«Die Fehler anderer ausbügeln»

Veroljub Salatic ging einst im Streit und kehrt jetzt zum krisengeplagten GC zurück. Der 33-Jährige erklärt, warum.

Zurück bei GC: Veroljub Salatic.

Zurück bei GC: Veroljub Salatic. Bild: Andrea Zahler

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Sie gehen bei GC behutsam um mit ihm, ihrem neuen Transfer. Knapp eine Viertelstunde hat Veroljub Salatic zwischen Training und Mittagessen Zeit, um mit Journalisten zu reden – fünf Minuten pro Medium. Es ist der erste und vorläufig einzige Termin für den Mann, den der Super-League-Absteiger vor rund einer Woche verpflichtete. Oder besser gesagt, zurückholte.

Gut, vorzustellen braucht sich der Mittelfeldspieler in Zürich nicht mehr. Schliesslich wurde er bei GC im Nachwuchs ausgebildet und bestritt total 356 Pflichtspiele für die erste Mannschaft. Er war Captain, Leistungsträger – aber plötzlich auch Unruheherd. Das war 2014. Und das ist vielleicht auch der Grund, wieso ein Zuzug vor den Medien, so gut es geht, abgeschirmt wird.

Die Rückkehr des ehemaligen Captains wirft Fragen auf. Und einige davon beziehen sich zwangsläufig auf die Vergangenheit, das weiss auch Salatic. Dennoch erscheint er gut gelaunt, lächelnd. Händeschütteln hier, abklatschen da. Auch mit Journalisten, man kennt sich. Und doch hat sich viel verändert, seit der heute 33-Jährige im Februar 2015 den GC-Campus fluchtartig verliess und zu Sion wechselte. «Viele neue Gesichter» gebe es im Team. Und vor allem: «Viele junge Spieler.» Im aktuellen Kader ist er neben Marko Basic der einzige Spieler jenseits der 30. Deshalb sei es nicht so schwer, auch als Neuling im Team sofort die Leaderrolle zu übernehmen. Die grössere Herausforderung: «Alle neuen Namen zu lernen.»

Mit Trainer überworfen, dann begnadigt

Die Aufgabe des Führungsspielers fällt ihm leichter, diese hatte er schon inne, bevor er nach Sitten ging. Allerdings gefiel seine Interpretation dieser Aufgabe nicht allen im Verein, es gab Machtkämpfe, er soll sogar Teamkollegen eingeschüchtert haben. Salatic überwarf sich mit dem damaligen Trainer Michael Skibbe, wurde suspendiert, erzwang vor Gericht die Wiedereingliederung ins Mannschaftstraining. Dann die plötzliche Wende: Präsident Stephan Anliker begnadigte ihn, und Salatic stand wieder in der Startaufstellung.

Was für ein Leader (oder gar Captain) will er jetzt sein? «Das werdet ihr auf dem Platz sehen. Wie ich in der Kabine funktioniere, muss ich hier nicht allen erzählen.» Leader. Das war der in Bosnien geborene Schweizer auch in Sitten und zuletzt bei FK Ufa in Russland, sagt er. Dieser Status im Team liege ihm. Auch, als es zuletzt brenzlig wurde: «Als alle Angst hatten, bin ich meinen Mann gestanden.» Er spricht damit den Abstiegskampf an, in dem er sich noch vor drei Wochen mit Ufa befand. Obwohl Salatic in seiner zweiten Saison in der Premier Liga deutlich weniger zum Einsatz kam – von März bis Mitte Mai spielte er elfmal in Folge nicht –, stand er im Relegations-Hinspiel in der Startformation. Ufa gewann 2:0, und weil das erst im Dezember 2010 gegründete Team das Rückspiel nur 0:1 verlor (Salatic spielte die letzten zehn Minuten), reichte es für den Ligaerhalt.

So oder so bezeichnet Salatic das Russland-Abenteuer als positive Erfahrung. Seine Kinder haben dort in der Schule die Sprache gelernt, und er hat gemerkt, dass das Vorurteil des kaltherzigen Russen ins Reich der Vorurteile gehört. Stattdessen habe er gute Freunde gefunden.

Seitenhieb an die alte Vereinsführung?

In Russland hat Salatic zwar den Ligaerhalt geschafft, jetzt spielt er dennoch nicht erstklassig. «Ehrlich gesagt, habe ich noch gar nicht wirklich realisiert, dass ich jetzt in der Challenge League spiele», sagt der Rückkehrer. Gross befasst habe er sich bis jetzt nicht damit, denn nachdem Salatic mit seiner Frau entschied, in die Schweiz zurückzukehren, habe es für ihn nur eine Option gegeben: GC. «Jetzt müssen wir halt die Fehler anderer ausbügeln, dafür bin ich gerne bereit.»

Eine Kampfansage an den Rest der Liga? Nicht unbedingt: «Es ist noch zu früh, ein Ziel zu definieren. Jetzt steht das Konditionstraining im Fokus.» Was sein Satz aber gewesen sein könnte: ein Seitenhieb an die alte Vereinsführung. Hegt er also noch Groll auf gewisse Personen? Salatic winkt ab: «Als Mensch bin ich darüber hinweg. Wenn das andere Leute nicht sind, haben sie sonst ein Problem im Leben.» Gibt es etwas aus den turbulenten Zeiten zwischen September 2014 und Februar 2015, das er bereut? Diese Frage will Salatic nicht beantworten, für ihn ist der Gesprächstermin damit zu Ende. Selten kam ein Mittagessen zu einem besseren Zeitpunkt. (fas)

Erstellt: 24.06.2019, 19:54 Uhr

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