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Die Grasshoppers, die Angst und der liebe Gott

GC spielt in St. Gallen 0:0, ist nach 60 Minuten platt und will doch Positives mitnehmen.

Die Situation bleibt für die Grasshoppers unbequem.
Die Situation bleibt für die Grasshoppers unbequem.
Keystone

Dynamisch sah es aus, wie Tomislav Stipic der Seitenlinie entlang federte und sein Team mit beiden Händen nach vorne dirigierte. Bloss, da war keiner in seinem Team, der in der 91. Minute die Luft gehabt hätte, nur schon den Kopf so weit zu heben, dass er den Trainer der Grass­hoppers überhaupt registriert hätte. GC war platt, GC war ausgelaugt. Und das seit Minute sechzig.

Gut, Yoric Ravet hatte in der Nachspielzeit immerhin noch so viel Luft, sich eine Verwarnung für Reklamieren abzuholen. Aber das lag in erster Linie daran, dass der Franzose zu dem Zeitpunkt bereits seit 20 Minuten ausgewechselt auf der Bank verschnaufen durfte.

Nein, es war nicht schön anzuschauen, wie sich GC über die letzten Meter dieses Spiels beim FC St. Gallen schleppte und ein 0:0 rettete, das in der Tabelle wenig hilft. Aber schön war an diesem Duell zweier Teams in der Krise von Anfang an sowieso gar nichts gewesen.

Nur schwer zu ertragen

So hektisch und fehlerhaft war der Auftritt der Kontrahenten, so sehr von der Angst vor einem 0:1-Rückstand getrieben, dass es für die Zuschauer nur schwer zu ertragen war. Um die Mitte der ersten Halbzeit gab es eine fünfminütige Phase, in denen bloss einmal mehr als drei Pässe in Serie ans Ziel kamen. Den St. Gallern waren ganze vier Zuspiele gelungen, bevor auch dieser Angriff schon wieder irgendwo im Nirgendwo sein Ende fand.

Stipic hatte seine Sicht der Dinge jedenfalls exklusiv, als er nach dem Spielschluss behauptete, dies sei «ein ansehnliches 0:0 für die Leute im Stadion» gewesen. Die Pfiffe, mit denen die 11 000 Zuschauer die Teams in die Nacht schickten, deuteten auf etwas anderes hin. Stipics Antipode Peter Zeidler befand, angesichts der letzten Resultate habe man «kein schönes Spiel erwarten dürfen. Man hat bemerkt, dass alles verkrampft war.»

Aber gut, GC muss in dieser Saison auch keinen Schönheitspreis gewinnen. Für die Zürcher geht es bloss noch darum, Xamax auf dem Barrage-Platz abzufangen und irgendwie den Abstieg zu verhindern. Da ist es verständlich, wenn sich Stipic auch an jedes positive Zeichen klammert. Und sei es noch so klein.

Und ja, seine Zürcher wirkten – so lange sie Luft hatten – ein bisschen weniger wirr als die Ostschweizer. Vielleicht lag das aber auch bloss daran, dass sie deutlich seltener am Ball waren als ihre Gegenspieler. Und so weniger Fehlpässe spielen konnten.Ein Plan für den Lucky Punch

Einen Angriffsplan hatten sie mit nach St. Gallen genommen: Das weite Zuspiel von Aussenverteidiger Peter Pusic auf Stürmer Marco Djuricin. Beinahe hätte das gereicht, um einen Lucky Punch zu landen. Doch Djuricin vergab seine beiden Chancen. Und wer sich pro Spiel bloss zweieinhalb Gelegenheiten herausspielt, darf sich in der Regel nicht wundern, wenn er keine Tore schiesst.

Und gegen wen will denn dieses GC noch gewinnen, wenn nicht gegen diese St. Galler? Die waren mit drei Niederlagen in Serie auf dem Rücken in die Partie gestiegen. Sie haben jetzt in vier Spielen bloss zwei Treffer erzielt. Das relativiert dann Stipics Freude darüber, dass sein Team erstmals seit 15 Runden wieder mal ohne Gegentor geblieben ist.

Aber was will er auch anderes machen, als seine Spieler so lange zu loben, bis diese vielleicht selbst daran glauben, dass sie nicht so schlecht sind wie der Tabellenstand? Mitnehmen kann GC aus dem gestrigen Spiel, dass die Spieler bis zuletzt solidarisch verteidigt haben. Oder wie es ­Stipic sagte: «Wir haben alles auf dem Platz gelassen.» Ob das alleine reicht, um die Liga zu halten? Stipic sagt: «Das weiss nur der liebe Gott.»

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