Die eingekauften Demonstranten

Vor dem Hallenstadion unterstützte eine Gruppe von Männern Fifa-Kandidat Scheich Salman. Nun zeigt sich: Sie waren bezahlt.

«Die Fifa wird mit Salman sicher sein»: Demonstranten am Freitag morgen in Zürich. Foto: Michael Probst (AP/Keystone)

«Die Fifa wird mit Salman sicher sein»: Demonstranten am Freitag morgen in Zürich. Foto: Michael Probst (AP/Keystone)

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Als die Fifa-Delegierten in Oerlikon beim Hallenstadion ankamen, standen vor der Arena rund 20 Männer, die Schilder mit Pro-Salman-Slogans in die Kameras hielten. «[Ich] unterstütze den sauberen Mann», «Salman ist die beste Wahl für die neue Fifa» oder «Ja für Salman» war da zu lesen. Der Fifa-Kandidat aus Bahrain galt zu jenem Zeitpunkt als Favorit für die Nachfolge Sepp Blatters.

Manche der Unterstützer stammten aus dem Mittleren Osten oder aus Afrika. Die Schilder – alle gleich gross – sahen aus, als wären sie von ein und derselben Person gelayoutet worden.

Laut einem Mitglied der Demonstrantengruppe, einem jungen Senegalesen aus dem Grossraum Zürich, waren die Salman-Supporter gezielt rekrutiert und für ihre Präsenz bezahlt worden. Gemäss dem Whatsapp-Chatverlauf zwischen zwei der Angeworbenen, welcher dem «Tages-Anzeiger» vorliegt, waren bereits am Mittwoch Leute gesucht worden, die Scheich Salman unterstützen würden – gegen Geld.

Drei Stunden Präsenzzeit

Der Senegalese wurde an jenem Tag von einem Freund, ebenfalls Afrikaner,­ ­kontaktiert. Für drei Stunden Präsenz vor dem Hallenstadion, acht Uhr bis elf Uhr, versprach man ihm ein Salär von 80 Franken. Am Ende erhielt er 100 Franken von einem älteren Herrn unbekannten Namens, der als Leiter der Aktion in Erscheinung trat.

Ein Teil des eingekauften Salman-«Street-Teams» stammte gemäss dem Senegalesen aus dem Grossraum Zürich, ein zweiter Teil wurde per Bus aus der Region Genf nach Oerlikon gefahren. Der Angeworbene möchte seinen Namen nicht in der Zeitung lesen, da er fürchtet, dass sein Arbeitgeber von der Geschichte erfahren könnte. «Ich bin Ausländer in der Schweiz, ich will keine Probleme», sagt er.

Wer die ungewöhnliche Unterstützung organisiert und finanziert hat, weiss der Senegalese nicht. Seine Kontaktperson will nicht mit dem «Tages-Anzeiger» sprechen. Das Team von Scheich Salman antwortete gestern Abend nicht auf Fragen.

Wenige Stunden nach der Pro-Salman-Veranstaltung erschienen vor dem Hallenstadion eine Handvoll Aktivisten, die gegen den Scheich Stimmung machten. Sie schwenkten eine Bahrain-Fahne, schrien «Nieder mit Salman!» und entrollten ein Transparent, das bahrainische Prügelopfer zeigte. Während Protesten im Zuge des Arabischen Frühlings waren 2011 auch Sportler verletzt worden – ­Menschenrechtsorganisationen werfen Scheich Salman vor, zu wenig für die bahrainischen Athleten getan zu haben. Der Angegriffene sagte stets, er habe mit der Gewalt nichts zu tun gehabt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.02.2016, 19:46 Uhr

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