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Die Deutschen sind im EM-Freudentaumel

Die Vergabe der EM-Endrunde 2024 an Deutschland löst bei unseren Nachbarn eine Welle der Euphorie aus. Und die Türken machen die Faust im Sack.

Freude herrscht: Die «Bild» bringt dies nach der Vergabe der EM 2024 an Deutschland klar zum Ausdruck.
Freude herrscht: Die «Bild» bringt dies nach der Vergabe der EM 2024 an Deutschland klar zum Ausdruck.
Screenshot bild.de

Für viele Deutsche ist der 27. September 2018 ein grosser Tag. Nach dem frühzeitigen Aus ihres Nationalteams in der Gruppenphase an der WM in Russland kommt die Vergabe der EM 2026 an Deutschland einer Genugtuung gleich. Die Medien überbieten sich mit Schlagzeilen. «Jaaa! Wir haben die EM 2024», titelt die «Bild» online mit dem Vermerk «12:4 Stimmen! Wahlsieg gegen die Türkei». Für die ARD-Tagesschau ist dies eine «überraschend klare Entscheidung». Überraschend war der Ausgang der EM-Vergabe allerdings nicht.

Die «Frankfurter Allgemeine» sieht die «EM 2024 als Hoffnung auf den grossen Ruck», während die «Sächsische Zeitung» freudig vermeldet: «Deutschland bekommt die EM 2024». Die «Süddeutsche» fasst unter dem Motto «Wir wollen gemeinsam ein riesengrosses Fest mit ganz Europa feiern» erste Reaktionen von Sportlern, Verbandsfunktionären und Politikern zusammen. Der «Spiegel» bleibt auf dem Boden und bei seiner Überschrift ganz sachlich: «Fussball-EM 2024 findet in Deutschland statt». Und die «Rheinische Post» kommt in einem Kommentar zum Schluss: «Die Entscheidung für Deutschland war alternativlos».

Kritiker, die teils auch schon ihre Bedenken nach Bekanntgabe der Kandidatur äusserten, melden sich am Tag der Vergabe natürlich auch zu Wort. Vor allem die Verbindung zwischen Sport und Politik wird angeprangert. Insgesamt überwiegt allerdings die Freude, insbesondere bei den Verantwortlichen und prominenten Botschaftern des Deutschen Fussballbundes (DFB). Die Uefa-Präsentation in Nyon verfolgten Bundestrainer Joachim Löw und Philipp Lahm, der ehemalige Captain der Nationalmannschaft und künftige OK-Chef.

«Etwas Aussergewöhnliches für ein Land»

DFB-Präsident Reinhard Grindel bringt seine Freude auf Twitter zum Ausdruck: «Ich bedanke mich bei meinen Kollegen und Freunden aus dem UEFA-Exko für das unglaubliche Vertrauen. Es ist schön, dass wir einen guten Tag für Profis und Amateure in Deutschland erleben.»

Auch Philipp Lahm zeigt sich zufrieden:

«Die Mannschaft» ist entzückt:

Müller spornt Robben an

Auch Nationalspieler Thomas Müller versteckt seine Vorfreude nicht. In seinem im Car des FC Bayern München – unterwegs zum morgigen Bundesliga-Spiel gegen Hertha in Berlin – aufgenommenen Video meint er zu Teamkollege Arjen Robben: «Das wird unser letztes Turnier.» Worauf der Holländer lächelnd klarstellt: «Mein vorletztes.»

Der Arbeitgeber von Müller und Robben lässt die Allianz Arena zur Feier des Tages in entsprechenden Farben leuchten:

Ebenso vorbereitet waren die Verantwortlichen der Bundesliga, denn das ins Netz gestellte Video konnte ja nicht innert Kürze produziert werden:

Bundestrainer Löw, der 2024 möglicherweise schon 18 Jahre im Amt sein wird, hob hervor: «Ich glaube, dass so ein Turnier bei Spielern, die jetzt 16 bis 20 Jahre alt sind, eine grosse Motivation auslöst. Es ist ein guter Schritt für die nächsten Jahre. Alle können jetzt vorausplanen.» Die WM 2006 in Deutschland sei «eine grosse Party» gewesen. «Wir werden alles dafür tun, dass es 2024 genauso wird.»

Erdogan erlebt die Vergabe in Berlin

In der Türkei, wo bislang kein grosses Fussballturnier durchgeführt worden ist, macht sich indes Ernüchterung breit. Der türkische Verband war auch schon mit den Bewerbungen für die Europameisterschaften 2008, 2012 und 2016 gescheitert. Ob sich die europäisch-asiatische Nation mit rund 80 Millionen Einwohnern für weitere grossen Anlässe, möglicherweise auch für eine WM-Endrunde, bewerben wird, ist offen.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan verfolgte den Entscheid am Fernsehen in Berlin. Erdogan war für einen am Freitag beginnenden Staatsbesuch am Mittag in Berlin angekommen. Für den Nachmittag waren Gespräche mit türkischen Organisationen in der Botschaft und in einem Hotel vorgesehen.

Der türkische Sportminister Mehmet Muharrem Kasapoglu reagierte auf die EM-Vergabe mit Enttäuschung. Es sei «traurig» für die Uefa und die Europameisterschaft, sagte er vor den Medien. Die Türkei habe eine starke Bewerbung vorgelegt und besitze neue Stadien. «Wir haben als Land nichts verloren.»

Der in Köln ansässige deutsch-türkische Jurist Mustafa Yeneroglu, der auch der AKP angehört, zeigt sich versönlich:

Satirische Seitenhiebe

Für andere ist die EM-Vergabe ein gefundenes Fressen, um sich darüber lustig zu machen. Die ZDF-Satiresendung «Heute Show» weist beispielsweise darauf hin:

ZDF-Korrespondentin Nicole Diekmann legt sogleich nach:

Ein anderer Twitter-User kann darüber wohl weniger lachen:

Hin- und hergerissen

Manch eine/r ist gespalten:

Auch Denkanstösse sind im Netz zahlreich zu finden. Hier ein Beispiel:

Und ein zweites:

«Deutschland – Das nächste Kapitel»

Auf politischer Ebene erfolgten die Reaktionen ebenfalls prompt. Innenminister Horst Seehofer sagte: «Die Vergabe nach Deutschland ist ein toller Erfolg für ganz Sportdeutschland. Die deutsche Bewerbung hat mit ihrem weltoffenen und verlässlichen Ansatz überzeugt. Ich freue mich schon jetzt auf ein grosses und friedliches Fussballfest.»

Derweil sich Bundesaussenminister auf Twitter zitieren lässt:

Während Deutschland den EM-Zuschlag erhielt, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Tag der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin eine Rede gehalten. «Deutschland – Das nächste Kapitel» lautete das Motto der Veranstaltung sinnigerweise.

Übrigens: Das Auswärtige Amt scheint bereits zu wissen, wer der grosse Favorit auf den EM-Titel ist.

SDA/ddu

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