letzten Meistertitel.
Marcel Koller: (2002–2003) Der langjährige, ehemalige Captain von GC übernahm die Mannschaft im Winter 2002 und führte sie in der Saison 2002/2003 zum 27. und bislang letzten Meistertitel.
Keystone
Alain Geiger: (2004) Das Highlight unter dem Romand war der Cup-Halbfinalsieg gegen den FC Zürich. Den Final verlor man allerdings gegen den FC Wil.
Alain Geiger: (2004) Das Highlight unter dem Romand war der Cup-Halbfinalsieg gegen den FC Zürich. Den Final verlor man allerdings gegen den FC Wil.
Keystone
Hanspeter Latour: (2005, 2007–2009) Der Berner war gleich zweimal Trainer bei den Zürchern. 2005 von Thun verpflichtet, schaute am Ende der Saison der dritte Platz und die damit einhergehende Uefa-Cup-Qualifikation heraus. Nach seinem Abstecher zum FC Köln kehrte Latour 2007 und klassierte sich mit der Mannschaft zweimal hintereinander auf dem 4. Rang.
Hanspeter Latour: (2005, 2007–2009) Der Berner war gleich zweimal Trainer bei den Zürchern. 2005 von Thun verpflichtet, schaute am Ende der Saison der dritte Platz und die damit einhergehende Uefa-Cup-Qualifikation heraus. Nach seinem Abstecher zum FC Köln kehrte Latour 2007 und klassierte sich mit der Mannschaft zweimal hintereinander auf dem 4. Rang.
Keystone
Krassimir Balakov: (2006–2007) Zwischen den Latour-Jahren besetzte der Bulgare die GC-Trainerbank. Der Erfolg war mässig – der 6. Platz war es am Ende der Saison.
Krassimir Balakov: (2006–2007) Zwischen den Latour-Jahren besetzte der Bulgare die GC-Trainerbank. Der Erfolg war mässig – der 6. Platz war es am Ende der Saison.
Keystone
Ciriaco Sforza: (2009–2012) Die Jahre unter dem ehemaligen Spieler waren wechselhaft. In seiner ersten Saison führte Sforza die Hoppers auf den dritten Platz. Nachhaltiger Erfolg blieb allerdings aus. 2012 trat Sforza schliesslich zurück.
Ciriaco Sforza: (2009–2012) Die Jahre unter dem ehemaligen Spieler waren wechselhaft. In seiner ersten Saison führte Sforza die Hoppers auf den dritten Platz. Nachhaltiger Erfolg blieb allerdings aus. 2012 trat Sforza schliesslich zurück.
Keystone
Uli Forte: (2012–2013) Mit Forte flackerte bei GC neue Hoffnung auf. Der zweite Platz in der Meisterschaft und der Cupsieg waren das Resultat einer erfolgreichen Saison. Aus Sicht von GC muss man sagen zu erfolgreich – Forte wurde anschliessend von YB abgeworben.
Uli Forte: (2012–2013) Mit Forte flackerte bei GC neue Hoffnung auf. Der zweite Platz in der Meisterschaft und der Cupsieg waren das Resultat einer erfolgreichen Saison. Aus Sicht von GC muss man sagen zu erfolgreich – Forte wurde anschliessend von YB abgeworben.
Keystone
Michael Skibbe (2013–2014): Der rhetorisch gewandte Deutsche übernahm in einem Umbruch. Mit Steven Zuber, Izet Hajrovic, Roman Bürki und Shkelzen Gashi verliessen gleich mehrere Leistungsträger den Club. Skibbe wechselte danach zum türkischen Erstligisten Eskisehirspor. GC lag damals auf dem 6. Tabellenplatz.
Michael Skibbe (2013–2014): Der rhetorisch gewandte Deutsche übernahm in einem Umbruch. Mit Steven Zuber, Izet Hajrovic, Roman Bürki und Shkelzen Gashi verliessen gleich mehrere Leistungsträger den Club. Skibbe wechselte danach zum türkischen Erstligisten Eskisehirspor. GC lag damals auf dem 6. Tabellenplatz.
Keystone
Pierluigi Tami (2015–2017): Mit der U-21-Nationalmannschaft hat der zurückhaltende Tessiner grosse Erfolge gefeiert. Auch bei GC leistete er über weite Strecken gute Arbeit, musste aber im März 2017 nach einer Serie von erfolglosen Spielen gehen.
Pierluigi Tami (2015–2017): Mit der U-21-Nationalmannschaft hat der zurückhaltende Tessiner grosse Erfolge gefeiert. Auch bei GC leistete er über weite Strecken gute Arbeit, musste aber im März 2017 nach einer Serie von erfolglosen Spielen gehen.
Keystone
Carlos Bernegger (März 2017 bis August 2017): Der impulsive Trainer war immer wieder Nachwuchs- und Interimstrainer bei GC. Etwas überraschend wurde er nach knapp einem halben Jahr schon wieder ersetzt.
Carlos Bernegger (März 2017 bis August 2017): Der impulsive Trainer war immer wieder Nachwuchs- und Interimstrainer bei GC. Etwas überraschend wurde er nach knapp einem halben Jahr schon wieder ersetzt.
Keystone
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