Die deutsche Angst vor dem Statusverlust

Bundesliga-CEO Christian Seifert fürchtet, von der französischen Ligue 1 überholt zu werden.

CEO Christian Seifert nimmt die Bundesliga-Clubs in die Pflicht.

CEO Christian Seifert nimmt die Bundesliga-Clubs in die Pflicht. Bild: Arne Dedert/Keystone

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Christian Seifert hat in seinem Leben weder ein Länderspiel noch ein Bundesligaspiel bestritten. Und gelegentlich bekommt der Chef der Deutschen Fussball Liga (DFL) das zu spüren, wenn er mit den Verantwortlichen der 36 im Ligaverband vereinten Bundesligaklubs zu tun hat.

Sie schätzen seinen wirtschaftlichen Sachverstand und sein Verhandlungsgeschick, sobald es gilt, den nächsten, noch grösseren Fernsehvertrag auszuhandeln; aber wenn es darum geht, über Fussball und die Strategien auf dem Rasen zu räsonieren, dann schaut mancher Clubfunktionär mit Profivergangenheit auf den 48 Jahre alten DFL-Geschäftsführer herab.

Das ärgert Seifert mittlerweile. Nicht weil er als langjähriger Anhänger von Borussia Mönchengladbach ein Mitspracherecht einfordert, sondern weil seiner Meinung nach die etwas eindimensionale Betrachtungsweise mancher Altvorderen einen generellen Missstand abbildet, der für die Entwicklung des deutschen Profifussballs bedrohlich werden könnte.

Seifert ist zu schlau und zu vorsichtig, um angesichts der nachlassenden Europacup-Ergebnisse und der monotonen Alleinherrschaft des FC Bayern von sportlichem Niveauverlust der Paradeliga zu sprechen. Doch wenn er dazu aufruft, die sportlichen Konzepte in den Nachwuchsleistungszentren ebenso wie im Alltagsgeschäft der Clubs grundsätzlich zu überdenken, dann ist die Botschaft unzweideutig.

«In Summe ist die Liga finanziell absolut gesund»

Am Donnerstag hat Seifert im Namen der DFL zunächst aber wieder Rekordzahlen für die beiden Profiligen verkündet, als er den Bundesliga-Report 2018 in Frankfurt vorstellte. In der Saison 2016/17 haben die Klubs mehr als vier Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet, mehr als je zuvor.

Ausser der englischen Premier League bewegt keine Klasse in Europa mehr Geld als die Bundesliga, die zweite Bundesliga ist im internationalen Vergleich sogar den kommerziell verwöhnten Engländern voraus, ihr Umsatz übertrifft jenen der italienischen Serie B sogar um das Doppelte. Darüber hinaus verstehen es die Vereine, mit dem Geld umzugehen.

16 der 18 Erstligisten haben im besagten Zeitraum nach Steuern eine Bilanz mit schwarzen Zahlen vorgelegt. Einer der beiden Ausreisser war wie üblich der notorische Hamburger SV. Der Anteil der Gehaltszahlungen an die Spieler (insgesamt fast 1,2 Milliarden Euro) beträgt rund 36 Prozent des Umsatzes, eine Kostenfaktor-Quote, die man in Spanien, Italien und England gern hätte.

«In Summe ist die Liga finanziell absolut gesund», erklärt Seifert. Dieser Feststellung fügt er allerdings noch eine spitze Bemerkung hinzu: «In den vergangenen Jahren ist es darum gegangen, diese sehr guten finanziellen Voraussetzungen zu schaffen. In den kommenden Jahren muss der Fokus lauten: Was machen wir eigentlich mit dem Geld, das wir zur Verfügung haben?»

«Man muss die Europa League endlich ernst nehmen»

Einen Anstoss zu prinzipiellen Ermahnungen hatte zuletzt schon Karl-Heinz Rummenigge gegeben, der Vorstandschef des FC Bayern München, als er darauf hinwies, dass die Bundesliga Gefahr liefe, in der Fünfjahreswertung der europäischen Fussball-Union Uefa von der französischen Liga überholt zu werden.

Dies könnte bedeuten, dass zwei der aktuell vier Startplätze für die Champions League verloren gingen. «Die Debatte wird völlig unterschätzt», pflichtete Seifert der Warnung Rummenigges bei, «sollte uns die französische Liga überholen, hätte das einen tief greifenden Einfluss auf den gesamten Wettbewerb.» Konkret hätte das zur Folge: Weniger Umsatz, weniger Ertrag, weniger internationale Konkurrenzfähigkeit, weniger Anziehungskraft auf internationale Stars - ein umfassender Statusverlust.

Seifert hob hervor, man könne Clubs wie dem SC Freiburg oder dem 1. FC Köln keine Vorwürfe machen, wenn diese wegen ihrer Schwierigkeiten in der heimischen Liga nicht die volle Konzentration auf das Geschäft in der Europa League verwendeten; dennoch kritisiert er eine Tendenz zur nachlässigen Einstellung der im kleineren Europacup vertretenen Klubs. «Es ist ein sportliches Problem», betonte er, «man muss die Europa League endlich ernst nehmen.»

In diesem Zusammenhang hält es Seifert für nebensächlich, dass die Premier League soeben einen weiteren Abschluss mit Fernsehsendern vorgelegt hat, der den Fussball auf der Insel auf Jahre hinaus finanziell bevorteilen wird. «Ich mag diese Abgrenzung nicht», sagte er, «wir sind die Liga mit dem zweithöchsten Umsatz». Die finanzielle Überlegenheit der Engländer als Argument für sportliche Unterlegenheit heranzuziehen, sei «eine Ausrede».

Erstellt: 16.02.2018, 17:03 Uhr

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