Die Fäden verloren

Erdal Keser ist nicht mehr Sportchef in Wil. Vizepräsident Bigger beschwichtigt.

Erdal Keser muss den FC Wil verlassen, wegen «unterschiedlicher Auffassungen über die Ausführung der Funktion als Sportchef».

Erdal Keser muss den FC Wil verlassen, wegen «unterschiedlicher Auffassungen über die Ausführung der Funktion als Sportchef». Bild: Keystone

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Es ist noch gar nicht lange her, da empfing Erdal Keser mit weit ausgestreckten Armen in seinem neuen Reich in Wil. Er legte seine beiden Handys auf den Tisch – sie suggerierten: Die Fäden laufen bei mir zusammen.

Keser war der neue Sportchef des Fussballclubs in Wil, er durfte im Namen Günals, des neuen türkischen Besitzers, sprechen. Und er machte dies, wie man das halt so macht, wenn man Grosses vorhat: Er wählte die grossen Worte. Er sagte, nur der Aufstieg sei gut genug für den Verein. Er sprach von europäischen Erfolgen, er bat um Zeit und Geduld, denn es komme gut mit den türkischen Besitzern und dem Club.

«Einfach ein Personalentscheid»

53 Tage nach dem grossen Empfang ist Keser Geschichte. Er ging. Er musste gehen. Wegen «unterschiedlicher Auffassungen über die Ausführung der Funktion als Sportchef», so lautete das Communiqué des Clubs. Der erste Gedanke: Sieht so Geduld aus? Der zweite: Wie durchdacht sind die Personalentscheide in Wil?

Roger Bigger, der ehemalige Präsident, der heutige Vizepräsident und Statthalter von Günal, sagt, manchmal sei es besser, «lieber früher als später einen Schlussstrich zu ziehen», wenn es nicht mehr gehe. Er lässt durchblicken, dass die Besitzer immer weniger mit Kesers Art klarkamen. Dieser wollte Weidenfeller, Westermann oder Barnetta nach Wil holen, Günal sagte Nein, zu teuer. Keser stand am Anfang des Prämienmissverständnisses, das Bigger als «Kommunikationspanne» beschreibt: Onlinemedien schrieben damals, Wil zahle keine Prämien, Keser halte seine Versprechen nicht.

«Der Entscheid hat gar nichts mit dem Gesamtkonstrukt Wil zu tun. Das funktioniert», sagt Bigger und spricht davon, dass die Freistellung als das angeschaut werden müsse, was sie letzten Endes auch sei: «Einfach ein Personalentscheid.»

Verpatzter Saisonstart

Wil steht nach sieben Spielen und elf Punkten auf dem 4. Rang der Challenge League. Bigger nennt den Saisonstart «durchzogen», man dürfe aber auch nicht allzu viel erwarten: «Wir sind noch nicht eingespielt, das braucht Zeit.»

Bigger selbst ist als Verwaltungsratsmitglied in alle wichtigen Entscheide integriert und koordiniert zurzeit die Umstrukturierungen – immer in Rücksprache mit den Clubbesitzern, die in der Türkei leben. Ein Ziel der Reorganisation ist, das Backoffice – die Marketing- und Sponsoringabteilung – zu vergrössern und zu professionalisieren. Und der Sportchef wird wegrationalisiert: «Neu werden die sportlichen Geschicke innerhalb der Sportskommission, bestehend aus den Verwaltungsratsmitgliedern sowie fundierten Kennern der Schweizer Fussballszene, geleitet», heisst es im Communiqué. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.09.2015, 19:28 Uhr

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