Die dunkle Vergangenheit des neuen Sauber-Trumpfs

Wegen eines schweren Unfalls stand die Karriere von Formel-1-Pilot Pascal Wehrlein lange unter einem schlechten Stern.

Pascal Wehrlein greift neu im Sauber an.

Pascal Wehrlein greift neu im Sauber an. Bild: Keystone

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Es war ein Schock. Für die Zuschauer, für die deutsche Fussballnationalmannschaft. Vor allem aber für ihn: Pascal Wehrlein, den neuen Fahrer für den Schweizer Formel-1-Rennstall Sauber.

Ende Mai 2014 besuchte der damals 19-jährige Deutsche zusammen mit Nico Rosberg das WM-Trainingscamp des DFB in Südtirol. Der Auftrag: Werbeaufnahmen für Mercedes zu drehen. Eine kleine Strasse wurde abgesperrt. Die beiden Piloten sollten mit ihren Mercedes C-Klasse, die vom Tuning-Spezialisten AMG auf 400 PS aufgemotzt wurden, 250 Stundenkilometer erreichen und von 0 auf 100 in 4,4 Sekunden beschleunigen, das Publikum begeistern und spektakuläre Bilder liefern. Sie wurden spektakulärer, als es sich die beiden gewünscht hatten.

Zwei Männer standen zu nahe an der Strecke, der vorausfahrende Rosberg konnte noch rechtzeitig abbremsen, Wehrlein nicht. Er fuhr die Zuschauer an, der eine verletzte sich dabei schwer. Erst zwei Monate nach dem Unfall erwachte der 63-Jährige aus dem Koma. Die Ermittlungen ergaben, dass der Teenager am Steuer, dessen Beifahrer Nationalspieler Julian Draxler war, die Hauptschuld am Unfall trägt. Trotzdem blieb ihm ein Prozess erspart, weil der Geschädigte keinen Strafantrag stellte. Das wäre nach italienischem Recht aber nötig gewesen.

Es war der Tiefpunkt in der damals noch jungen Karriere des am Bodensee aufgewachsenen Pascal Wehrlein. Er hat sich davon schnell erholt, es folgten Höhepunkte. Zum Beispiel im September 2014, als Wehrlein auf dem Autódromo Internacional Algarve im portugiesischen Portimão einen 2012er Mercedes AMG W03 testete und damit erstmals ein Formel-1-Auto. Über 500 Kilometer spulte er ab und löste damit gleich die Formel-1-Superlizenz (300 Kilometer). Zuvor war Wehrlein nur im Simulator von Mercedes aktiv gewesen: 12'000 Kilometer ist er mit dem virtuellen Formel-1-Boliden schon gefahren.

Der jüngste Sieger überhaupt

Es folgte das Qualifying zum DTM-Rennen auf dem Lausitzring: Wehrlein holte erstmals die Poleposition. Ein Tag später: dieses Rennen bei garstigen Bedingungen auf nasser Strecke. Wehrlein rutschte einmal von der Piste – und gewann trotzdem. Mit 19 Jahren und 332 Tagen ist er der jüngste Sieger dieser Rennserie überhaupt. Dario Franchitti, der zuvor diese Statistik angeführt hatte, war bei seinem ersten Triumph drei Jahre älter gewesen.

Den Lohn für diesen Exploit erhielt Wehrlein bald: Mercedes beförderte ihn zum offiziellen Ersatzfahrer im Formel-1-Team, 2016 bekam er ein Stammcockpit bei Manor, holte in Österreich überraschend einen Punkt und brachte damit Sauber in Nöte – ausgerechnet also seinen neuen Arbeitgeber, bei dem er nun einen Vertrag als Stammfahrer unterschrieb.

In Extremis, dank dem 9. Rang von Felipe Nasr beim vorletzten Rennen in Brasilien, überholte der Schweizer Rennstall Manor allerdings noch und kam damit zu den 20 Millionen Franken aus dem Einnahmetopf der Formel 1, auf die Manor noch dringender angewiesen gewesen wäre. Das Team steht vor dem Aus, Wehrlein dagegen vor einem Neuanfang.

Erstellt: 16.01.2017, 16:57 Uhr

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