Die Grasshoppers polieren ihr Image auf

10 Tore, ein superschneller Hattrick und friedliche Fans. Das 9:1 von GC macht auch dem Quartierclub Seefeld Freude.

Die GC-Spieler feiern den Matchwinner: Nassim Ben Khalifa (M.) trifft beim 9:1 im Cup gegen Seefeld fünf Mal.

Die GC-Spieler feiern den Matchwinner: Nassim Ben Khalifa (M.) trifft beim 9:1 im Cup gegen Seefeld fünf Mal. Bild: Walter Bieri/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Für schlechte Schlagzeilen sorgt der Fussball oft genug. Gerade in diesen Tagen. Gerade in Zürich. Fast immer geht es dabei um Gewalt von oder zwischen Chaoten.

Deshalb ist es gut, gibt es Spiele wie zwischen dem FC Seefeld und den Grasshoppers. Die GC-Fans sind ohnehin gerade dabei, ihr Image zu verbessern nach den Spielabbrüchen in Sitten und Luzern in diesem Frühjahr - und den Berichten über rechtsradikale Tendenzen im Anhang.

Jüngst hat sich die Kurve mit Transparenten gegen Rassismus eingesetzt und dem Club vorgeschlagen, auch auf der Spielerbrust mit Anti-Rassismus-Slogan aufzutreten. Und beim kleinen Stadtzürcher Derby auf dem Sportplatz Lengg sorgt der harte Kern des GC-Anhangs mit dafür, dass Seefeld-Präsident Marc Caprez am Samstag nach Spielende strahlend sagen kann: «Es war ein Fussballfest. Auch dank den GC-Fans.»

In der Pause hechtete ein GC-Goalie beim Penaltyschiessen

Ein Teil dieser GC-Anhänger hat am Tag vor dem Match zusammen mit Seefeld-Junioren ein grosses Transparent vorbereitet: «In Zürich wird FUSSBALL gross geschrieben», steht darauf. Und in der Pause stellt GC für ein Penaltyschiessen seinen dritten Goalie zur Verfügung.

Gut 1500 Zuschauer füllen die Lengg, der Club hat sämtliche Tickets verkauft, auch 160 für den VIP-Bereich zu je 100 Franken. Dem Quartierverein aus der 2. Liga bleibt neben den schönen Erinnerungen an den Spieltag wohl ein fünfstelliger Gewinn im tieferen Bereich.

Nicht nur die GC-Kurve war auf der Lengg ausverkauft: Die Anhänger des FC Seefeld machen Stimmung. (Bild: Walter Bieri/Keystone)

Eine nächste Runde allerdings gibts für Seefeld im Cup in dieser Saison nicht mehr. Die Amateure haben gegen die Profis zwar 75 Minuten lang gut mitgespielt, in der ersten Halbzeit zeitweise sehr gut. Sie lassen sich vom schnellen 0:2 nicht demoralisieren und erzielen vor der Halbzeit den Anschlusstreffer durch Medizin-Student Yann Meyer. Kurz nach der Pause kassiert Seefeld das 1:3 und eine Viertelstunde vor Schluss das 1:4. Danach aber ist die Mannschaft völlig kraftlos, was GC zu weiteren fünf Treffern nutzt.

«Der Unterschied ist: Wir trainieren zweimal pro Woche, GC zweimal am Tag», bilanziert Meyer später. Und findet auch: «Das Resultat widerspiegelt nicht, was wir geleistet haben. Das 1:9 hört sich nach einer Klatsche an, so war es aber nicht.»

Die Grasshoppers sind nach ihren Toren zum 2:0 bis zur 17. Minute überheblich geworden. Erst in der zweiten Halbzeit dominieren sie klar. «Grauenhaft» sei ihre Leistung bis zur Pause gewesen, sagt Vero Salatic später, meint es aber nur halb im ernst. Er redet von einem typischen Cupspiel gegen einen Unterklassigen und findet nach dem vierten Sieg im fünften Spiel seit dem Abstieg: «Bis jetzt machen wir einen ordentlichen Job. Haben aber in allen Bereichen auch noch Luft nach oben.»

Ben Khalifa: Drei Tore innert vier Minuten

Statistisch überragend endet die Partie für Nassim Ben Khalifa. Der Stürmer erzielt insgesamt fünf Tore, in der Schlussphase gelingt ihm innert vier Minuten ein Hattrick. Das klingt rekordverdächtig, ist aber noch recht weit von den Bestwerten entfernt.

Magnus Arvidsson hat es mit drei Toren innert 89 Sekunden für einen schwedischen Zweitligisten ins Guiness-Buch der Rekorde geschafft. Und selbst in den ganz grossen Ligen ist es noch rasanter gegangen. Sadio Mané, jetzt bei Liverpool unter Vertrag, traf für Southampton in der Premier League einst dreimal in 176 Sekunden. Robert Lewandowski gelangen 2015 für Bayern München gegen Wolfsburg fünf Treffer zwischen der 51. und 60 Minute, drei davon innert 202 Sekunden.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts oder direkt hier:

Erstellt: 18.08.2019, 11:30 Uhr

Artikel zum Thema

Das Zeichen der Fans

Die Kurve der Grasshoppers nutzt eine Chance und spricht sich gegen Rassismus aus. Mehr...

Ein Minisieg im Cup für die Young Boys

Beim Promotion-League-Club Etoile Carouge tat sich YB schwer, gewann aber 1:0. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Blogs

Sweet Home Machen Sie mehr aus Ihrem Sofa

Geldblog Georg Fischer fährt Achterbahn

Die Welt in Bildern

Was für eine Aussicht: Ein Mountainbiker macht Rast auf dem Gipfel des Garmil. Im Hintergrund sieht man die Churfirsten und die Alviergruppe. (13. September 2019)
(Bild: Gian Ehrenzeller) Mehr...